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Altenkirchen

Kommunikationstraining: Dem Wunder der Körpersprache auf der Spur

„So, jetzt stellt euch bitte paarweise gegenüber! Ich möchte mit euch die Spiegelübung machen. Es geht ums Führen und Folgen – schaut mal zu mir!“ Andrea Stasche nimmt eine aufrechte Haltung ein und beginnt, sich langsam mit dem Finger über die Nase und dann durchs Gesicht zu fahren – und wie durch ein Wunder kann ihr Gegenüber nicht anders, als es ihr gleichzutun. Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, nähern sich die Partnerinnen vollkommen aneinander an, die Bewegungen sind synchron und ganz fließend.

Beschreiben mit Gesten, aber ohne große Worte: Die Stimm- und Sprechtrainerin Andrea Stasche (links) leitet die Gruppe an.
Beschreiben mit Gesten, aber ohne große Worte: Die Stimm- und Sprechtrainerin Andrea Stasche (links) leitet die Gruppe an.
Foto: Julia Hilgeroth-Buchner

Es ist Tag drei der Fortbildung „Überzeugen mit und ohne Worte – Kommunikation und Körpersprache“ mit der Mannheimer Stimm- und Sprechtrainerin. Die Stimmung im Tanzsaal im Haus Felsenkeller ist gelöst, die sieben Teilnehmer haben sich in der gemeinsam verbrachten Zeit schon gut warmgelaufen. Aufmerksam beobachten sie die Kursleiterin, übernehmen ihre Anweisungen, probieren die vorgestellte Methode konzentriert aus – und müssen doch immer wieder laut lachen, wenn eine „Spiegel-Pose“ allzu albern ausfällt.

Viel haben sie im Laufe des Seminars gelernt, denn Stasche hat ein klares Konzept: „Ich gehe vom Besonderen ins Allgemeine. Die Teilnehmer haben im Vorfeld einen Vorbereitungsauftrag bekommen, in dem sie eine Situation schildern sollten, zu der sie gerne eine Rückmeldung hätten. Die meisten erzielen im Gespräch nämlich nicht die Wirkung, die sie sich gewünscht haben!“

Körpersprache darf nie isoliert von der Mimik betrachtet werden

Der Kurs bringt über die Erarbeitung von Mimik, Gestik, Kinesik und Proxemik als Formen des nonverbalen Ausdrucks deutlich mehr Licht ins Dunkel, und oft ist der Weg zur Verbesserung gar nicht so schwer. „Wenn eine Teilnehmerin weiß, dass sie zu hoch und zu schnell spricht, dann reicht es oft, ihr vorzuschlagen, wie eine Nachrichtensprecherin zu reden. Sofort verändert sich etwas.“ Diese Vorgehensweise nennt sich „Voice-Priming“, bedient sich einprägsamer Bilder und ist Stasches eigene, geschützte Methode. Gleichzeitig räumt sie auch mit alten Klischees auf. „Der Klassiker ist ja ,Verschränkte Arme bedeuten Abwehr!', aber das ist falsch! Die Körpersprache darf nie isoliert von der Mimik betrachtet werden“, so die Expertin. „Wenn jemand mit gekreuzten Armen freundlich und zugewandt lächelt, ist die Situation eine ganz andere.“

Und schon geht es im Kurs weiter mit dem, was landläufig „Rollenspiel“ genannt wird. Nicht so bei Stasche. „Soziodrama“ steht auf dem Programm, und hier gibt sie keine Inhalte und Verhaltensweisen vor. Die Teilnehmer gestalten die Szenen aus ihrer eigenen Erfahrungswelt heraus, was viel authentischer wirkt. Dieser letzte Kurstag ist mit „Pacing – Leading – Rapport“ übertitelt, und es geht unter anderem darum, die eigene Körpersprache zunächst dem Gesprächspartner anzupassen, um eine brenzlige Situation zu entschärfen. Stasche fordert Teilnehmer Ulli Gondorf auf, den aufgebrachten Vater zu geben, während sie selbst die eingeschüchterte Erzieherin mimt.

Richtiges Sitzen spielt eine Rolle

Nun lernen die Teilnehmer, wie es gelingt, über die Veränderung der eigenen, meist defensiven Körperhaltung die Erstarrung auf der anderen Seite zu lösen. „Ich muss aus meiner eigenen Haltung raus, und so weiß ich plötzlich, wie ich ihm begegnen soll. Dann kann ich auch beeinflussen. Die Denke hat übrigens viel damit zu tun, wie mein Körper grade ist“, erläutert Stasche und beschreibt weitere Methoden, professionell mit (Konflikt)Partnern zu kommunizieren. Dazu gehört auch das richtige Sitzen – die konfrontative Haltung sei weniger entwaffnend als die diagonale, die beispielsweise Barack Obama gerne einnimmt. All das weiß Stasche als gestandene Schauspielerin wunderbar zu demonstrieren – ob schnippischer Teenie oder Rüpel im „Männersitz“, sie schlüpft zur Freude der Teilnehmer in jede benötigte Rolle.

Und was wünscht sie sich nun für ihre Schützlinge? „Sie sollen ihr persönliches Spektrum erweitern und ein Bewusstsein dafür bekommen, was falsch läuft, um es dann anders zu machen. Das muss man gar nicht üben – man muss nur dran denken!“

Neue Wege in der Kommunikation

Die Stimm- und Sprechtrainerin Andrea Stasche bietet ein breites Fortbildungsspektrum an. Neben Kursen zur Körpersprache arbeitet sie auch im Einzel- und Gruppencoaching und hält Vorträge. Die Methode „Voice-Priming“ wurde von ihr entwickelt: „Priming“ bedeutet „Zündung“ und beschreibt, wie sich Situationen durch einen Zugangsreiz umgehend verändern. Infos unter www.sprech-art.de.

Von unserer Mitarbeiterin Julia Hilgeroth-Buchner

Altenkirchen Betzdorf
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