Archivierter Artikel vom 05.10.2014, 20:44 Uhr
Rückeroth

Zwangsweise Ehrenbürgerschaft: Rückeroth will sich symbolisch von Adolf Hitler distanzieren

Beratung und Beschlussfassung über die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler: Dieser nicht alltägliche Punkt steht ganz oben auf der Tagesordnung für die nächste Sitzung des Rückerother Gemeinderats. Die faktisch erloschene Ehrung soll auch formal aufgehoben werden.

Früher war Adolf Hitler in vielen Orten zwangsweise Ehrenbürger
Früher war Adolf Hitler in vielen Orten zwangsweise Ehrenbürger
Foto: dpa

Von unserer Redakteurin Silke Müller

Ortsbürgermeister Olaf Schmidt erklärt das Vorhaben für die kommende Ratssitzung wie folgt: „Früher war Adolf Hitler in vielen Orten zwangsweise Ehrenbürger. Allerdings wird das in den meisten Gemeinden totgeschwiegen“, sagt er. In Rheinland-Pfalz erlischt diese Ehrenbürgerschaft automatisch mit dem Ableben der Person. Damit allerdings wollen sich die Rückerother nicht zufriedengeben.

„Einige Bürger sind der Meinung, diese Ehrenbürgerschaft bestünde immer noch und empfinden dies als Schande“, erläutert Schmidt. Um das Kapitel ein für alle Mal abzuschließen und sich öffentlich von dem Diktator und dessen Terrorherrschaft sowie von der Entscheidung der Kommune aus den 1930er-Jahren politisch deutlich zu distanzieren, hat sich der Rückerother Ortschef entschieden, die Aberkennung auf die Tagesordnung zu setzen – fast 70 Jahre nach Kriegsende. „Das ist ein symbolischer Akt, damit jedem klar wird, dass die Ehrenbürgerschaft nicht mehr besteht“, betont Schmidt.

Dass der Punkt erst jetzt im Rat behandelt wird, obwohl er die Rückerother schon länger beschäftigt, ist Schmidt zufolge einem Versäumnis des ehemaligen Gremiums geschuldet. In jüngster Zeit aber seien erneut immer wieder Bürger aus dem Ort auf Schmidt zugekommen mit der Bitte, einen symbolischen Schlussstrich zu ziehen. „Das werden wir in der kommenden Sitzung machen, und ich bin im Übrigen auch dafür, dass wir es tun“, unterstreicht Schmidt.

Rückeroth ist der erste Ort in der Verbandsgemeinde Selters, in dem der Rat darüber entscheiden soll, ob die Gemeinde Hitler symbolisch die Ehrenbürgerschaft aberkennt. Eine Urkunde über die Ehrenbürgerschaft liegt der VG-Verwaltung nicht vor. „Weder das Landeshauptarchiv noch wir haben etwas Schriftliches“, betont der Selterser Büroleiter Wolfgang Klaus. Das gilt übrigens auch für die restlichen Orte der Verbandsgemeinde. Auch Klaus weist darauf hin, dass in Rheinland-Pfalz die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod erlischt. „Das steht in der Gemeindeordnung im Paragraf 23, Verwaltungsvorschrift Ziffer zwei“, erläutert der Büroleiter und unterstreicht noch einmal: „Die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft hat also wirklich nur einen rein symbolischen Charakter.“

Der Rückerother Gemeinderat tagt am heutigen Montag, 6. Oktober, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus.