Archivierter Artikel vom 16.05.2021, 07:00 Uhr
Hachenburg

Wie eine Zeitreise durch die Region: Hachenburgs Stadtarchivar stellt neuen Burgenführer für den Westerwald vor

Noch im 18. Jahrhundert präsentierte sich das Umland der Stadt Hachenburg als eine an Burgen, Schlössern und Adelssitzen reiche Landschaft. Inzwischen sind manche von ihnen aber schon längst wieder verschwunden. An die Geschichte dieser und etlicher weiterer Bauwerke erinnert ein nun von Hachenburgs Stadtarchivar Dr. Jens Friedhoff vorgestellter Burgenführer mit dem Titel „Burgen – Schlösser – Befestigungen im Raum Hachenburg“, der in der Reihe „Schriften des Stadtarchivs Hachenburg“ erschienen ist.

Hachenburgs Stadtarchivar Dr. Jens Friedhoff (Mitte) hat einen neuen Burgenführer für den nördlichen Westerwald verfasst. Stadtbürgermeister Stefan Leukel und die Erste VG-Beigeordnete Gabriele Greis stehen für die beiden Kommunen, die die Publikation finanziert haben.
Hachenburgs Stadtarchivar Dr. Jens Friedhoff (Mitte) hat einen neuen Burgenführer für den nördlichen Westerwald verfasst. Stadtbürgermeister Stefan Leukel und die Erste VG-Beigeordnete Gabriele Greis stehen für die beiden Kommunen, die die Publikation finanziert haben.
Foto: Röder-Moldenhauer

„Burgen und Schlösser gehören zu den Erfolgsgaranten des Tourismus“, habe vor einigen Jahren Alexander Fürst von Sayn-Wittgenstein, Ehrenpräsident der Deutschen Burgenvereinigung, gesagt, erinnert Friedhoff. Diese Feststellung gelte nicht nur für burgenreiche Regionen wie das Mittelrheintal, sondern ebenso für Landschaften wie den Westerwald.

Im ersten Moment werde man in Hachenburg an das bis heute die Stadtansicht bestimmende Barockschloss, die ehemalige Residenz der Grafen von Sayn, denken, während die als Ruine erhaltene Burg in Steinebach zu den weniger bekannten Objekten der Verbandsgemeinde zähle, so der Stadtarchivar.

Als Wanderziele in der landschaftlich reizvollen Kroppacher Schweiz seien mittelalterliche Burgen wie die nur noch als Bodendenkmal erhaltene Motte „Hofküppel“ in Streithausen oder die im Gelände sich noch abzeichnende Burg Nister in unmittelbarer Nachbarschaft zur Abtei Marienstatt ausgezeichnet.

Der neue Burgenführer stellt auf 122 Seiten die einst bedeutende Burgen- und Schlösserlandschaft im nordwestlichen Teil des Westerwaldes vor. Insgesamt werden in dem Band zum Raum Hachenburg 25 Wohn- und Wehrbauten aus dem Zeitraum von 1100 bis 1800 von Jens Friedhoff einer näheren Betrachtung unterzogen.

Jenseits der Grenzen der Verbandsgemeinde wurden zudem jene Burgen und Schlösser mit einbezogen, deren Schicksal eng mit der Geschichte der im Raum Hachenburg regierenden Grafen von Sayn oder ihrer Konkurrenten, der Grafen von Wied beziehungsweise der Erzbischöfe von Köln und Trier, verbunden sind.

In den Katalog wurden unter anderem die wegen ihres schlanken, runden Hauptturms als „Schmanddippe“ (Rahmtopf) bezeichnete, ehemals erzbischöflich trierische Burg Hartenfels, die imposante Burgruine Reichenstein bei Puderbach, das Renaissanceschloss Friedewald, Schloss Schönstein bei Wissen oder auch die frei rekonstruierte Burg Rotenhain aufgenommen.

An Ausführungen zur Burgenlandschaft des Raumes Altenkirchen – Hachenburg schließen sich Kapitel zur Geschichte der Region sowie zur baulichen Entwicklung der Burgen und Schlösser an.

Co-Finanzierung durch Stadt und VG

Hachenburgs Stadtarchivar Dr. Jens Friedhoff weist darauf hin, dass die Finanzierung des neuen Bandes „Burgen – Schlösser – Befestigungen“ aus der Reihe „Schriften des Hachenburger Stadtarchivs“, der die bisherigen Veröffentlichungen im Umfang deutlich übertrifft, durch das Engagement von Stadtbürgermeister Stefan Leukel und von VG-Bürgermeister Peter Klöckner sowie der zuständigen kommunalen Gremien ermöglicht wurde.

Bei seinen Recherchen unterstützt wurde Friedhoff von zahlreichen Personen und Institutionen, die Plan- und Bildmaterial bereitgestellt haben. In dem Zusammenhang dankt Friedhoff den Staatsarchiven in Koblenz und Wiesbaden, dem Kreisarchiv Altenkirchen, der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Westerwald in Montabaur, verschiedenen Ortsbürgermeistern (Steinebach a. d. W. und Hartenfels) sowie diversen Privatpersonen.

Die Zeitreise, auf die der Stadtarchivar den Leser mitnimmt, reicht von den frühen hochmittelalterlichen Burgen des 11. und 12. Jahrhunderts über die in nachmittelalterlicher Zeit zu Schlössern umgestalteten Anlagen zu landesherrlichen Residenzen bis zur Gegenwart mit den sich aufdrängenden Fragen einer sinnvollen, denkmalverträglichen Nutzung historischer Bauten.

Stellvertretend weist Hachenburgs Stadtarchivar an dieser Stelle auf die von der Gemeinde revitalisierte Burgruine Steinebach hin, die nach der Flutung der vormals trockenen Wassergräben jetzt wieder zum attraktiven Mittelpunkt des Ortes avanciere.

Auf der Grundlage umfangreicher Forschungen in Archiven sowie der Bereisung der Anlagen, zu denen aktuelle Fotografien erstellt wurden, entstand ein Burgenführer, der nicht nur zur Erkundung touristisch herausragender Objekte einlade, sondern auch zu weniger bekannten Orten in einer reizvollen Landschaft, wirbt Friedhoff.

Mit 122 Seiten überschreite der Umfang der Veröffentlichung die bislang erschienenen Hefte in der Reihe der „Schriften des Stadtarchivs“. „Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass die Thematik ,Burgen und Schlösser' im Westerwald bislang erst unzureichend erforscht worden ist und die Historie zahlreiche Anlagen, wenn überhaupt, in der Literatur ungeachtet ihrer orts- und regionalgeschichtlichen Bedeutung nur gestreift wurde“, begründet der Autor.

Zahlreiche, in seiner neuen Publikation erstmals veröffentlichte Pläne und Ansichten dokumentierten eindrucksvoll die architekturgeschichtliche Bedeutung so manch vollständig verschwundener Objekte, wie zum Beispiel das ehemalige Schloss der Grafen von Sayn in Altenkirchen, dessen letzte bauliche Reste erst nach dem Zweiten Weltkrieg verschwunden sind.

Im Fokus von Friedhofs Arbeit stehen nicht nur die wehrhaften Wohnsitze des Adels, sondern auch städtische Befestigungsanlagen, von denen in Altenkirchen und Hachenburg nur noch Reste existieren. „Die Stadtmauern künden von der Wehrhaftigkeit der privilegierten Städte, dem Schutzbedürfnis ihrer Bürger sowie von deren Selbstbewusstsein, stellte der Bau von Stadtmauern doch die größten kommunalen Baumaßnahmen des Mittelalters dar.

Der städtische Rechtsbezirk, der zum Teil weit über die Stadtmauern hinausreichte, wurde durch die Landwehr, eine Wall- und Grabenanlage dokumentiert, die sich im Umfeld der Stadt Hachenburg in der Nähe der Ziegelhütte noch als eindrucksvolles Geländedenkmal erhalten hat (sogenannter Horhauser Schlag).

Die wenig bekannte Anlage bietet touristisch ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial und würde sich für die Aufstellung einer Informationstafel zu Hachenburger Landwehr mit entsprechenden grafischen Darstellungen anbieten, zumal die Anlage von den vorbeiführenden Wanderwegen gut einsehbar ist (Lange Schneise)“, schreibt Jens Friedhoff.

Die Publikation ist im örtlichen Buchhandel sowie in der Tourist-Info Hachenburg erhältlich.