Archivierter Artikel vom 11.05.2021, 11:55 Uhr
Wallmerod

In den Ruhestand: Pfarrerin Felizitas Muntanjohl blickt lächelnd zurück

Unwirklich. Das trifft’s am besten. Denn die vergangenen anderthalb Jahre – ihre letzten als Gemeindepfarrerin – hat sich Felizitas Muntanjohl wirklich anders vorgestellt. Als sie im Januar 2020 in ihre halbe Stelle als Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Wallmerod eingeführt wird, ahnt sie noch nicht, dass die Corona-Pandemie wenig später alles auf den Kopf stellt.

Die Corona-Pandemie hat ihren Dienst als Pfarrerin in Wallmerod durcheinandergewirbelt. Jetzt geht Felizitas Muntanjohl in den Ruhestand und blickt trotz stürmischer Zeiten dankbar auf die anderthalb Jahre zurück.
Die Corona-Pandemie hat ihren Dienst als Pfarrerin in Wallmerod durcheinandergewirbelt. Jetzt geht Felizitas Muntanjohl in den Ruhestand und blickt trotz stürmischer Zeiten dankbar auf die anderthalb Jahre zurück.
Foto: Peter Bongard

„Mein Plan war, mich besonders in der Kinder- und in der Seniorenarbeit zu engagieren“, sagt sie nachdenklich. „Aber bevor ich richtig anfangen konnte, wurde fast alles abgesagt.“

Wie gesagt: fast alles. Auch wenn Präsenz-Veranstaltungen oft nicht stattfinden konnten, blickt Felizitas Muntanjohl trotzdem mit einem Lächeln auf ihre Zeit in Wallmerod zurück. „Es waren wertvolle anderthalb Jahre“, sagt sie. „Ich habe den Kontakt gesucht und bin rumgekommen – vor allem, was die vielen Geburtstagsbesuche an der Haustüre angeht. Was ich währenddessen an Offenheit, Freundlichkeit und Wertschätzung erlebt habe, ist nicht selbstverständlich.“

Die Welt verändern kann sie in anderthalb Jahren natürlich nicht. Aber das wusste sie schon, bevor sie 2020 in den Westerwald kommt. „Es ist schwierig, in einer so kurzen Zeit ein Profil zu schaffen“, sagt sie. Zudem hat sie in Wallmerod „nur“ eine halbe Stelle als Pfarrerin inne – neben ihrer Kollegin Heike Meissner.

„Da war nie ein Konkurrenzdenken oder so“, sagt sie. „Wir haben vieles gemeinsam geplant und hatten eine tolle Zusammenarbeit.“ Außerdem denkt sie gerne an das gute Miteinander im Kirchenvorstand und den Ökumene-Kreis zurück. „Was diese Frauen auf die Beine gestellt haben, ist schon bemerkenswert“, sagt sie und nennt den Weltgebetstag, die Passionsandachten, den Jugendkreuzweg und den gemeinsamen Gottesdienst zum ökumenischen Kirchentag als Beispiele.

Trotzdem bleibt die Zeit unwirklich. „Als ich angefangen habe, war unsere Kirche jeden Sonntag voll. Seitdem wir in der größeren katholischen Kirche feiern, haben die Besuche deutlich nachgelassen. Die Leute sind eben vorsichtig – was ich verstehen kann. Ich hoffe, dass sich die Kirchen nach der Pandemie wieder füllen.“

Was bleibt, ist ihre Leidenschaft für die Musik. Im Ruhestand möchten Felizitas Muntanjohl und ihr Mann endlich wieder mehr Zeit ins gemeinsame Singen investieren. Und die Pfarrerin plant ihr zehntes Buch: eine Sammlung mit Andachtstexten und Wochenandachten, die sich besonders an ältere Menschen richtet. Denn für die hat die scheidende Pfarrerin ein besonders großes Herz: Seit 1998 ist sie in Wiesbaden als Altenheimseelsorgerin tätig, und auch diese Zeit endet nun.

Ihr Abschied aus Wallmerod ist für den Pfingstsonntag um 10.15 Uhr geplant. Und natürlich werden sich Felizitas Muntanjohl und ihr Mann in der katholischen Kirche so von der Gemeinde verabschieden, wie sie sich im Januar 2020 vorgestellt hatten: mit einem gemeinsamen Lied.

Erste Pfarrstelle war im Taunus

Die gebürtige Darmstädterin Felizitas Muntanjohl ist Jahrgang 1957. Nach ihrem Theologiestudium in Frankfurt, Göttingen und Marburg begann 1981 ihr Vikariat in Bad Endbach-Bottenhorn. Ihre erste Pfarrstelle trat sie 1983 in Esch im Taunus an.

Wichtige Stationen waren außerdem die Pfarrstelle als Altenheimseelsorgerin in Wiesbaden, die sie seit 1998 innehat und ihre Pfarrstelle in Wiesbaden-Rambach von 2015 bis 2019. Felizitas Muntanjohl lebt mit ihrem Mann in Limburg.
Westerwälder Zeitung
Meistgelesene Artikel