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Heidenrod

Brauerei vor der privaten Sauna: Heidenroder Bier hat schon viele Freunde

Thorsten Stötzer

Heidenrod hat eine Brauerei. Die befindet sich in keinem Gewerbegebiet, sondern im Neubaugebiet des Ortsteils Nauroth und ist von außen nicht als solche zu erkennen. Schornsteine und Kühltürme fehlen, denn es wird bedächtig gearbeitet: Schließlich entsteht ein Craftbeer, der englische Name beinhaltet das Handwerkliche, das Ralf und Tanja Otto engagiert pflegen.

Tanja und Ralf Otto produzieren Craftbeer in ihrer kleinen Hausbrauerei in Heidenrod. Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist groß: Das Ehepaar produziert nun dreimal soviel als eigentlich geplant: 150 Hektoliter im Jahr.  Foto: Thorsten Stötzer
Tanja und Ralf Otto produzieren Craftbeer in ihrer kleinen Hausbrauerei in Heidenrod. Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist groß: Das Ehepaar produziert nun dreimal soviel als eigentlich geplant: 150 Hektoliter im Jahr.
Foto: Thorsten Stötzer

Direkt vor der privaten Sauna im Keller ihres Wohnhauses befindet sich das Herzstück ihrer Heidenroder Craft-Brauerei. Dort stehen Eimer voller Malzschrot und vor allem der 50 Liter fassende Braukessel. Auf einer Tafel ist – von einer Hopfengirlande umkränzt – das Datum vom 5. Juli des vergangenen Jahres zu lesen: Da wurde der erste Sud angesetzt für ein „Bernstein-Helles“.

Heidenroder Bier gibt es in der 0,33-Liter-Bügelflasche und in Fässern von 5 bis 50 Litern Fassungsvermögen. Das obergärige „Classix“ ist ein dunkles Bier. Es ähnele Altbier, erläutert Ralf Otto. Helles Bernstein gehe am besten, der Familienvater beschreibt es als mild und süffig. Dazu kommt ein klassisches Pils – das schmeckt ihm persönlich am besten im Gegensatz zu seiner Frau. „Das ist dem Markt angepasst“, erklärt er, die Biere sollten nicht allzu herb schmecken.

Das Konzept scheint aufzugehen. „Wir sind überwältigt vom Zuspruch“, sagt Ralf Otto. Die dreifache Menge als eigentlich gedacht produziert das Ehepaar, das laufe auf 150 Hektoliter im Jahr hinaus. Das alles brauen sie im Wohnhaus zusammen. Dorthin kommen Kunden aus der Gegend von Taunusstein bis Geisenheim, exklusiver „Rampenverkauf ab Garage“ ist üblich bei den Hessen.

Das Know-how hat sich das Ehepaar nicht aus dem Internet zusammengesucht, Ralf Otto ist vielmehr vom Fach. Europaweit ist er für die Firma Erbslöh aus Geisenheim unterwegs und leistet technische Beratung für Brauereien. Vorher war er 30 Jahre lang in der Herborner Brauerei beschäftigt, wie auch sein Vater und sein Bruder. Vom Ferienjobber hat er es zum Braumeister gebracht. Die Dekoration im Keller erinnert noch an diese Zeit, und Erfahrung ist auf jeden Fall vorhanden. „Mein Wunsch war es immer schon, ein eigenes Bier zu brauen“, erzählt der 55-Jährige. Nach dem Umzug nach Nauroth 2016 wurde er wahr. Im April 2017 wurde ein Nebengewerbe angemeldet, das Zollamt markierte in der Doppelgarage eine steuerpflichtige Zone. Im Rathaus der Gemeinde hat sich Otto die Genehmigung geholt, das Heidenroder Wappen auf Etiketten zeigen zu dürfen.

Annähernd 20.000 Euro hat er in die Technik und die Logistik rund um Fässer und Flaschen investiert. Eine Anlage enthärtet das Naurother Wasser. Die Abfüllung reicht für ein Pensum von vier bis sechs Kästen pro Stunde. Das aus Bad Kreuznach bezogene Malz wird von Hand gemahlen. Trotz der Mühen „hat das Ganze einen Spaßfaktor“. Den will Ralf Otto außerdem in Bier- und Brauseminaren Interessierten vermitteln, die seine Getränke oft bei Festen in der Umgebung kennenlernen.

Im Alltag übernimmt Tanja Otto einen Großteil der Arbeit, da der Meister viel unterwegs ist. Seine Frau ist sonst in der mobilen Altenpflege tätig, besitzt zugleich handwerkliches Geschick und scheut sich auch nicht, nachts am Braukessel zu stehen und sich um den zweiten Sud des Tages zu kümmern.

Angesichts des Absatzerfolges reifen Pläne für das laufende Jahr. Ein zweiter Braukessel könnte den Ausstoß vergrößern. Womöglich verbreitert sich die Produktpalette: Ralf Otto denkt daran, eventuell ein Weizenbier für den Sommer ins Sortiment aufzunehmen. Weil dann die Fußballweltmeisterschaft ansteht, lagern bereits kleine Fässer mit schwarz-rot-goldener Lackierung in der Garage.

Informationen im Internet unter www.heidenroder-craft-brauerei.de

Von unserem Mitarbeiter Thorsten Stötzer

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