Archivierter Artikel vom 01.12.2021, 17:56 Uhr
Dreifelden

Seen in Dreifelden abgelassen: Aktion liefert erstaunliche Hinweise zum Fischbestand

Vor einigen Tagen hat die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe mit dem Dreifelder Weiher und dem Postweiher zwei weitere Teiche der Westerwälder Seenplatte erstmalig seit 2018 abgelassen. Durch die Aktion konnten wichtige Erkenntnisse zum Fischbestand gewonnen werden.

Beim Ablassen und Abfischen des Dreifelder Weihers und des Postweihers an der Westerwälder Seenplatte konnte sich die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe über die Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer freuen.
Beim Ablassen und Abfischen des Dreifelder Weihers und des Postweihers an der Westerwälder Seenplatte konnte sich die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe über die Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer freuen.
Foto: Maja Wagener

Im Herbst 2020 fand eine erste Abfischaktion am Brinkenweiher statt. Das Ablassen ist laut einer Pressemitteilung der Nabu-Stiftung notwendig, um die Stauanlagen der Weiher auf Schäden kontrollieren und deren Sanierungsbedarf ermitteln zu können. So konnte die Stiftung mit ersten Bauarbeiten am Damm des Dreifelder Weihers beginnen. Durch das Abfischen würden zudem Erkenntnisse über die vorkommenden Fischarten gewonnen, heißt es weiter.

„Wir waren überrascht über die Menge an großen Karpfen und Hechten. Es war für alle Helfer ein Kraftakt, diese kiloschweren Fische in dem teils schlammigen Gelände zu entnehmen. Am Ende hat es sich aber gelohnt“, sagt Stiftungsmitarbeiterin Inés Noll. Die große Zahl an Hechten gefährde die besondere Vogelwelt der Weiher, weil die Raubfische auch gerne die Küken der Wasservögel fressen würden. Karpfen setzten als bodenwühlende Fische Nährstoffe aus dem Gewässergrund frei und verschlechterten bei hohen Beständen die Wasserqualität für seltene Wasserpflanzen und Tiere.

Insgesamt wurden mit tatkräftiger Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer etwa 220 Kilogramm Hechte, 870 Kilogramm Karpfen und 28 Kilogramm Schleien im 13 Hektar großen Postweiher abgefischt. Aus dem etwa sieben Mal größeren Dreifelder Weiher entnahmen die Helfer rund 7500 Kilogramm Karpfen, 490 Kilogramm Schleien sowie 60 Kilogramm Barsche.

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord führte zudem eine repräsentative Stichprobe zur Erfassung der Kleinfische durch. Demnach leben in den beiden Weihern zahlreiche Kleinfische wie Moderlieschen und Dreistachliger Stichling, die Wasservögeln als Nahrung dienen. Diese Erkenntnisse zum Fischbestand seien eine wichtige Grundlage für die künftige naturschutzfachliche Entwicklung der seit 2018 nicht mehr wirtschaftlich genutzten Teiche, so die Nabu-Stiftung.

Wenn die Teiche wieder mit Wasser gefüllt sind, soll ein Teil der Kleinfische in die Weiher zurückgesetzt werden. Bis dahin nutzen Zugvögel die offenen Schlammflächen zur Rast. Zum Schutz der Vögel sowie zur eigenen Sicherheit werden Besucher gebeten, die trockengefallenen Ufer- und Schlammflächen nicht zu betreten.

Die Abfischaktionen wurden gemeinsam mit zahlreichen Helfern vor Ort durchgeführt. Darunter waren der erfahrene Teichwart Helmut Schuster sowie Rüdiger Sikora von den Teichanlagen Meißel, dessen Team sich um den Abtransport und die Verwertung der Fische kümmerte.

Umfangreiche Unterstützung in der Vorbereitung und Durchführung gab es auch von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Nister/Obere Wied. Zudem stellte die Firma Orthey aus Hattert für die Aktion kostenlos Ausrüstung und Arbeitskräfte zur Verfügung. Auch viele weitere tatkräftige Freiwillige, die beiden Campingplätze Haus am See und Freilingen und die Feuerwehr Dreifelden hätten zum Erfolg der Aktion beibetragen, lobt die Nabu-Stiftung.

Die Westerwälder Seenplatte zwischen Hachenburg und Montabaur ist ein Eldorado für Wasser- und Watvögel. Ende 2019 erwarb die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe die sieben Weiher und engagiert sich seitdem zusammen mit zahlreichen Freiwilligen vor Ort für den dauerhaften Schutz der artenreichen Gewässerlebensräume. Im Besitz der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe befinden sich bundesweit mittlerweile mehr als 21.200 Hektar Naturschutzland.