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Braubach

Erster Workshop in der VG Loreley: Bürgerbeteiligung soll Flutrisiken bewusst machen

Wie vielschichtig und individuell je nach Ortslage oder privater Situation der Schutz und die Vorsorge im Fall von Starkregen und Rhein-Hochwasser sein können, wurde in Braubach beim ersten Workshop in der Verbandsgemeinde Loreley zur Erstellung entsprechender Konzepte deutlich. VG-Bürgermeister Werner Groß und Ingenieur Roland Boettcher, der das Projekt betreut, nahmen zahlreiche Tipps und Anregungen der Bürger für die Erstellung des künftigen Risikomanagements mit.

Neben dem Rhein-Hochwasser kann auch eine Sturzflut nach Starkregen eine Stadt wie Braubach gefährden. Die VG Loreley erarbeitet derzeit gemeinsam mit Bürgern ein Konzept, das nicht nur Vorsorge- und Schutzmöglichkeiten aufzeigt, sondern die Risiken vor allem auch bewusst macht. Foto: Andreas Jöckel
Neben dem Rhein-Hochwasser kann auch eine Sturzflut nach Starkregen eine Stadt wie Braubach gefährden. Die VG Loreley erarbeitet derzeit gemeinsam mit Bürgern ein Konzept, das nicht nur Vorsorge- und Schutzmöglichkeiten aufzeigt, sondern die Risiken vor allem auch bewusst macht.
Foto: Andreas Jöckel

Sehr schnell wird am Beispiel Braubach deutlich, wie prekär die Lage in der Kulturlandschaft des Welterbes Oberes Mittelrheintal sein kann. Vom Tal her muss man sich auf relativ gut vorhersagbare Rhein-Hochwasser unterschiedlicher Intensität einstellen. Von den Höhen droht im Falle eines vorab unberechenbaren Starkregens unter anderem Gefahr aus zwei steil abfallenden Tälern, wo der Mühlbach und der Große Bach aus Richtung Becheln beziehungsweise Dachsenhausen hinunter in den Rhein fließen.

Gegen Rhein-Hochwasser ist Braubach relativ gut geschützt. Zumindest sorgt die Anlage dafür, dass im Falle eines statistisch etwa alle 65 Jahre auftretenden Hochwassers mit einem Pegelstand von maximal 9,50 Meter die Straßen hinter dem Bahndamm trocken bleiben. Das Risikopotenzial von Rhein-Hochwassern wird auch anhand von sehr exakten Karten des Umweltministeriums deutlich, die aufzeigen, bis an welche Stellen das Wasser bei 10-jährigen, 100-jährigen oder gar Extremereignissen reicht.

"Lehrpfad" könnte Risiken veranschaulichen

Nach den Erfahrungen des Vorsitzenden der Hochwassernotgemeinschaft (HWNG) Braubach, Heinz Scholl, sind sich jedoch viele Bürger der Bedeutung der möglichen Wasserstände und der damit verbundenen Risiken gar nicht bewusst. Er regte deshalb die Einrichtung eines "Flut-Informationspfades" an, der veranschaulicht, welche Wasserstände für wen bedeuten. Die HWNG sei bereit, dies zu unterstützen. Außerdem wies Scholl auf die trügerische Sicherheit der Schutzanlage hin: "Ab einem Wasserstand von mehr als 9,50 Meter wendet sich das Blatt und wir sind plötzlich die, die am dringendsten Hilfe brauchen." Auch der Braubacher Wehrführer Ralf Elenz befürchtet, dass es der Freiwilligen Feuerwehr in einem solchen Fall "an Pumpen, Booten und Manpower fehlt". Auch wichtig zu wissen: Laut Syna wird ab einem Pegelstand von 9,75 Metern der Trafo in der Charlottenstraße abgeschaltet und somit in der dortigen Umgebung die Stromversorgung unterbrochen.

Umgehungsstraße mit Bypass für den Bach

Völlig unvorhersehbar sind dagegen die Gefahren bei Starkregen in Verbindung mit Sturzfluten inklusive Schlamm und Geröll. Zwar sieht sich Braubach auch in diesem Fall zumindest im Bereich des Großen Bachs aufgrund eines Regenrückhaltebeckens relativ gut geschützt. Je nach Intensität kann jedoch aus dies nicht ausreichend sein. Deshalb wurde unter anderem angeregt, im Falle des Baus einer Umgehung zwischen B 42 und L 335 mit Tunnellösung auch einen Bypass für den Bach in Richtung Rhein zu legen, um gegebenenfalls Entlastung schaffen zu können.

Keine Gartenabfälle an Fließgewässern

Gerade im Zusammenhang mit Starkregen wurde mehrfach auf Verstopfung von Gittern an Einlaufbauwerken hingewiesen, weil Unrat und Gartenabfälle in der Nähe von Fließgewässern gelagert werden. Wehrführer Elenz wusste von Ereignissen zu berichten, bei denen Feuerwehr und Bauhof damit beschäftigt waren, ein Fahrrad und eine Matratze zu entfernen, die Rohrleitungen verstopft hatten. Stadtbürgermeister Joachim Müller wies darauf hin, dass die Ablagerung von Gartenabfällen an Bachläufen verboten ist: "Wenn Ihnen das auffällt, sprechen Sie Nachbarn oder Bekannte doch höflich darauf an, denn sie sind sich der Gefahr oftmals gar nicht bewusst."

Kein Halt an Verwaltungsgrenzen

Auf die Zustimmung von Boettcher und Groß stieß auch der Hinweis, dass Starkregen keinen Halt an Verwaltungsgrenzen macht. Eine Kooperation mit der Verbandsgemeinde Nastätten auf den Taunushöhen wird deshalb angestrebt.

Weitere Workshops folgen

Nach dem Auftakt in Braubach wird es zunächst weitere Workshops in der VG Loreley geben, um Erfahrungen und Anregungen der Bürger zu sammeln. Alle sollen zusammen mit den Risikoanalysen und den Abstimmungen mit Feuerwehren sowie Ver- und Entsorgern in die Ergebnisse einfließen. Nach weiteren Workshops zu Schwerpunktthemen sollen die Ergebnisse in einer Abschlussveranstaltung diskutiert werden, bevor das ausführliche Gesamtkonzept veröffentlicht wird.

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

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