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    Betzdorf

    Auch das Skelett Hugo zieht zu Fuß mit um

    Vor rund 50 Jahren zogen auf dem Struthof in Betzdorf Schüler und Lehrer von der alten Penne (später Geschwister-Scholl-Realschule, heute IGS Betzdorf) in das neue Schulgebäude des Gymnasiums um. Alle packten mit an, erinnert sich Lehrer Horst Vetter (Betzdorf), der am 1. April 1966 als Junglehrer ans Gymnasium gekommen war. Sozialkunde, Englisch und Geschichte hat der heute 79-Jährige unterrichtet.

    Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 1968 zeigt den Neubau des Gymnasiums. Am linken Bildrand sind gleich wieder Baracken zu erkennen. Denn der Neubau war schon wieder zu klein.  Foto: Kreis AK, F07/FH04034/Horst Huppert
    Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 1968 zeigt den Neubau des Gymnasiums. Am linken Bildrand sind gleich wieder Baracken zu erkennen. Denn der Neubau war schon wieder zu klein.
    Foto: Kreis AK, F07/FH04034/Horst Huppert

    Es war sprichwörtlich ein echter Umzug von dem alten zum neuen Gebäude, das einige Hundert Meter oberhalb der alten Penne liegt. „Schüler trugen da sogar ihre eigenen Stühle mit in den Neubau“, erinnert er sich. Komplett neue Möbel gab es damals nicht für alle in dem Neubau. „Fürs Lehrerzimmer aber schon“, lacht Vetter. Schüler trugen zum Beispiel auch Reagenzgläser aus dem Chemieraum hoch zum Neubau. Dass da ein Unternehmen den Umzug mit gestemmt hat, daran kann er sich nicht erinnern.

    Horst Vetter (79) aus Betzdorf erlebte 1966 als Junglehrer den Umzug in den Neubau mit.  Foto: Andreas Neuser
    Horst Vetter (79) aus Betzdorf erlebte 1966 als Junglehrer den Umzug in den Neubau mit.
    Foto: Andreas Neuser

    In Sachen Neubau gab es große Freude. Es war ein modernes Gebäude im Stil der damaligen Architektur – ganz funktional. „Das war da wie im Paradies. Eine große Glasfront in den Klassenräumen mit teilweise Blick ins Siegtal und sogar mit Schwimmbad.“ Überall herrschte Begeisterung über die Schule. Aber bereits zu Beginn war sie schon zu klein. Baracken standen neben dem Schulhof. Die Neuankömmlinge (Klassenstufen 5 und 6) wurden da unterrichtet.

    „Ja, es war eine neue Zeit angebrochen“, findet Vetter. Dabei bezieht er sich aber nicht unbedingt auf den Neubau. Eine neue Zeit war in den 1960er-Jahren auch in der Bildung und allgemein in der Politik angesagt. Das schwappte bis nach Betzdorf rüber. Viele neue Junglehrer brachten nach und nach von den Universitäten etwas von dem Geist der 1968er-Bewegung mit.

    Geist vergangener Zeiten

    Das alte Gebäude, da war Vetter von 1948 bis 1957 zur Schule gegangen und hat dort Abitur gemacht, „atmete doch noch stark den Geist vergangener Zeiten“. Symbolisch stehe dafür ein Spruch an dem Gebäude, das von der Architektur her an die Kaiserzeit erinnert. „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang“, ist da über dem Haupteingang zu lesen. Der Spruch ist heute verschwunden.

    Im Zusammenhang mit diesem alten Geist in dem alten Gebäude ist Vetter, damals als 28-jähriger Lehrer, ein Vorfall besonders in Erinnerung. Er sei ja nur zehn Jahre älter gewesen als Schüler in der obersten Klasse. So kannte er auch einen Schüler, der gemeinsam mit ihm im Kirchener Tennisverein aktiv war. Freundlich wurde sich auf dem Schulhof begrüßt. Der Schüler fasste ihn am Arm. Das sah ein Lehrer der „alten Schule“, wie Vetter erzählt. Eine Lehrerkonferenz wurde deshalb einberufen. Es ging um das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern. Beschluss: Lehrer haben Distanz zu halten. Schüler haben Lehrer nur mit „Sie“ anzusprechen und mit dem Titel (Studienrat, Oberstudienrat etc.). Der Titel war wichtig. Die Ansprache mit dem Namen war nicht erlaubt.

