Archivierter Artikel vom 06.03.2021, 11:59 Uhr
Heiligenroth

Schlafkabine Marke Eigenbau: Maroder Lkw rollt über A 3

Aufgefallen war den Beamten der Verkehrsdirektion Koblenz der Lastwagen aus Südosteuropa, weil er am Donnerstagvormittag nur langsam eine leichte Steigung auf der A 3 bei Heiligenroth hinauf kam. Der Verdacht: Der 7,5-Tonner könnte überladen sein. Doch die Kontrolle ergab ein völlig anderes Bild der Lage – wenn auch nicht weniger dramatisch, wie der Bericht zeigt.

Der defekte Schweinwerfer wurde nur mit Kabeln und Klebeband befestigt.
Der defekte Schweinwerfer wurde nur mit Kabeln und Klebeband befestigt.
Foto: Verkehrsdirektion Koblenz

Denn der Lkw war von einer Fahrtüchtigkeit weit entfernt. Langsam fuhr er, weil die Motorleistung wegen einer defekten Abgasanlage eingeschränkt war. Außerdem stellten die Beamten bei der Kontrolle neben einer Vielzahl technischer Mängel wie gebrochene Außenspiegel und defekte Beleuchtungen, die nur mit Klebeband repariert worden waren, ausgeschlagene Lenkungsteile und einen nicht unerheblicher Ölverlust am Motor fest. Eine Stoßstange war auf der rechten Seite nach einem Unfall aus den Befestigungen herausgebrochen und nur noch mit einer Schnur befestigt.

Doch besonders verwunderte die Kontrolleure die Schlafkabine, die auf dem Führerhaus befestigt war. Bereits von außen waren die unprofessionell angebrachten Dichtnähte zu erkennen, die teilweise deutliche Risse zeigten. Oberhalb des Fahrersitzes war eine Klappe, durch die der Fahrer in die Schlafkabine gelangen konnte. Augenscheinlich waren sowohl die Klappe als auch die Kabine nachträglich angebracht worden.

Nach festen Verbindungen suchten die Kontrolleure vergeblich. Die Schlafkabine wurde offenbar nur durch größere Mengen an Klebemasse gehalten. Ermittlungen bei einer Fachwerkstatt ergaben schließlich, dass der Lkw nachträglich und unfachmännisch verändert worden war. Das Fahrzeug wurde ursprünglich ohne Schlafkabine gebaut und ausgeliefert.

Der 7,5-Tonner darf erst wieder weiterfahren, wenn alle Mängel beseitigt sind. Sowohl der Fahrer als auch das Unternehmen, dem der marode Lkw gehört, bekamen eine Anzeige und mussten Sicherheitsleistungen hinterlegen.