Archivierter Artikel vom 12.08.2012, 16:39 Uhr
Hachenburg

Kirmesauftakt in Hachenburg fasziniert jährlich aufs Neue

Wenn ganz Hachenburg auf den Beinen und in festlicher Stimmung ist und sich viele Tausend Gäste unter die Einheimischen mischen, dann ist klar: In der Löwenstadt ist Kirmes. Gleich zur Eröffnung am Samstagabend auf dem Alten Markt wurde deutlich, was das Erfolgsrezept des größten Volksfestes in der Region ist: die ausgewogene Kombination aus Brauchtum und modernen Unterhaltungselementen.

Eine unübersehbare Menschenmenge drängte sich wieder einmal zur Eröffnung der Kirmes auf dem Alten Markt. 
Foto: Röder-Moldenhauer
Eine unübersehbare Menschenmenge drängte sich wieder einmal zur Eröffnung der Kirmes auf dem Alten Markt.
Foto: Röder-Moldenhauer – roe

Die traditionellen Programmpunkte sind weithin bekannt und üben doch jedes Jahr wieder eine besondere Faszination aus: Wenn der Marktplatz bei Anbruch der Dunkelheit plötzlich von unzähligen Lichtern und Kerzen illuminiert wird, die Kirmesburschen im Fackelzug und unter musikalischer Begleitung des Spielmannszuges Steinebach den Kirmesbaum in die „gute Stube“ bringen und die zahlreichen großen und kleinen Besucher aufs Neue gebannt das Aufstellen des geschmückten Wahrzeichens verfolgen, ruft dies alljährlich eine Gänsehautatmosphäre hervor. Das gilt auch, wenn die Musiker aus Steinebach zum Abschluss des offiziellen Teils vor dieser romantischen Kulisse gemeinsam mit dem Musikverein Siershahn den Großen Zapfenstreich ausführen und damit die über Jahrzehnte gewachsene Bedeutung der Kirmes unterstreichen. Genau seit 60 Jahren ist übrigens die 1952 gegründete Kirmesgesellschaft Hachenburg für die Durchführung der Großveranstaltung verantwortlich.

Neue Elemente wie der erstmalige Auftritt der Flamenco-Pop-Band Rumbalea ergänzten das Brauchtum vorzüglich mit Fiesta-Effekten. Die eingängigen, vielfach bekannten spanischen und südamerikanischen Klänge dieser Gruppe brachten die Kirmesgäste in Tanzlaune, was sich im Anschluss im voll besetzten Festzelt unter Führung der Lasterbacher Musikanten bis in den nächsten Morgen fortsetzen sollte.

Laut Thomas Webler, Präsident der Kirmesgesellschaft, ist das aufwendige, dreitägige Programm nur dank der Hilfe vieler fleißiger Hände möglich. Lob und Dank sprach Webler aber auch den Gästen aus, die dem Fest seit Jahren den Status Publikumsmagnet verleihen. Mit einem dreifach-kräftigen „Hui Wäller“ erklärte der Präsident die Kirmes schließlich für eröffnet.

Einen wesentlichen Baustein der Integration in Hachenburg nannte Bürgermeister Peter Klöckner die Kirmesgesellschaft. Die Kulisse und die Atmosphäre auf dem Alten Markt seien zudem unnachahmlich, sagte er. Die Besucher lud er bereits jetzt dazu ein, 2014 den 700. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte mit den Hachenburgern zu feiern.

Kein Blatt vor den Mund nahm anschließend Kirmesekel Scott Grodtmann, der zwölf Monate nach seinem Vater Markus den ehrenhaften Ekel-Orden tragen darf. Sein Vortrag reichte von persönlichen Ausführungen zur Kirmestradition innerhalb seiner Familie über Anekdoten einzelner Hachenburger bis hin zu viel diskutierten Stadtthemen des zurückliegenden Jahres. Nicht sprechen wollte er indes über das Schwimmbad, „schließlich gibt es ja keins“.

Beinahe wie in Hollywood gehe es in Hachenburg derzeit angesichts der Dreharbeiten zum Dokumentarfilm „Hagenberg“ zu, den Scott Grodtmann seinen Zuhörern bereits jetzt empfiehlt. Nicht fehlen in seiner Auflistung durften auch die Themen Parkgebühren sowie der Sturz des Kaisers Friedrich zur Kirmes 2011. Zum Glück sei der Regent Privatpatient. „Prof. Dr. Zydek“ habe die Kaiserstatue mit den Wundern der plastischen Chirurgie geheilt, was der Kirmesgesellschaft gleich ein Fest wert war. Eingeflochten in sämtliche Erläuterungen Grodtmanns waren kleine Spitzfindigkeiten in Richtung Stadtteil Altstadt. Die besondere Beziehung zwischen Hachenburgern und „Alstärrern“ wird beim heutigen Frühschoppen im Festzelt weiter gepflegt.

Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich