Archivierter Artikel vom 25.07.2021, 07:07 Uhr
Westerwald

Helfer, Geld und Gebete geschickt: Die Hilfsbereitschaft der Wäller für die Flutopfer ist weiterhin groß

Nach den verheerenden Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, bei denen mindestens 160 Menschen gestorben sind und Hunderte noch vermisst werden, ist die Betroffenheit auch im Westerwald groß. Spontan haben sich viele Einzelpersonen aus dem Westerwald aufgemacht, um Freunde und Bekannte in den Krisengebieten zu unterstützen. Auch viele Mitglieder von THW, Feuerwehr und Rotem Kreuz und anderen Hilfsorganisationen sind im Einsatz.

Foto: privat

„Es sind sehr viele Menschen aus meiner Kirchengemeinde über die Feuerwehr nach Ahrweiler gereist, um direkt vor Ort mit anzupacken,“ berichtet Pfarrer Ulrich Schmidt aus Alpenrod. „Die spontane große Hilfsbereitschaft bei tatkräftiger Soforthilfe und den Geldspenden, finde ich großartig“. Schmidt hatte in seinen Gottesdiensten zu Spenden aufgerufen. Innerhalb von einer Woche kamen schon 2800 Euro zusammen, die zweckgebunden auf ein Konto der Diakonie Katastrophenhilfe eingezahlt werden.

Auch in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Marienberg wurde am Wochenende schon in einigen Gottesdiensten gesammelt. In den Gottesdiensten in Höhn und Bad Marienberg gab es Schweigeminuten für die Opfer des Hochwassers sowie Fürbitten für Opfer und Helfer. Auch in anderen Kirchengemeinden wurde die sonntägliche Kollekte für die Flutopfer umgewidmet.

„Unsere Kollekte geht auf das Spendenkonto der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Ich habe auch mitgeteilt, dass man, wenn man direkt spendet, eine Spendenbescheinigung erhält. Ich bin sicher, dass unsere Gottesdienstbesucher davon Gebrauch machen. Dennoch war die Kollekte deutlich höher als sonst,“ berichtet Pfarrer Matthias Neuesüß aus Höhr-Grenzhausen.

In Emmerichenhain stand der sonntägliche Gottesdienst mit Pfarrerin Claudia Elsenbast ganz im Zeichen der Flutkatastrophe. Auch hier ging die Kollekte ins Krisengebiet. In Hachenburg hat die Evangelische Kirchengemeinde Altstadt ebenfalls die Kollekte für die Flutopfer erhoben. Die Kleiderkammer der Kirchengemeinde hat sich direkt an das THW in Westerburg gewandt und Kleidung zur Verfügung gestellt. Die Kirchengemeinde Höchstenbach plant, am kommenden Sonntag die Kollekte für das Spendenkonto der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe zu sammeln.

Pfarrerin Ulrike Braun-Steinebach leitet seit vielen Jahren die Notfallseelsorge im Westerwaldkreis und im Rhein-Lahn-Kreis. Jetzt leistet sie am Wochenende Dienst am Nürburgring.
Pfarrerin Ulrike Braun-Steinebach leitet seit vielen Jahren die Notfallseelsorge im Westerwaldkreis und im Rhein-Lahn-Kreis. Jetzt leistet sie am Wochenende Dienst am Nürburgring.
Foto: Sabine Hammann-Gonschorek

„Unsere Kirchengemeinde steht in Kontakt mit der Feuerwehr Langenbach b.K., die im Krisengebiet im Einsatz ist und Privatpersonen, die vor Ort helfen. Wir sammeln Geldspenden, um gezielt den Menschen vor Ort helfen mit dem, was sie dringend benötigen“, berichtet Pfarrer Rüdiger Stein aus Kirburg. „Nach der Soforthilfe planen wir eine Spendenaktion für eine konkrete Aufbauhilfe in einer betroffenen Gemeinde bzw. Kirchengemeinde.“

Die Evangelische Kirchengemeinde Unnau hilft über den persönlichen Kontakt über eine Lehrkraft Schüler der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige in Neuwied. Der Kirchenverein der Gemeinde hat es sich zur Aufgabe gemacht, betroffene Familien von Schülern der Gehörlosenschule, die aus dem Raum Ahrweiler stammen, zu unterstützen. Einige Familien von Schülern haben alles verloren und stehen nach dieser schweren Katastrophe vor dem Nichts. Geld kann auf das Konto des Kirchenvereins eingezahlt werden.

Auch die Notfallseelsorge aus Hessen-Nassau hat Vorbereitungen getroffen, das benachbarte Krisengebiet zu unterstützen. Teams sollen beispielsweise der psychosozialen Versorgung von Einsatzkräften dienen. Zu diesem Zweck wird Pfarrerin Ulrike Braun-Steinebach, die die Notfallseelsorge im Westerwaldkreis und im Rhein-Lahn-Kreis leitet, am kommenden Wochenende für zwei 12-Stunden-Dienste an den Nürburgring fahren. Dort wird sie die Einsatzleitung der Versorgung übernehmen.

„Ich weiß nicht, was mich erwartet, da die dortige Lage jede Vorstellungskraft sprengt. Die Not ist so groß, dass alle Hilfe wie ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein scheint“, zeigt sich Braun-Steinebach besorgt über die Lage. „Die Szenarien, auf die wir vorbereitet sind, werden hier einfach um ein Vielfaches übertroffen.“ Die Teams der Notfallseelsorge aus dem Westerwald und Rhein-Lahn wurden bisher nicht angefordert, stehen aber bereit, die Seelsorge-Teams der rheinischen Kirche abzulösen, sagt Braun-Steinebach.

Weitere Geldspenden werden gebraucht

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bittet um Spenden auf das Konto der Diakonie und der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), die ein eigenes Spendenkonto errichtet haben. Von Sachspenden solle wegen des hohen Organisationsaufwandes gegenwärtig Abstand genommen werden.

Spendenkonto bei der Diakonie RWL, DE79.3506.0190.1014.1550 20. KD Bank Stichwort: Hochwasser-Hilfe. Online Spenden: www.kd-onlinespende.de/projekt/spendenaufruf-unwetter-katastrophe/display/link.html

Auskunft und Unterstützung für Betroffene der Hochwasserkatastrophe
Infonummer für Angehörige von Vermissten, Hinweise und Fragen: 0800 65 65 65 1
Kostenlose Hotline zur psychosozialen Unterstützung (9 - 17 Uhr): 0800 001 0218
Hinweisportal der Polizei Rheinland-Pfalz: rlp.hinweisportal.de
Die Polizei bittet, den Notruf 112 beziehungsweise 110 nur in dringenden Fällen anrufen.
Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz
Westerwälder Zeitung
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