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Mittelrhein

Armutszeugnis für Loreley-Region: Gastronomie hat dringenden Nachholbedarf

Andreas Jöckel

Die schlechte Nachricht: Dem gastronomischen Angebot auf der Loreley und entlang der angrenzenden Rheinscheine stellen Sachverständige ein Armutszeugnis aus. Die gute Nachricht: Das Potenzial, um das Angebot und damit das Image einer ganzen Region zu verbessern, ist vorhanden. Erstellt wurde die Analyse, die auch einen Rahmen für das künftige Gastrokonzept auf dem Loreley-Plateau vorschlägt, von den Hotel- und Gastronomieexperten Volz & Partner im Auftrag der VG Loreley und der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Wie kann nun die Angebotslücke sinnvoll gefüllt werden?

1 Wie bewerten die Sachverständigen das derzeitige gastronomische Angebot auf der Loreley und in der Umgebung?

Einem Satz aus der Analyse, die Adnan Azrak (Geschäftsführender Gesellschafter) im VG-Rat Loreley vorgestellt hat, ist kaum etwas hinzuzufügen: „Kaum ein Betrieb in der Region verfügt über ausreichende Kapazitäten und einen adäquaten Standard, um den Anforderungen von Tagesgästen, Urlaubern oder Event-Besuchern gerecht werden zu können.“ Zwar ist auf der Loreley mit Bistro und Biergarten eine Grundversorgung gegeben. Aber es fehlt ein prägendes Aushängeschild. In der ganzen Region ist das Angebot trotz der Tradition als Tourismusdestination „qualitativ und quantitativ sehr begrenzt“. Die Folge: Eine nachhaltige Vermarktung des Standortes Loreley ist kaum möglich.

2 Welche Nachfragepotenziale ergeben sich auf der neuen Loreley und auf dem Weg zur Buga 2029/31?

Die Loreley ist einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands und das Herzstück des Welterbes Oberes Mittelrheintal. Nach der Eröffnung des Kultur- und Landschaftsparks zu Mythos und Rheinromantik werden ab 2019 jährlich 300.000 Besucher erwartet. Dabei nicht berücksichtigt sind Besucher der Freilichtbühne und Gäste eines auf dem Plateau geplanten Viersternehotels. Hauptsegmente sind Tagesgäste, nationale und internationale Reisegruppen sowie Flusskreuzfahrten. Hinzu kommt die regionale Bevölkerung (private Events und Bankette sowie Firmenveranstaltungen). Darüber hinaus muss der Betreiber sein Konzept vermarkten, um auch eigene Nachfrage zu schaffen. Welches zusätzliches Besucherpotenzial die Entwicklung der Buga im Mittelrheintal mit sich bringen wird, lässt sich derzeit nicht exakt abschätzen. Da das Loreley-Plateau als ein zentraler Veranstaltungsort der Buga vorgesehen ist, dürfte im Jahr der Großveranstaltung mit erheblichen Mehreinnahmen zu rechnen sein.

3 Welche Konzeptideen für ein Leuchtturmprojekt auf der Loreley, das erfolgsorientiert und nachhaltig ist, gibt es?

Bis 2021 soll die ehemalige Jugendherberge von der VG in ein Eingangs- und Gastronomiegebäude umgebaut werden, das von einem Pächter ganzjährig betrieben wird. „Gehoben, aber nicht abgehoben“ soll dort die Devise lauten. In einem privat geführten Restaurant mit 120 Plätzen sollen überwiegend lokal produzierte, frische Produkte angeboten werden. Bei einem ausgewogenen Preis-Leistungs-Verhältnis soll der Verzehr pro Gast bei durchschnittlich rund 15 Euro liegen. An dem „Wohlfühlort“ kann der Gast auch eine Auswahl der regionalen Produkte als Souvenir mitnehmen. Bis der Umbau erfolgt ist, wird der Betreiber voraussichtlich ab April 2019 zunächst nur das bisherige Besucherzentrum übernehmen. Hier stellt man sich ebenfalls auf Dauer ein Self-Service-Restaurant mit etwa 65 Plätzen vor, das als abgestuftes Angebot eine Ergänzung darstellt. Beim durchschnittlichen Verzehr wird hier mit etwa 6,50 Euro pro Gast kalkuliert.

4 Wie sieht das Profil eines künftigen Betreibers aus, und was ist dessen Strategie?

Der neue Betrieb muss sich als ein führendes Gasthaus der Region positionieren. Um für das Welterbe eine Zugpferdfunktion zu übernehmen, braucht es neben einer exzellenten Küche auch einen sympathischen Gastgeber. Dieser soll eine nachhaltige Vermarktungsstrategie entwickeln und mit seinem Betrieb den Standort und die Marke Loreley wesentlich prägen – mit Ausstrahlung auf die Region.

