40.000
Aus unserem Archiv
Kreis Altenkirchen

AWB warnt: Keinen Grünschnitt in die Natur

Noch ist es nicht klirrend kalt und der Schnee lässt auf sich warten: Viele Kreisbewohner nutzen die Spätherbsttage, um ihre Hecken zu schneiden oder zu groß gewordene Bäume zu stutzen. Doch wohin mit Ästen, dem Laub und all den natürlichen Materialien, die bei diesen Pflegemaßnahmen anfallen? Die schlechteste Möglichkeit ist die Entsorgung in der Natur.

Seit Mitte des Jahres ist die Grünschnittannahmestelle in Nauroth in Betrieb. Dank eines flexiblen Mauersystems können die Ablageflächen dem Bedarf angepasst werden.  Foto: AWB
Seit Mitte des Jahres ist die Grünschnittannahmestelle in Nauroth in Betrieb. Dank eines flexiblen Mauersystems können die Ablageflächen dem Bedarf angepasst werden.
Foto: AWB

Werner Schumacher, Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB) des Kreises Altenkirchen, weiß, wie verlockend diese Form der Entsorgung für den Gartenbesitzer ist. „Es fallen bei diesen Maßnahmen oft größere Mengen an grobem Material an. Wenn Äste klein geschnitten werden müssen, dann dauert das schon eine Weile. Oft verlieren die Menschen dann die Geduld, werfen alles auf den Anhänger und fahren es in den Wald“, erläutert der Abfall-Experte. „Sie denken sich dabei oft gar nichts Böses, weil es sich nach ihrer Einschätzung um biologische Abfälle handelt, die in der Natur keinen Schaden anrichten können.“

Welche Konsequenzen die illegale Grünschnittentsorgung haben kann, ist kaum einem Bürger bekannt. Durch die Verrottung von Gartenabfällen wird zum einen die Nährstoffzusammensetzung des Bodens empfindlich gestört. Wo Grünabfälle entsorgt wurden, wachsen oft nach kurzer Zeit nur noch Brennnesseln oder Brombeeren als Folge einer massiven Nährstoffanreicherung. Insbesondere Nitrat gelangt in den Boden. Das Salz kann in dieser Menge nicht von den Pflanzen aufgenommen werden, geht ins Grundwasser und belastet letztlich auch noch unnötig das Trinkwasser. Zweige von Strauch- und Baumschnitt können außerdem zum Überträger von Pilzkrankheiten werden.

Wenn Gartenabfälle Wurzeln, Zwiebeln und Knollen enthalten, kann das eine unbeabsichtigte Ausbreitung nichtheimischer Pflanzen zur Folge haben. Diese verdrängen die heimische Flora sowie die von dieser Lebensgrundlage abhängigen Tiere und tragen somit zum Artenwandel bei. Abgelagerter Rasenschnitt führt zunächst zu Schimmel-, Gärungs- und Fäulnisprozessen und dann zum Absterben von Organismen. Der natürliche Nährstoffkreislauf wird gestört. Durch die Gärprozesse unter Luftabschluss kann es sogar zur Selbstentzündung und schlimmstenfalls zum Wald- oder Flächenbrand kommen. Umweltsünder, die ertappt werden, müssen mit hohen Bußgeldern rechnen, denn es handelt sich bei der illegalen Grünschnittentsorgung ebenso wie bei der illegalen Entsorgung von Hausmüll und Elektroschrott (die RZ berichtete) um eine Ordnungswidrigkeit.

Doch diese „worst-case“-Szenarien müssen gar nicht erst entstehen. Werner Schumacher weist darauf hin, dass pflanzliche Abfälle aus Gärten dem AWB überlassen werden können, wenn sie nicht selbst kompostiert werden. „Wir bieten inzwischen fünf Abholtermine an, zwei im ersten und drei im zweiten Halbjahr. Dazu müssen die Grünabfälle dann allerdings gebündelt oder verpackt zur Abholung bereitgestellt werden.“ Eine gute Alternative ist die private kostenfreie Anlieferung am Betriebs- und Wertstoffhof in Nauroth.

„Seit Mitte des Jahres ist die neue Grünschnittannahmestelle fertig gestellt“, berichtet Schumacher nicht ohne Stolz. „Die Abfälle werden dort gesammelt und täglich verladen. Die Firma Remondis bringt das Material zur Firma Mies in Hachenburg, die es dann kompostiert und hygienisiert, bevor es in der Landwirtschaft als Kunstdüngerersatz wieder in den natürlichen Kreislauf eingebracht wird. Das ist eine regionale und hochwertige Verwertung“, stellt Schumacher fest.

Abschließend hat er noch einen ganz anderen Tipp: Einfach einmal auf das vorwinterliche „Aufräumen“ im Garten zu verzichten, Beete mit herabgefallenem Laub zu schützen, Stauden nicht herunterzuschneiden und aus Astschnitt einen Totholzhaufen aufzuschichten. Das organische Material bietet Igeln, Kröten und vielen anderen Gartenbewohnern wertvolle Nahrung, aber auch einen artgerechten Lebensraum, der ihnen hilft, gut durch den entbehrungsreichen Winter zu kommen.

Von unserer Mitarbeiterin Julia Hilgeroth-Buchner

Anlieferung erwünscht

Die Grünschnittannahmestelle des Betriebs- und Wertstoffhofs in Nauroth kann ohne Voranmeldung fünfmal im Jahr kostenfrei (bis maximal 2 Kubikmeter) von Montag bis Freitag von 8.30 bis 16 Uhr und samstags von 8.30 bis 12 Uhr angefahren werden. Bei weiteren Fragen ist die Abfallberatung des Abfallwirtschaftsbetriebes unter der Nummer 02681/813.070 oder unter abfallberatung@awb-kreis-ak.de erreichbar.

Dort können auch zahlreiche Broschüren über das fachgerechte Kompostieren angefordert werden.

Altenkirchen Betzdorf
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
 
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Markus Kratzer (kra)
Redaktionsleiter
Tel 02681/9543-21
E-Mail
Volker Held (vh)
stv. Redaktionsleiter
VG Altenkirchen
Tel 02681/9543-33
E-Mail
Elmar Hering (elm)
Redakteur
VG Wissen & Hamm
Tel 02681/9543-13
E-Mail
Andreas Neuser (an)
Redakteur
VG Betzdorf, Gebhardshain
Tel 02741/9200-68
E-Mail
Daniel Weber (daw)
Redakteur  
VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
Tel 02741/9200-67
E-Mail
Peter Seel (sel)
Redakteur VG Kirchen
Tel 02741/9200-65
E-Mail
Sonja Roos (sr)
Redakteurin VG Hamm
Tel 02681/9543-19
E-Mail
Beate Christ (bc)
Reporterin VG Flammersfeld
Tel 0170/2110166
E-Mail
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Sonntag

16°C - 26°C
Montag

10°C - 18°C
Dienstag

12°C - 18°C
Mittwoch

9°C - 16°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach