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    Bündnisgrüne: Autogerechte Stadt leider noch immer im Mittelpunkt

    Über neue Verkehrs- und Stadtplanung referierte der Freusburger Architekt Jochen Krüger bei der jüngsten Versammlung des Ortsverbands Betzdorf-Kirchen von Bündnis90/Die Grünen im Betzdorfer Domhotel. Weit holte er aus. In der langen Menschheitsgeschichte, so Krüger, habe sich erst in allerjüngster Zeit mit der Erfindung des Automobils eine neue Vorstellung von Mobilität entwickelt. Unter Mobilität werde heute fast nur noch Mobilität mit dem Auto verstanden.

    Betzdorf - Über neue Verkehrs- und Stadtplanung referierte der Freusburger Architekt Jochen Krüger bei der jüngsten Versammlung des Ortsverbands Betzdorf-Kirchen von Bündnis90/Die Grünen im Betzdorfer Domhotel. Weit holte er aus. In der langen Menschheitsgeschichte, so Krüger, habe sich erst in allerjüngster Zeit mit der Erfindung des Automobils eine neue Vorstellung von Mobilität entwickelt. Unter Mobilität werde heute fast nur noch Mobilität mit dem Auto verstanden.

    Diese einseitige Ausrichtung auf das Auto habe mittlerweile alle Lebensbereiche durchdrungen, von der Architektur bis hin zur Stadt- und Landschaftsplanung. Während in früheren Zeiten die Straßen allen Bürgern gleichberechtigt gehörten, wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten Straßenverkehrsordnungen erlassen mit dem Ziel, Fußgänger, Kinder und Tiere von der Fahrbahn zu verweisen.
    Die Massenmotorisierung erfolgte nach dem 2. Weltkrieg. Siedlungspolitik mit der Trennung von Arbeit und Wohnen, Einkaufen in großen Einkaufszentren, gezielte Förderung des Einfamilienhausbaus etc. führten dazu, dass eine Spirale in Gang gesetzt: Immer mehr Autoverkehr führt zu dem Zwang, immer mehr Straßen zu bauen. „Ziel der Stadtplanung ist die autogerechte Stadt. Aus der früheren vielfältigen Nutzung der Fahrbahn bis hin zum Kinderspiel bleibt nur noch eine einzige Nutzung: der schnelle, ungehinderte Autoverkehr, dem sich alle anderen Interessen, vor allem die der Fußgänger und Radfahrer unterzuordnen haben“, erläuterte Krüger.
    Dass es auch anders geht, verdeutlichte Krüger an einem Beispiel von Tübingen. Dichte, gemischt genutzte und gut geplante Stadtviertel machen es möglich und angenehm, weniger Auto zu fahren. Die hohe Bewohnerdichte macht Einrichtungen in der Nähe auch ohne Auto erreichbar, ein guter öffentlicher Verkehr ist dort wirtschaftlicher. In diesen Gebieten müsse ein Motorfahrzeug auch langsam fahren.
    Stadtratsmitglied Marion Pfeiffer bedauerte, dass Verkehrsplanungen vor Ort in Betzdorf leider immer noch von dem alten Leitbild der autogerechten Stadt geprägt würden, wie gerade die Neugestaltung der Wilhelmstraße in Betzdorf gezeigt habe. Große Supermärkte verdrängten aber kleinere Geschäfte und nähmen wertvollen Platz in Anspruch. Der zusätzliche Autoverkehr belaste mit Abgasen, Feinstaub und Lärm die Lebensqualität der Menschen. Ein schöner Park an der Sieg statt eines Parkplatzes hätte die Stadt menschenfreundlicher gemacht. Nicht schneller, sondern langsamer müsse der Autoverkehr werden und Straßen für Fußgänger, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, wieder leichter überquerbar werden.
    Auch Vorstandssprecherin Anna Neuhof (MdL) erinnerte daran, dass der demografische Wandel ein Umdenken in der Stadtplanung unbedingt erforderlich mache. Leider sei dies, bedauerte sie, bei den örtlichen Kommunalpolitikern noch kaum ins Bewusstsein gedrungen.

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