40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Bad Ems/Lahnstein
  • » Serie: Die Stars im Welterbe Oberes Mittelrheintal
  • » Was unterscheidet ökologischen von herkömmlichem Weinbau? Wir haben Ecovin-Winzer Dr. Randolf Kauer gefragt
  • Aus unserem Archiv
    Mittelrhein

    Was unterscheidet ökologischen von herkömmlichem Weinbau? Wir haben Ecovin-Winzer Dr. Randolf Kauer gefragt

    Nicht nur die Reben selbst stehen in vollem Saft, auch unter den Rebstöcken in den Wingerten von Winzer Dr. Randolf Kauer leuchtet der Boden saftig grün. Dass es im Fürstental bei Bacharach ungewohnt wild und naturbelassen aussieht, gehört zu Kauers Philosophie: Er ist zertifizierter Ökowinzer, und das von Beginn an, als er 1982 anfing, seinen Winzerbetrieb aufzubauen.

    In seinen Weinbergen grünt es auch unter den Rebstöcken: Dr. Randolf Kauer ist Ökowinzer aus Leidenschaft.
    In seinen Weinbergen grünt es auch unter den Rebstöcken: Dr. Randolf Kauer ist Ökowinzer aus Leidenschaft.
    Foto: Mira Müller

    Gerade in den Steillagen, wie sie im Welterbegebiet zu finden sind, ist dies eine besondere Herausforderung, bedeutet mehr Aufwand „und immer auch ein größeres Risiko“, erzählt Kauer, der eine Professur für ökologischen Weinbau an der Hochschule Geisenheim hat. Denn sowohl auf synthetische Herbizide als auch Fungizide wird beim Anbau verzichtet. Stattdessen wachsen die Kräuter unterm Stock und zwischen den Reihen, ihnen werden aufwendig mit Hacke und Sense Einhalt geboten. Zusätzlich bringt Kauer in jeder zweiten Reihe Grünschnitthäcksel aus, „je grober, desto besser“, mit dem Ziel, die Wasserverdunstung zu verringern und gleichzeitig die Begrünung zu einzudämmen. Hinzu kommt auch Stallmist oder Kompost sowie zugelassener organischer Stickstoffdünger, um die Reben mit Nährstoffen zu versorgen.

    Doch nicht nur die Pflege des Bodens unterscheidet sich beim ökologischen Weinanbau. Auch beim Pflanzenschutz gibt es strenge Vorgaben. Größter Feind eines auskömmlichen Ertrags ist auch hier der Pilzbefall durch Echten und Falschen Mehltau. Mitte des 19. Jahrhunderts aus Amerika eingeschleppt, wird er wie anno dazumal mit Schwefel und Kupfer bekämpft – jedoch stark reglementiert. Drei Kilo Kupfer dürfen jährlich pro Hektar zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus gespritzt werden, verteilt auf acht bis zehn Spritzungen im Acht-Tage-Rhythmus. Synthetische Fungizide sind im Ökoweinbau tabu. „Man arbeitet risikoreicher mit einem Wirkstoff, der zudem noch limitiert ist“, beschreibt Kauer die Gratwanderung. Doch im Schnitt habe Kauer in den vergangenen zehn Jahren 2,4 Kilo pro Hektar verwenden müssen.

    Schwefel als Mittel gegen Echten Mehltau kann in größerem Maße eingesetzt werden: bis zu acht Mal fünf Kilo pro Hektar und Spritzung. Aber auch Pflanzenstärkungsmittel wie Gesteinsmehl und Pflanzenextrakte spielen bei der Vorbeugung durch Pilzbefall eine große Rolle. Und eine weitere Möglichkeit ist das Spritzen mit Salzlösungen aus Kalium- oder Natriumbikarbonat, besser bekannt als Backpulver. Auf der Pflanze selbst kristallisieren die Salze wieder aus und entziehen den Pilzen das überlebenswichtige Wasser. Kehrseite: Zu stark konzentriert, wird auch den Blättern das Wasser entzogen, und es besteht die Gefahr eineVerbrennung.

    Die letzte Gefahr, die vor der Lese noch wartet, ist der Befall der Trauben mit Botrytis, also Grauschimmel. Wird dies im konventionellen Weinbau mit Botrytiziden bekämpft, „ist dies im ökologischen Weinbau nicht möglich, aber auch nicht so problematisch“, erklärt Kauer, „weil die Reben nicht so stark im Wuchs sind. Die Trauben wachsen nicht so kompakt, dick und klumpig, werden dadurch besser belüftet und trocknen schneller ab. Dadurch sind sie nicht so botrytisanfällig.“

    Doch weniger Wuchs bedeutet auch weniger Ertrag. „Bei einer Umstellung auf Bio geht der Ertrag um etwa 20 Prozent zurück“, erzählt Kauer. „Dafür hat man aber mehr Aufwand.“ Rund 5000 Liter Wein werden pro Hektar erwirtschaftet. In der Kellerwirtschaft, wo aus den Trauben der Wein entsteht, sei der Unterschied zur herkömmlichen Weinbereitung relativ klein. Neben dem Verbot einiger Herstellungsmethoden und Behandlungsstoffe ist insbesondere der Schwefelmenge im Wein begrenzt. Hierdurch ergebe sich aber kein Nachteil für die Haltbarkeit des Weins.

    Deutschlandweit wird auf 8000 Hektar Biowein angebaut. Dies entspricht rund 8 Prozent der Anbauflächen. „Aber bei den Studenten ist das Interesse an Bioweinbau riesig“, berichtet Kauer aus seiner beruflichen Erfahrung. Und auch die Konsumenten honorieren den Mehraufwand: "Bioweine erfreuen sich wegen ihrer guten Qualität hoher Wertschätzung. Immer mehr führende Erzeuger in Deutschland stellen um“, sagt Randolf Kauer.

    Von unserer Reporterin Mira Müller

    Stars im Welterbe: Alle Folgen der Serie im ÜberblickWelterbe-Serie, Teil 8: Vier Jahreszeiten im und um den Weinberg: Wie bei Winzer Jens Didinger aus der Traube an der Rebe der Wein in der Flasche wirdInterview: Weinbaupräsident Heinz-Uwe Fetz spricht über die Besonderheiten des Anbaugebiets MittelrheinZahlen, Daten, Fakten zum Weinbau im Mittelrheintal
    Serie: Stars im Unesco Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Anzeige
    Regionalwetter
    Samstag

    10°C - 19°C
    Sonntag

    9°C - 15°C
    Montag

    9°C - 15°C
    Dienstag

    9°C - 15°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Anzeige