    Dieser Geist in der Schule schwappte natürlich beim Umzug noch mit in das neue Schulgebäude. Aber die Zeiten waren im Umbruch, das machte sich bemerkbar. Das lag dann nicht unbedingt an dem neuen Gebäude. Das lief eher parallel. „Es war auch die Zeit des sozialen Aufstiegs“, analysiert der Sozialkundelehrer.

    Zur feierlichen Einweihung des Gebäudes war 1967 der rheinland-pfälzische Kultusminister Dr. Bernhard Vogel vor Ort. Das Essen für geladene Gäste fand im Haus Hellertal in Alsdorf statt, erinnert sich Horst Vetter, der gleich neben Vogel saß. Auch da wurde übers Abitur gesprochen. Mit diesem Abschluss stehe jedem eine Karriere offen, der gute Lebenslauf sei vorgezeichnet, war Tenor von Gesprächen. „Es war eine goldene Zeit“, so Vetter. Doch heute sieht es anders aus. Das Abitur bringt automatisch keine goldenen Zeiten mehr hervor.

    Auch Arnold Brenner (67), ehemals Schüler (1960 bis 1968) des Betzdorfer Gymnasiums, erinnert sich noch gut an den Umzug. In dem Altbau, der dann von der Geschwister-Scholl-Realschule genutzt wurde (heute IGS Betzdorf-Kirchen), war Brenner später Konrektor, bis er 1991 die Leitung der Bertha-von-Suttner-Realschule in der Schützenstraße übernahm.

    In dem alten Schulgebäude waren sie mit 48 Personen im Klassenraum. „Das war alles sehr beengt.“ Im oberen Gebäude gleich unter der Turmuhr befand sich der Raum. Aber es wurde auch in einem Kellerraum gleich neben den Toiletten unterrichtet. Ebenso gehörte Unterricht in Baracken damals schon zum Alltag. Es war einfach nicht genügend Platz in der alten Penne. So war der Umzug in den Neubau natürlich ein Erlebnis und eine wesentliche Verbesserung.

    Standen auch gleich am neuen Gymnasium wieder Baracken, so wurden Brenner und sein Mitschüler, nun in der Unterprima, im zweiten Stock des Neubaus untergebracht. Da war noch alles frisch, es gab sogar Lautsprecher (die aber noch nicht angeschlossen waren) und die großen Alufenster. Das war schon ein großer Unterschied im Vergleich zur Unterbringung in dem alten Gymnasium. Der Umzug fand in den Zeiten der Kurzschuljahre statt. Damals ging ein Schuljahr von Ostern bis Ostern des Folgejahres. Heute ist der Wechsel nach den Sommerferien.

    Um dies hinzubekommen, gab es im Zeitraum vom 1. April 1966 bis zum 31. Juli 1967 zwei kurze Schuljahre. Vom 1. April bis 30. November 1966 war Brenner in der Klasse 11 (Obersekunda). Ab Dezember 1966 dann in der Klassenstufe 12 (Unterprima) und somit bereits in dem Neubau untergebracht. Dieses Schuljahr ging dann bis zum 31. Juli 1967. Danach gab es wieder die kompletten Schuljahre. Am 20. Juni 1968 stand für Brenner das Abitur an.

    Gute und schlechte Lehrer

    An den Umzug erinnert er sich noch gut. „Alle wollten den Hugo tragen“, erzählt er. Hugo, das war das Skelett aus dem Biologieunterricht. Es bestand laut Brenner noch aus echten Knochen. Da hatte der Umzug doch etwas Gespenstisches an sich.

    Lehrer Horst Vetter spricht auch von einer neuen Zeit, die da parallel zum Umzug gekommen sei. Für Brenner war es aber erst einmal so, dass natürlich auch die alten Lehrer mit umgezogen sind.

