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Kreis Altenkirchen

Letzte Tour auf der Holzbachtalstrecke: Weba fährt zum Abschied Güterrekord ein

Hans-Peter Günther

Süße Zahlen zum vorweihnachtlichen Abschied: 230.000 Tonnen an Gütern hat die Westerwaldbahn GmbH (Weba) im Jahr 2017 auf der Strecke Betzdorf-Altenkirchen-Selters in Kooperation mit der DB Cargo transportiert. Das ist ein Rekord seit der erstmaligen Bedienung der Strecke durch die Weba im Jahr 1998. Seit der Reaktivierung des Abschnitts Raubach-Selters im März 2006 lagen die Transportvolumen meist bei über 200.000 Tonnen pro Jahr. Laut Informationen unserer Zeitung konnte die kreiseigene Gesellschaft damit ein weitgehend ausgeglichenes Betriebsergebnis einfahren.

Und doch gehören die Gütertransporte der Weba, überwiegend Stahlcoils für die Firma Schütz in Selters, jetzt der Vergangenheit an (wir berichteten). Mit der Entscheidung des Kreistages Altenkirchen, den Kooperationsvertrag mit DB Cargo zum Jahresende 2017 zu kündigen und für die seit 2005 im Eigentum des Kreises befindliche Infrastruktur zwischen Altenkirchen und Selters das förmliche Verfahren zur Stilllegung einzuleiten, endete mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag der planmäßige Güterverkehr. Damit geht nach knapp 105 Jahren eine Ära des Eisenbahnverkehrs im nördlichen Westerwald zu Ende.

Letztmalig erfolgte am Montag die Zustellung eines langen Güterzuges mit Lokomotiven der Weba als Sonderleistung, da noch 21 beladene Güterwagen in Kreuztal standen. Allerdings wurden am selben Tag auch erstmals Wagen über Limburg zugestellt. Die über den Güterbahnhof Gremberg nach Koblenz-Lützel zulaufenden Wagen mit Stahlcoils werden dort von einer Streckendiesellok der DB Cargo übernommen und über Limburg in den Abendstunden nach Siershahn überführt. Am jeweils folgenden Morgen übernimmt DB Cargo die Zustellung von Siershahn zum Werk der Firma Schütz mit Dieselloks aus dem Tonverkehr. Die Werklok von Schütz soll anschließend die Zustellung der Wagengruppe in Siershahn zum dortigen Werksteil übernehmen und anschließend im Werk Selters die Rangieraufgaben durchführen.

Ab dem Jahreswechsel stellt DB Cargo auch das Personal für die Werklok der Firma Schütz, die notwendige Ausbildung ist bereits im Gange. Derzeit wird geprüft, ob die technische Instandhaltung der 1968 von Krauss-Maffei gebauten und 2006 aus dem Eigentum der Westerwaldbahn von Schütz erworbenen Diesellok vom DB Regio-Werk in Limburg übernommen werden kann, da die Zusammenarbeit mit der Weba aufgekündigt wurde. Die Lok hat erst in diesem Sommer eine Hauptuntersuchung erhalten und ist damit „fit“ für die kommenden sechs bis acht Jahre.

Das Anschlussgleis von Siershahn bis zum Werk der Firma Schütz nach Selters hatte die Weba 2006 im Rahmen eines 25-jährigen Vertrages von DB Netz gepachtet. Diesen Vertrag möchte die Firma Schütz übernehmen, um den betrieblich als Bahnhofsgleis geführten Anschluss weiterhin nutzen zu können.

Doch auch wenn die Weba nicht mehr mit ihren Loks auf der Wied- und Holzbachtalbahn fährt, gibt es nach Auskunft von Geschäftsführer Oliver Schrei eine Trassenanfrage „bis weit ins Jahr 2018“. Nach Informationen unserer Zeitung plant DB Cargo, einmal pro Woche einen Zug mit Leerwagen über Altenkirchen in Richtung Au und Kreuztal abzufahren. Aufgrund des eingeleiteten Stilllegungsverfahrens für die Strecke kann und möchte die Westerwaldbahn als Infrastruktur-Eigentümer derzeit jedoch keine verbindliche Zusage geben, denn für einen Weiterbetrieb sind laut Weba auch zusätzliche Investitionen erforderlich. Da die Ausschreibung der Strecke aufgrund fehlerhafter Angaben zur Länge, Anzahl der Bauwerke und Bahnübergänge am 17. November nochmals im Bundesanzeiger veröffentlicht werden musste, endet auch die Bewerbungsfrist für mögliche Interessenten erst Ende Februar.

Offen – aber für potenzielle Interessenten für die Strecke sicher nicht unmaßgeblich – ist weiterhin die Entscheidung der EU-Kommission, ob die Gewährung von Fördergeldern des Bundes, Landes und der Kreise für eine Sanierung der Strecke gegen das Wettbewerbsrecht verstößt. Schütz-Mitbewerber Werit aus Altenkirchen hatte eine entsprechende Beschwerde eingereicht. Nach Informationen aus dem Mainzer Verkehrsministerium ist es möglich, dass das Verfahren bis zu einem Signal aus Brüssel auch ausgesetzt wird.

Von unserem Mitarbeiter Hans-Peter Günther
Altenkirchen Betzdorf
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