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Sauerthal

Bürger-Workshop III in der VG Loreley: Sauerthal will sich gegen Sturzflut sichern

Andreas Jöckel

Wenn immerhin ein Fünftel der Einwohner zu einem Bürger-Workshop erscheint, ist das ein Zeichen dafür, dass ein Thema unter den Nägeln brennt. Das gilt auch dann, wenn es wie im Fall der 150-Seelen-Gemeinde Sauerthal rund 30 Personen sind, die auf Einladung der Verbandsgemeinde Loreley in die Sickinger Halle gekommen sind.

Mehrmals waren Einsatzkräfte und Einwohner nach Starkregen mit Sturzfluten im Jahr 2016 in Sauerthal im Dauerstress. Foto: Mira Müller
Mehrmals waren Einsatzkräfte und Einwohner nach Starkregen mit Sturzfluten im Jahr 2016 in Sauerthal im Dauerstress.
Foto: Mira Müller

„Vorsorgekonzept Starkregen und Rhein-Hochwasser“ lautet das Thema. Nach Veranstaltungen in Braubach und Kaub ist es bereits der dritte Workshop dieser Art. Das Ziel: Zukünftig sollen die Risiken von Schäden durch Rhein-Hochwasser und Starkregen möglichst in allen Gemeinden der Verbandsgemeinde Loreley gemindert werden. Dazu sollen gemeinsam mit den Bürgern maßgeschneiderte Vorsorge- und Schutzkonzepte entwickelt werden.

Prekäre Lage

Zwar ist Rhein-Hochwasser für das auf rund 200 Meter Höhe liegende Sauerthal nur indirekt ein Thema. Aber was Starkregen anrichten kann, haben die Bewohner des sehr engen Tals zwischen den Steilhängen des Rheinischen Schiefergebirges in diesem Jahrzehnt bereits mehrfach zu spüren bekommen, zuletzt bei den Extremereignissen im Mai und Juni 2016. Ein Sturzbach, der Schlamm, Geröll und Äste mit sich führte, überflutete die Tiefenbachstraße, stellenweise stand die Straße zwei Meter unter Wasser, Keller wurden geflutet.

Gesetzgeber fordert Eigenvorsorge

Da ist es beim Workshop für die Bürger zunächst ernüchternd, wenn Ralf Schernikau, der beim Umweltministerium in Mainz für Hochwasserschutz zuständig ist, und Ingenieur Roland Boettcher, der das Vorsorgekonzept für die VG betreut, einhellig verkünden, dass der Gesetzgeber von Haus- und Grundstücksbesitzern zunächst Eigenverantwortung und Eigenvorsorge gegen Flutschäden fordert. Abgesehen von baulichen Maßnahmen weisen beide auch eindringlich auf die Notwendigkeit von Versicherungen gegen Elementarschäden hin. Schernikau verweist auch auf die Möglichkeit, Hilfe bei der Verbraucherschutzzentrale Rheinland-Pfalz zu suchen, falls eine Versicherung den Vertragsabschluss verweigert.

Gemeinderat will Lebensqualität erhalten

Dennoch sollen die Bürger mit ihren Problemen nicht allein gelassen werden. Laut Ortsbürgermeister Stefan Vohs ist der Gemeinderat entschlossen, dafür zu sorgen, dass die Wohnqualität in Sauerthal erhalten bleibt. Ein Ingenieurbüro hat bereit ein Konzept erstellt. Dieses beinhaltet ein neues Einlaufbauwerk und eine neue Verrohrung. Wenn diese für die Wassermassen nicht ausreicht, wird die Flut mittels Bauwerken oberirdisch über die Straße so zu Tal geleitet, dass Häuser keinen Schaden mehr nehmen. Ein Fangnetz für Geröll wurde bereits repariert, ein Zweites installiert.

Land trägt 60 Prozent der Kosten

Insgesamt werden die Kosten auf 370.000 Euro geschätzt. Laut Schernikau wurde dazu eine Landesförderung in Höhe von 60 Prozent bereits genehmigt. Auch die verbleibenden 150.000 Euro sind für Sauerthal, das über keine Gewerbesteuerquellen verfügt, viel Geld: „Wir müssen zwar keinen Kredit aufnehmen, aber danach sind wir auf Null“, sagt Ortschef Vohs. Über fast drei Jahrzehnte angesparte Rücklagen seien dann aufgebraucht.

So geht es weiter

Die Erfahrungen und Anregungen der Bürger zum Vorsorgekonzept werden jetzt in Sauerthal und der VG weiter gesammelt. Alle sollen zusammen mit den Risikoanalysen und den Abstimmungen mit Feuerwehren sowie Ver- und Entsorgern in die Ergebnisse einfließen. Nach weiteren Workshops zu Schwerpunktthemen sollen die Ergebnisse in einer Abschlussveranstaltung diskutiert werden, bevor das ausführliche Gesamtkonzept veröffentlicht wird. Der nächste Workshop findet am Mittwoch, 16. Mai, in St. Goarshausen statt.

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

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