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Nastätten

Eltern-Kind-Treffen in Nastätten: Wenn Kastanien zum Abenteuer werden

Cordula Sailer

10.30 Uhr an einem Freitagvormittag im Jugendhaus Hahnenmühle in Nastätten: Fünf Mütter und ihre Kinder krabbeln auf dem Fußboden, lassen Kastanien durch Papprohre kullern oder füllen sie mit Löffeln in Eierkartons oder Backformen. Passend dazu gibt es einen Snack für Mütter wie Kinder: heiße Maronen.

Erzieherin Evelyn Klein (rechts) leitet den Eltern-Kind-Treff in der Hahnenmühle. Ihr geht es darum, dass die Kleinkinder verschiedene Erfahrungen sammeln können. So reicht sie diesmal heiße Maronen – auch wenn nicht jeder kleine Teilnehmer damit zu beeindrucken ist. Foto: Sailer
Erzieherin Evelyn Klein (rechts) leitet den Eltern-Kind-Treff in der Hahnenmühle. Ihr geht es darum, dass die Kleinkinder verschiedene Erfahrungen sammeln können. So reicht sie diesmal heiße Maronen – auch wenn nicht jeder kleine Teilnehmer damit zu beeindrucken ist.
Foto: Sailer

„Es geht darum, dass die Kinder verschiedene Erfahrungen sammeln“, sagt Erzieherin Evelyn Klein, die den wöchentlich stattfindenden Eltern-Kind-Treff leitet. Die Zielgruppe sind Eltern mit bis zu zweijährigen Kindern. Angeboten wird der Treff von der Katholischen Familienbildungsstätte in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern wie der Hahnenmühle und dem Netzwerk Kindeswohl des Jugendamtes.

„Ich mache hier auch Sachen, die man zu Hause nicht unbedingt macht“, sagt Klein. So werden dann auch mal zwei Schüsseln Wackelpudding in die Mitte des Sitzkreises gestellt. „Dann können die Kinder fühlen, schmecken und matschen.“ Im Zentrum steht jedes Mal eine andere Aktion – auch Schnecken aus Pfeifenputzern sind schon gebastelt und Bilder mit selbst gemachter Fingerfarbe gemalt worden.

Das Rahmenprogramm gestaltet Klein für die Kinder aber jedes Mal ähnlich: Zuerst gibt es ein Begrüßungslied. „Danach singen wir direkt noch ein paar Lieder, machen Fingerspiele oder gehen direkt in die ,Wie geht's mir?'-Runde“, erzählt Evelyn Klein. Bei dieser Runde dürfen die Mütter und Väter der Reihe nach erzählen, wie es ihnen und den Kindern geht. „Es ist aber keiner gezwungen, etwas zu sagen“, betont Klein. An diesem Freitag werden kurze Nächte angesprochen, Erkältungen, Fieberkrämpfe, Früherkennungsuntersuchungen beim Arzt, Erlebnisse auf der Kirmes oder im eigenen Garten und „der ganz normale Wahnsinn“, wie es eine Mutter ausdrückt.

„Das ist immer nett, zu hören, dass alle Kinder gleich oft krank sind und gleich oft schlecht schlafen“, meint Anja Walther mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie kommt mit ihrer etwa 15 Monate alten Tochter Helen aus Weisel zur Krabbelgruppe angereist. Es sei gut, sich wenigstens einen festen Termin in der Woche freizuhalten, „um etwas anderes zu machen, als zu Hause die Wäsche zu waschen und nebenbei zu spielen“. Der Freitagvormittag ist bewusste Mutter-Tochter-Zeit.

Die ein oder andere Idee aus dem Eltern-Kind-Treff lässt sich auch mit nach Hause nehmen. Denn normalerweise hätte sie nie so viele Kastanien gesammelt, wenn nicht Evelyn Klein für das Treffen darum gebeten hätte, sagt Walther. „Das war ein Anreiz, die Kastanien in die Badewanne zu schütten, und meine beiden jüngeren Kinder haben schon eine Stunde lang damit gespielt“, erzählt die Mutter. Sich eine Stunde intensiv mit etwas zu beschäftigen – eine lange Zeit für kleine Kinder. „Das war schon sehr beeindruckend.“

Marie Höhn besucht mit ihrer fast zweijährigen Tochter die Gruppe. „Frauke blüht auf“, sagt die Mutter. „Sie ist zwar immer sehr zurückhaltend, aber sie spielt.“ Zwar gebe es in ihrer Heimatgemeinde Miehlen auch Krabbelgruppen. Die waren Höhn aber zu überfüllt. „Hier finde ich es angenehm, weil es ein kleiner Kreis ist und die Kinder in Ruhe spielen können.“ Außerdem findet die junge Mutter den Austausch mit den anderen Eltern gut. Vor allem beim ersten Kind wisse man nicht in jeder Situation, was am besten zu tun ist. „Deswegen ist das ganz angenehm.“

Ute Pawlitschek kommt seit Kurzem mit ihrem gut drei Monate alten Sohn Elias in die Gruppe. „Ihm macht es total viel Spaß, dass so viel los ist“ , sagt die Mutter. Er könne den anderen zuschauen, selbst mitmachen und neue Lieder lernen. Ute Pawlitschek geht es vor allem darum, dass ihr Sohn Gleichaltrige trifft. „Wir hoffen, dass noch kleinere Kinder nachkommen, weil die alle schon größer sind.“ Das wünscht sich auch Treffleiterin Evelyn Klein. „Die Eineinhalb bis Zweijährigen, die gehen jetzt nach und nach.“ Für einige von ihnen habe bereits die Kindergartenzeit begonnen. „Und wir brauchen ein bisschen Nachwuchs für die Gruppe“, sagt Klein. Insgesamt habe sich das Eltern-Kind-Treffen anders entwickelt als erwartet.

Denn eigentlich sei die Gruppe für Flüchtlings- und sozial schwächere Familien gedacht gewesen. Momentan dominiere jedoch der Mittelstand. Auch Flüchtlinge nehmen derzeit nicht an dem Eltern-Kind-Treffen teil. „Bis vor zwei Wochen hatten wir eine Mutter mit ihrem Kind aus Syrien, aber das geht jetzt in den Kindergarten“, erzählt Klein. Die Gruppentreffen seien also anders als von den Initiatoren geplant, „aber trotzdem gut“, betont Klein. Dennoch dürfe das Treffen gern internationaler werden.

Für Evelyn Klein selbst hat die Betreuung der Krabbelgruppe als Elternzeitprojekt begonnen: „Der Gedanke dahinter war, dass ich wieder in die Arbeit reinkomme.“ Für die Erzieherin war es eine neue Herausforderung, auch mit den Müttern und Vätern zu arbeiten, was sie so von ihrer Arbeit im Kindergarten noch nicht kannte. „Man kriegt die Eltern hautnah im Kontakt mit dem Kind mit: wie sie mit dem Kind umgehen und was sie selbst für Sorgen haben“, erzählt Klein. Wenn sie merkt, dass die Eltern ein bestimmtes Thema umtreibt, hat sie auch die Möglichkeit, Referenten der Katholischen Familienbildungsstätte in die Gruppe einzuladen. So kann es sein, dass in der Krabbelgruppe etwa auch ein Erste-Hilfe-Kurs stattfindet. Evelyn Klein tritt im Februar wieder ihre Stelle in einem Kindergarten in St. Goarshausen an. „Aber den Freitag halte ich mir frei“, sagt sie, „das wird ja auch zur Herzenssache.“

Das offene internationale Eltern-Kind-Treffen findet jeden Freitag von 10 bis 11.30 Uhr im Jugendhaus Hahnenmühle, Oranienstraße 2, in Nastätten statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Interessierte können vorbeischauen.

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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