5 Wie wird die Wirtschaftlichkeit auch im Hinblick auf Pachteinnahmen der Verbandsgemeinde beurteilt?

Entscheidende Grundvoraussetzungen für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes auf der Loreley sind die Rahmenbedingungen wie ein attraktiver Landschaftspark, eine adäquate touristische Infrastruktur und auch die Umsetzung des von der Firma Nidag zu entwickelnden Hotelbaus, dessen Restauration das gastronomische Angebot auf dem Plateau komplettieren soll. Nach Überwindung einer Anlaufphase wird damit gerechnet, dass ein Betreiber ab 2024 einen siebenstelligen jährlichen Gesamtumsatz erzielen kann. Ein branchenüblicher Rahmenwert zum Pachtansatz liegt bei 8 Prozent des Umsatzes, sodass die VG mittelfristig mit angemessenen Einnahmen rechnen kann.

6Welche ersten Schritte werden zur konkreten Umsetzung empfohlen?

Wenn ein Betreiber 2019 zunächst das Besucherzentrum übernimmt, muss er sich sicher sein, dass die VG auch einen Millionenbetrag in den Ausbau des neuen Gastronomiegebäudes investiert und an ihn zu einem angemessenen Preis verpachtet. Im Gegenzug muss die VG einen erfahrenen und charismatischen Betreiber unter den Bewerbern auswählen. Um erfolgreich zu sein, muss der Betreiber seine ganze Kraft und sein Know-how in die Gastronomie stecken. Der Betrieb und die Pflege des Parks sowie der Parkplätze werden deshalb von anderer Stelle übernommen werden müssen. Bei der Frage der Organisation des Parkbetriebs sind neben der VG bereits auch die Loreley-Touristik sowie der Welterbe-Zweckverband im Boot.

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

Kommentar: Dem Gast muss die Region auch schmecken

Andreas Jöckel zur Bedeutung der Gastronomie

Wenn eine Tourismusdestination erfolgreich sein will, braucht sie mehr als eine atemberaubende Kulturlandschaft. Sie braucht wertige Unterkünfte und Gasthäuser, wo sich die Besucher so wohlfühlen und es ihnen so gut geschmeckt hat, dass sie ihr Erlebnis per Mund-zu-Mund-Propaganda oder auf Bewertungsportalen im Internet positiv beurteilen. Idealerweise können sie auch von charismatischen Gastgebern berichten, die für ihre Heimat werben. Solche Betriebe gibt es bereits im Mittelrheintal, man denke etwa an die Welterbe-Gastgeber, aber es sind so wenige, dass man schon Kenner der Region sein muss, um sie zu kennen.

Das Armutszeugnis, das Sachverständige jetzt nach einem Besuch im Mai und Juni der Region ausgestellt haben, macht insbesondere am Beispiel der Loreley deutlich, wie wichtig frischer Wind im Welterbe auf dem Weg zur Buga 2029 oder 2031 ist. Neue Gastgeber, die nicht auf alteingesessenen Pfaden wandeln, müssen beweisen, dass sie mit durchdachten Konzepten zufriedene Kunden haben – das ganze Jahr über.

Beschlossen: Ganzjährige Tourist-Info auf der Loreley ab 2019

Mittelrhein. Ab 2019 will die Loreley-Touristik den Gästen im Welterbe Oberes Mittelrheintal eine ganzjährige Anlaufstelle im Besucherzentrum auf der Loreley anbieten. Dazu wird auch der Geschäftssitz des Vereins dorthin verlegt. Dem Vorschlag des Vorstandes hat der VG-Rat jetzt einstimmig zugestimmt.

Mit dem Umzug wollen die Touristiker auch verstärkt Aktivitäten im Kultur- und Landschaftspark übernehmen. Darüber hinaus sollen die Mitgliedsgemeinden unter anderem in den Bereichen Online-Marketing und Veranstaltungsorganisation unterstützt werden. Die konkreten Aufgaben werden derzeit noch im Rahmen einer Studie mit dem Titel „Modellhaftes Organisationskonzept für touristische Orte mit herausragender Bedeutung für die Buga 2029/31 im Welterbe Oberes Mittelrheintal“ definiert. Diese Studie wird von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz finanziert und von der ift Freizeit- und Tourismusberatung umgesetzt.

Mittelfristig ist vorgesehen, die ganzjährige Tourist-Info in der ehemaligen Jugendherberge unterzubringen, die im Rahmen des zweiten Bauabschnitts zum Eingangs- und Gastronomiegebäude umgebaut wird. Bis zur Fertigstellung hat der VG-Rat beschlossen, der Loreley-Touristik unentgeltlich ausreichende Räumlichkeiten im Besucherzentrum zur Verfügung zu stellen. aj

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