    Und da gibt es doch einige schlechte Erinnerungen an den einen oder anderen „Pädagogen“. „Es gab aber auch sehr gute Lehrer“, fügt er ein. Kurt Külzer und Dr. Gerhard Hermann sind ihm da noch in bester Erinnerung.

    Von unserem Redakteur Andreas Neuser

    Wer war dabei beim Umzug?

    Unter dem Motto „50 Jahre Stein auf Stein – eine Schule lebt“, feiert das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium am Samstag, 26. August, ein Schulfest. An dem Tag erfolgt die offizielle Übergabe des durch den Kreis Altenkirchen und das Land Rheinland-Pfalz brandschutzsanierte Gebäude.

    Nun gibt es sicher Ehemalige, die auch den Umzug von der alten Penne in den Neubau erlebt haben. So manche Anekdote wäre sicher zu erzählen. Wer was zu berichten hat, der sende das bitte an: betzdorf@rhein-zeitung.net an

    Der Begeisterung folgte schnell Ernüchterung

    Kaum war der Neubau des Gymnasiums auf dem Struthof bezogen, da gab es auf dem Schulgelände bereits Baracken. Aber lassen wir Oberstudiendirektor Dr. Friedrich Schmitt noch einmal zu Wort kommen (Auszug aus der Chronik 100 Jahre Gymnasium): „Mein erster Eindruck vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium vor Übernahme der Schulleitung am 1.

    August 1969 war sehr positiv: ein neues, großzügig angelegtes Schulgebäude mit großer Pausenhalle und Aula, mit modern ausgestatteter Turnhalle und eigenem Schwimmbad. Das alles war für mich neu ... Der zweite Eindruck allerdings minderte dann schon meine Begeisterung. Das anderthalb Jahre vorher eingeweihte Schulgebäude war zu klein. Am Rande des Pausenhofs standen Baracken – in der Amtssprache als Pavillons bezeichnet – in denen der Hausmeister morgens stinkende Ölöfen zur Heizung der dort eingerichteten Klassenräume in Gang setzen musste.“ Und dann gab es noch ein weiteres Manko: Lehrermangel. an

    Neues Gymnasium

    1962 Der Kreistag beschließt einstimmig, in Betzdorf auf dem Struthof ein neues Gymnasium zu bauen. Für 27 Klassen und rund 800 Schüler wird es geplant. Die Entscheidung für den Neubau fiel, da das bisherige Gymnasium auf dem Struthof zu klein war. Die Realschule zog anschließend in der alten Penne ein – heute IGS.

    1964 Im März dieses Jahres beginnen die Ausschachtungsarbeiten auf dem Gelände auf dem Struthof.

    1966 Im Dezember ziehen die Klassen und auch Verwaltung bereits in den Neubau um.

    1967 Am 18. Dezember 1967 wird das neue Schulgebäude schließlich feierlich eingeweiht. Zwischenzeitlich waren auch die Aula sowie die Turnhalle fertig gebaut. Die Festrede bei der Einweihung hielt der rheinland-pfälzische Kultusminister Dr. Bernhard Vogel. An diesem Tag erhielt die Schule auch den neuen Namen: „Staatliches Freiherr-vom-Stein-Gymnasium (neusprachlich, mathematisch-naturwissenschaftlich, musisch) Betzdorf-Kirchen/Sieg“. Heute in Kurzform doch eher Gymnasium Betzdorf genannt.

    1983 Am 6. Oktober dieses Jahres wurde der Erweiterungsbau eingeweiht. Denn längst war es in der Schule räumlich wieder zu eng geworden. Einst für etwa 800 Schüler gebaut, waren zwischenzeitlich weit über 1200 Schüler vor Ort. So gab es den Erweiterungsbau mit Fachräumen und Zentralbibliothek.

    2017 Am 26. August gibt es ein Schulfest. Erinnert wird an 50 Jahre Neubau. Ebenso wird das brandschutzsanierte Gebäude übergeben.

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