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Kreis Altenkirchen

Erntebilanz im AK-Land ist eher durchwachsen

Der Herbst ist fast vorüber, das Landschaftsbild ist geprägt von den Stoppelfeldern, die letzten Landwirte bringen nun ihre Ernte ein. Zeit für eine Jahresbilanz. Und die fällt durchwachsen aus, denn 2017 spielte das Wetter eine besondere Rolle.

Foto: Jörg Niebergall

Der Winter war viel zu trocken, ein ungewöhnlich warmer und trockener April und der Mai mit ebenfalls weit weniger Niederschlägen als im Jahresmittel verzögerten das Wachstum nicht nur auf den Feldern. Besonders kritisch sah es im Grünland aus. So mancher Milchbauer ließ den ersten Schnitt fürs Silo im Mai mangels Masse ganz ausfallen. Der Juni brachte ausgiebigen Regen. Wiesen, Mais- und Getreideäcker gediehen prächtig. Anfang Juli, eine Woche früher als in den Vorjahren, drehten die ersten Mähdrescher auf Feldern mit Wintergerste ihre Runden. Doch die Ernte kam überhaupt nicht in Schwung. Gewitter und Dauerregen machten den Bauern einen Strich durch die Rechnung. Erntereife Bestände lagen flach auf dem Boden, was die Erntearbeiten erschwerte.

Das im August weiterhin unbeständige Sommerwetter mit immer wiederkehrenden Niederschlägen verzögerte die Erntearbeiten weiter. Gerade die Getreideernte wurde zunehmend zum Nervenspiel, da mit jedem Regentag Menge und Qualität und damit auch die zu erwartenden Erlöse sanken. „Nach Allerheiligen kann man sagen, wie das Jahr gelaufen ist“, sagt Georg Groß von der Geschäftsstelle des Bauern- und Winzerverbandes im Kreis Altenkirchen. Unter dem Strich für 2017 steht da für viele Landwirte im Kreis bei der Bilanz entsprechend des Wetters eher ein „durchwachsen“.

So war der Beginn des Jahres zu trocken, das Gras konnte nicht so gut wachsen. Der dafür sehr verregnete Sommer ließ das Grün dann doch noch sprießen, ebenso wie den Mais, so dass laut Groß die Futtergrundlage für viele tierhaltende Betriebe gegeben war. Als es ans Ernten ging, machte der Dauerregen allerdings wieder Probleme. „Der Getreidestand war gut, aber konnte nicht zum richtigen Zeitpunkt abgeerntet werden. Oft war das Getreide nur noch als Futter gut, nicht mehr als Brotgetreide“, bilanziert Groß. Gerade im Unterkreis im Bereich Altenkirchen, Flammerfeld und Weyerbusch hätte dies viele Landwirte getroffen, da hier vorwiegend Getreide angebaut wird. Was im Bereich Getreide und Gras schlecht lief, machte die Maisernte, so Groß, wieder wett. Allerdings hätten viele Kollegen die wenigen, trockenen Phasen nutzen müssen, was bedingte, dass zum Teil tags und nachts durchgearbeitet werden musste. „Ich habe mich bei einigen Kollegen umgehört und hier wäre etwas mehr Verständnis aus der Bevölkerung wirklich wünschenswert“, gibt Groß zu bedenken.

Harald Hüsch vom gleichnamigen Agrarbetrieb aus Busenhausen hat da zum Glück keine schlechten Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil: „Wir versuchen immer, bis höchstens 22 Uhr zu fahren, auch bei der Maisernte. Wenn es dann doch das ein oder andere Mal etwas später wurde, da hatten dann auch die Nachbarn Verständnis.“

Hüsch selbst zieht eine positive Erntebilanz. „Ich bin zufrieden. Der Graswuchs war sehr gut, ebenso der Ertrag von Mais. Allerdings stand der Mais witterungsbedingt zu lange und ist deshalb zu trocken geworden“, so Hüsch. Etwa 10 Prozent mehr Trockenheit weist der Mais auf. Deshalb sei er so nun auch zu trocken zum Füttern. „Wir müssen schauen, wie wir die Mischung nun umstellen.“

Hüsch, der gut 260 Milchkühe hat, leidet nur, wie viele Landwirte, unter dem immer noch zu niedrigen Milchpreis. „Zwar sind die Milchpreise seit letztem Jahr von 21 Cent auf jetzt 34 Cent gestiegen, aber das reicht gerade zum Leben. Um langfristig Investitionen zu machen oder Investitionslöcher aus Vorjahren zu stopfen, dafür ist es immer noch zu wenig“, so seine Bilanz. Die Hochwaldmolkerei sei immer noch die zweitschlechteste in Deutschland, was die Bezahlung ihrer Milchlieferanten angehe. 34 Cent werden dort derzeit pro Liter gezahlt.

„Es müssten langfristig aber mindestens 40 Cent sein und dauerhaft bleiben, damit wir einmal Luft holen können“, sagt Hüsch. Aber die Landwirte hingen sowohl beim Getreide als auch bei den Milchpreisen am Weltmarkt, weshalb alles nur langsam aufwärts gehe. Sonja Roos

Preise nur leicht gestiegen

Im Vergleich zu 2016 sind die Preise für Agrarerzeugnisse nur leicht gestiegen. Im Bundesdurchschnitt kostete eine Tonne Brotweizen im August 153 Euro (2016 waren es 143 Euro). Die Tonne Raps wird mit 350 Euro gehandelt, Braugerste bringt 180 Euro.

Da auch die einheimischen Bauern im Handel mit dem Weltmarkt konkurrieren, schauen sie gespannt auf die globalen Agrarmärkte. Ein Silberstreif am Horizont sind steigende Erzeugerpreise für die Milch. Der Milchpreis stieg von 21 Cent im Sommer 2016 auf aktuell 35,2 Cent. sr

Altenkirchen Betzdorf
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