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    Indischer Pfarrer seit einem Jahr an der Sieg: Spannende Berichte aus der Heimat

    Inzwischen ist Kaplan Anthoni Raj ein bekanntes Gesicht am Altar der katholischen Pfarrkirche St. Ignatius Betzdorf. Erst am Sonntag feierte er den Gottesdienst zum Erntedankfest, anschließend taufte er die kleine Estelle. Seit gut einem Jahr gehört der 35-Jährige zum pastoralen Team im Dekanat Kirchen.

    Kaplan Anthoni Ray fühlt sich in der Seelsorgeeinheit Kirchen-Betzdorf gut aufgehoben. Ein Jahr ist er jetzt hier und erzählte beim offenen Treff der kfd Kirchen aus seiner Heimat Indien.  Foto: privat
    Kaplan Anthoni Ray fühlt sich in der Seelsorgeeinheit Kirchen-Betzdorf gut aufgehoben. Ein Jahr ist er jetzt hier und erzählte beim offenen Treff der kfd Kirchen aus seiner Heimat Indien.
    Foto: privat

    Jüngst hat er beim „offenen Treffen für Frauen und Männer“ der katholischen Frauengemeinschaft im Gemeindehaus in Kirchen in einem Vortrag seine Heimat Indien vorgestellt. Raj ist streng genommen kein Inder, sondern Tamile. Er stammt aus dem Dorf Pannur in der Nähe von Chennai (Madras), Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu. „Meine Mutter lebt noch“, erzählt er im Gespräch nach dem Vortrag, der auf ein großes Interesse gestoßen ist. Raj hat noch einen älteren und einen jüngeren Bruder. Er ist in einer katholischen Familie aufgewachsen. „Der Apostel Thomas ist als Missionar in den Bundesstaat gekommen. Deswegen gibt es hier so viele Priester“, sagt er. Nach der Volksschule hat Raj die weiterführende Don-Bosco-Schule besucht, die von Salesianern geführt wurde. Dieser Kontakt und auch der zu dem Priester vor Ort „haben mich ermutigt, ebenfalls Geistlicher zu werden.“ 2011 wird er zum Priester geweiht. Als Kaplan in Indien wirkt er unter anderem auf dem „St. Thomas Mount“, ein Berg in Chennai, wo der Apostel der Legende nach von einem Speer getötet sein soll. Danach soll er in Mylapore an der Stelle, wo sich heute die St. Thomas Basilika befindet, beigesetzt worden sein. Der Kaplan zeigt den Besuchern des Treffs Bilder von der Wallfahrtsstätte. Mit dem Heiligen Franz Xaver nennt Raj noch einen weiteren wichtigen Missionar für Indien. Wenn der Kaplan von Indien spricht, meint er Südindien. Dieses Land ist so bunt und vielfältig, wie die Farben- und Blumenpracht bei den Festen und Feiern, von denen der Referent ebenfalls Fotos zeigt. Indien ist alles andere als homogen: „Es gibt 18 Sprachen in unserem Land“, erzählt Raj. Er selbst spricht Tamil, Englisch und inzwischen auch passabel Deutsch. Auch Predigten traut er sich inzwischen zu.

    Auf den Fotos von den Pfarrfesten in seiner Heimat wimmelt es nur so von Menschen – Tausende sind bei Prozessionen in den Straßen auf den Beinen. Alles wirkt lebendig und heiter. Aber dennoch: Der Gott der Christen hat in Indien übermächtige Konkurrenten. Sie heißen Brahma, Vishnu und Shiva, Gottheiten des Hinduismus. Auch davon erzählt der Kaplan an diesem Nachmittag bei Kaffee und Kuchen. 79 Prozent der Inder sind Hindus, 2,34 Prozent Christen. Das Zusammenleben der verschiedenen Religionen funktioniere gut. Wie selbstverständlich, erzählt der Kaplan, stünden auch Hindus und Muslime am Wegesrand, wenn die Katholiken beim Pfarrfest mit Heiligenstatuten durch die Straßen ziehen. „Auch sie legen der Muttergottes Blumen zu Füßen.“ Und sie gehen auch in die Kirchen, die während des Pfarrfests am Abend im Lichterglanz erstrahlen. Gefeiert werden die Pfarrfeste in Indien übrigens zehn Tage – nicht nur an einem Wochenende wie in der Seelsorgeeinheit Kirchen-Betzdorf. Das ist nicht der einzige Unterschied zwischen alter und neuer Heimat. Hier sind die Gläubigen, hat Raj beobachtet, vor der Zeit im Gottesdienst. „Keiner kommt zu spät“. Die Deutschen seien immer „gut vorbereitet“, alles muss gründlich – oder wie es der Kaplan formuliert, „in Ordnung sein.“ Die Menschen seien stark im Glauben – „das ist schön“. Die schrumpfende Zahl der Gottesdienstbesucher stört ihn nicht. Er halte die Messe so, ob „fünf oder fünfhundert“ Besucher da sind. Inzwischen ist er aus dem Pfarrhaus in Kirchen in eine eigene Wohnung gezogen. Pastor Helmut Mohr ist sein wichtigster Ansprechpartner: „Er hat mit sehr geholfen.“ Der Kaplan fühlt sich schon gut integriert: „Ich kenne viele Menschen. Sie sind freundlich und grüßen mich.“ Raj ist von sich aus auch ein umgänglicher Typ. Es ist leicht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Der erste Winter und der erste Schnee – „alles war weiß“ – fallen ihm bei seinem Fazit nach einem Jahr auch noch ein.

    Ach ja: Sollte sich jemand über den Verkehr in Kirchen oder Betzdorf beschweren, sollte er sich Kaplan Rajs Bilder indischer Großstädte ansehen. Für das Gewusel an Autos, Mofas und Lkw ist der Begriff „Blechlawine“ erfunden worden.

    Von unserer Mitarbeiterin Claudia Geimer

    Altenkirchen Betzdorf
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