Westerburg

Künstliche Nester für Schwalben: Westerburger Hilfsaktion soll stark zurückgegangene Bestände wieder vergrößern

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, sagt eine bekannte Redewendung. Auf viele Schwalben und einen schönen Sommer freut sich Stadtbürgermeister Janick Pape, der laut einer Pressemitteilung der Stadt an verschiedenen städtischen Gebäuden Schwalbennester befestigen ließ. Die Bestände an Rauch- und Mehlschwalben sind auch im Westerwald stark geschrumpft. Um den aus dem Süden heimkehrenden Schwalben das Brutgeschäft zu erleichtern, hat die Stadt Westerburg jetzt durch Mitarbeiter des städtischen Bauhofs Schwalbennester aufhängen lassen.

Im Beisein von Stadtbürgermeister Janick Pape (oben rechts) und dem Beigeordneten Herbert Schmitz (unten) befestigten die städtischen Mitarbeiter die Schwalbennester am Rathaus.
Im Beisein von Stadtbürgermeister Janick Pape (oben rechts) und dem Beigeordneten Herbert Schmitz (unten) befestigten die städtischen Mitarbeiter die Schwalbennester am Rathaus.
Foto: Ulrike Preis

„So möchten wir den Schwalbenbestand, der in den vergangenen Jahren auch in unserer Region stark zurückgegangen ist, wieder vergrößern“, erklärt Pape. Um geeignete Stellen zu finden, nahm Herbert Schmitz, Erster Beigeordneter mit dem Geschäftsbereich Städtischer Bauhof, Kontakt mit Erich Gläser auf, der insbesondere den älteren Westerburgern noch als „der Vogel-Erich“ bekannt ist.

Viele Jahre engagierte sich der heute 82-Jährige als Umweltbeauftragter der Verbandsgemeinde Westerburg. Nicht nur in dieser Funktion kümmerte er sich um Vogelnester sowie um die Aufzucht und Pflege verletzter und kranker Vögel.

„Mein Papa baute früher selbst Schwalbennistkästen“, erzählt seine Tochter Heike Gläser. Sie war auch die Ideengeberin für die städtische Aktion. Bereits Anfang des Jahres ging Heike Gläser mit gutem Beispiel voran, indem sie mehrere Schwalbennester kaufte und aufhängte. Sie berichtete dem Bürgermeister von ihrem Vorhaben und schlug vor, eine Schwalben-Hilfs-Aktion für Westerburg daraus zu machen. „Wir möchten diesem Beispiel folgen und an unseren öffentlichen Gebäuden Schwalbennester aufhängen“, so Pape.

Bisher wurden 15 künstliche Nester für Rauch- und Mehlschwalben angeschafft. Beim Kauf wurde darauf geachtet, dass die Nester auch entnommen und gereinigt werden können. Um das Problem der verschmutzten Wände erst gar nicht aufkommen zu lassen, hat man vom Naturschutzbund Westerwald Kotbretter bezogen und unter den Nestern befestigt.

Mithilfe eines Hubwagens haben die städtischen Mitarbeiter vor Kurzem auch am Westerburger Rathaus Schwalbennester aufgehängt. Diese sind vor Witterungsextremen geschützt, da sie auf der Rückseite zum Rathausplatz hin unter einem Dachvorsprung angebracht sind. Auch in Gershasen, Sainscheid und Wengenroth wurden an den stadteigenen Gebäuden Schwalbennester aufgehängt.

„Schon im vergangenen Jahr haben wir in Sachen Natur und Umwelt verschiedene Projekte angestoßen und unterstützt“, betont Pape. Dazu zählt beispielsweise die Anschaffung von zwei großen Insekten-Hotels. Eins davon wurde auf dem Spielplatz an der Hofwiese aufgestellt.

Das zweite fand kürzlich in Gershasen an der Dreschhalle einen geeigneten Platz. Erfolgreich ist zudem die Zusammenarbeit mit der Aktion „Kleine Bienenretter“ von Rolf Koch, dem Vorsitzenden der Lebenshilfe Westerwald. Die Stadt Westerburg unterstützt die Aktion auch in diesem Jahr.

Erneut rief Pape die Vertreter aller Generationen auf, in ihren privaten Gärten etwas gegen das Insektensterben zu unternehmen. Dafür stellt die Stadt den Westerburger Bürgern kostenlos Saatgut zur Verfügung. Wie bereits 2020 wird der Bauhof auch in diesem Frühjahr Blumenwiesen anlegen. „So gehen wir auch hier mit guten Beispiel voran“, animiert der Stadtchef zur Nachahmung und erinnert gleichzeitig an den Fotowettbewerb, der für den Nachwuchs ausgeschrieben wurde.

„Auch in Sachen Schwalbennester wäre es schön, wenn sich viele Bürger an der Hilfs-Aktion beteiligen und den Vögeln mit Kunstnestern ein neues Zuhause bieten würden“, hofft Janick Pape auf Gleichgesinnte.