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Krunkel

Alles digital im Kinderzimmer? Warum Puppen heute noch die Fantasie anregen

Beate Christ

Viele von uns sind mit der Augsburger Puppenkiste groß geworden – doch Urmel, Bill Bo oder Kalle Wirsch sagen den Kindern heute in der Regel wenig oder gar nichts. Hat das Puppenspiel den Kampf gegen die Digitalisierung im Kinderzimmer verloren? Nicht zwingend, wie unser Beispiel aus dem Kreis Altenkirchen zeigt.

Puppenspielerin Martina Hering aus Krunkel mit ihrem fantasievollen Drachen. Sie liebt es, Kinder in ihrer Fantasie abzuholen und ihnen schöne Momente zu schenken.  Foto: Beate Christ
Puppenspielerin Martina Hering aus Krunkel mit ihrem fantasievollen Drachen. Sie liebt es, Kinder in ihrer Fantasie abzuholen und ihnen schöne Momente zu schenken.
Foto: Beate Christ

So fürchterlich sieht er gar nicht aus, der Drache, der sich in dem Stück „Der kleine Georg und der Drache“ einfach gar nicht bezähmen lassen will. Mit leuchtenden Augen schaut er in die Welt, wenn ihm Puppenspielerin Martina Hering aus Krunkel Leben einhaucht. Und dann zieht er nicht nur Kinder in seinen Bann, sondern auch Erwachsene, wie es Martina Hering immer wieder erlebt. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der digitalen und virtuellen Unterhaltung, die in unserer Zeit allgegenwärtig ist, stößt die alte Kunst des Figurentheaters auf Begeisterung. Wie sonst ließe sich wohl der Erfolg von René Marik, Sascha Grammel und anderen Künstlern erklären, die mit Puppen ihr Publikum nicht nur in Deutschland begeistern?

Martina Hering, die mit den Puppen ihres „Guck mal“-Figurentheaters deutschlandweit, in Belgien und in den Niederlanden auftritt, ahnt, warum sich Handpuppen, Stab- oder Schattenfiguren gegen ihre virtuelle Konkurrenz in der Welt der Computer- und Videospiele behaupten können.

„Beim Puppentheater geht es um reales Erleben. Und das ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je“, sagt sie. Für sie ist das Figurentheater die schönste Form des Theaters, bietet ihr es doch die Möglichkeit, die Zuschauer in deren Fantasie abzuholen. Ob mit dem Drachen, der „Prinzessin Mäusehaut“ oder dem Frosch, der unbedingt fliegen möchte.

Martina Hering spielt nicht verdeckt, sie ist während der Aufführung sichtbar, so kann sie mit ihrem Publikum in Kommunikation treten und sehen, wie es reagiert. Trotzdem bleiben die Puppen die Hauptakteure, und Hering wird oft gar nicht mehr von den Kindern wahrgenommen. „Die schönsten Vorstellungen sind die, bei denen sich die Kinder vollständig auf das Stück einlassen können“, sagt sie. So hat die Puppenspielerin schon erlebt, dass die Kinder am Ende einer Vorführung vor lauter Staunen gar nicht klatschen konnten, so sehr waren sie von den Puppen fasziniert. „Das sind dann auch für mich ganz besondere Momente“, gesteht Martina Hering. Seit 20 Jahren schon ist sie Puppenspielerin, bezeichnet sich selbst als eine „Spätberufene“. Viele Jahre lang war sie als Maskenbildnerin tätig, ging das Puppenspiel irgendwann als Hobby an. „Puppentheater hatten mich schon immer fasziniert“, sagt sie. Und so kam eins zum anderen. In Indien erlernte sie die Kunst des Puppenbaus, bildete sich im Figurentheater-Kolleg in Bochum weiter. „Es war ein schleichender Übergang von der Maskenbildnerin zu Puppenspielerin“, erinnert sich Martina Hering.

Das Machen und Entwickeln eines Stückes ist für sie so spannend wie das Spielen selbst. „Das ist alles echte Arbeit, vom Denken bis zum Werken. Es fällt nichts vom Himmel.“ Hering liebt den Schaffensprozess, an dem sie immer auch einen Regisseur beteiligt. Denn die Puppen benötigen eine Symbolik und die Geschichten Bilder, schließlich hat das Figurentheater „Guck mal“ etwas zu sagen. In den Stücken, die auf Grundlage von Märchen, klassischen oder modernen Kinderbüchern basieren, werden Themen wie „Angst im Dunkeln“, „Was kann ich, was können die anderen?“ oder „Was im Leben wichtig ist“ aufgegriffen. Und dies ohne erhobenen Zeigefinger. Denn in erster Linie will das junge Publikum von Hering unterhalten werden.

Engagiert wird die Puppenspielerin, die ihre Wurzeln in Bonn hat, in erster Linie von Jugend- und Kulturämtern, Kindergärten und Schulen oder Städten und Gemeinden. In Krunkel hat sie sich eine Werkstatt eingerichtet, in der aus Holz, Styropor, Stoffen und Farben ihre Puppen entstehen. In einem Probenraum befindet sich ihre Bühne.

Ab und zu lädt sie Kinder aus der Nachbarschaft zu Testveranstaltungen ein. „Ich würde auch gerne mal etwas für Erwachsene machen“, blickt Martina Hering in die Zukunft. Im Kopf hat sie noch viele Ideen. So könnte ihr beispielsweise das Raiffeisenjahr Inspiration bieten. Auch ein neues Weihnachtsstück hat sie derzeit in Arbeit. Das „Guck mal“-Figurentheater ist übrigens ein Solotheater. Heißt: Martina Hering macht alles alleine. Vom Bühnenaufbau bis hin Abbau. Dazwischen lässt sie kleine Helden ganz groß, Liebe sichtbar und Angsthasen mutig werden.

Von unserer Reporterin Beate Christ

Altenkirchen Betzdorf
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