Archivierter Artikel vom 23.07.2021, 14:30 Uhr
Höhr-Grenzhausen/Eitelborn

Flutkatastrophe an der Ahr: Wäller Kommunen helfen den Opfern weiter und weiter

Unbürokratisch und spontan helfen auch zahlreiche Westerwälder Kommunen den Flutopfern in den Katastrophengebieten. So haben der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, Thilo Becker, und die Freiwillige Feuerwehr auf Initiative von Wehrleiter Claus Hattenbach der Wehr von Bad Neuenahr-Ahrweiler jetzt ein ausgemustertes, aber gut erhaltenes Feuerwehrfahrzeug geschenkt.

Von Stephanie Kühr

Kommune hilft Kommune in Not: Bürgermeister Thilo Becker (rechts) hat gemeinsam mit Andreas Wenig und Wehrführer Frank Kauert (von links) ein ausgemustertes, aber voll einsatzfähiges Fahrzeug der Höhr-Grenzhausener Feuerwehr an den Wehrleiter der Feuerwehr Bad Neuenahr-Ahrweiler, Markus Mandt (Mitte), und Stadtbürgermeister Guido Orthen übergeben.
Kommune hilft Kommune in Not: Bürgermeister Thilo Becker (rechts) hat gemeinsam mit Andreas Wenig und Wehrführer Frank Kauert (von links) ein ausgemustertes, aber voll einsatzfähiges Fahrzeug der Höhr-Grenzhausener Feuerwehr an den Wehrleiter der Feuerwehr Bad Neuenahr-Ahrweiler, Markus Mandt (Mitte), und Stadtbürgermeister Guido Orthen übergeben.
Foto: VG Höhr-Grenzhausen

Hintergrund: Die Höhr-Grenzhausener Feuerwehr hatte kürzlich ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) in Dienst gestellt und wollte das ausrangierte Löschgruppenfahrzeug (LF16/12) auf einer Versteigerungsplattform meistbietend verkaufen.

Noch in der vergangenen Woche wurde eigens dafür ein Wertgutachten erstellt. „Der Gutachter kam auf einen Wert von rund 9800 Euro und bescheinigte dem Fahrzeug einen sehr guten Erhaltungszustand“, betont Thilo Becker gegenüber unserer Zeitung. Doch nach der verheerenden Flutkatastrophe war für Rathaus und Wehr sofort klar: Das Fahrzeug wird nicht verkauft, sondern gespendet.

„Bei der Flutkatastrophe hat es die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler besonders hart getroffen. Zwei Gerätehäuser wurden stark beschädigt, ein Fahrzeug wurde total zerstört, und mehrere Fahrzeuge sind aktuell nicht einsatzbereit“, schildert Thilo Becker, der selbst in Dernau an der Ahr im Rettungseinsatz war. „Dort bot sich uns beim Eintreffen ein katastrophales Bild der Zerstörung“, sagt er bedrückt.

Schnell habe deshalb festgestanden, dass man das ausgemusterte Fahrzeug der Feuerwehr von Bad Neuenahr-Ahrweiler unentgeltlich überlässt. „Auch meine persönlichen Erfahrungen im Katastrophengebiet haben mich bei der Entscheidung bestärkt“, gesteht der VG-Chef.

„Nach Rücksprache mit den Beigeordneten und den Fraktionsvorsitzenden im Verbandsgemeinderat gab es dann grünes Licht für unsere besondere Spende“, erzählt Thilo Becker. Kurz darauf konnte der Bürgermeister gemeinsam mit Wehrführer Frank Kauert und Andreas Wenig das Fahrzeug vor Ort übergeben. „Endlich mal ein Lichtblick“, so die Reaktion von Wehrleiter Markus Mandt aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Und auch der dortige Bürgermeister Guido Orthen freute sich über das Fahrzeug, das nun an der Ahr im Feuerwehrdienst steht“, ist Thilo Becker zufrieden.

Derweil hat Ortsbürgermeister Daniel Best aus Eitelborn die Initiative „Kommunen helfen Kommunen“ ins Leben gerufen und dafür eine digitale Koordinierungsstelle eingerichtet. Ziel ist eine passgenaue Hilfe beim Wiederaufbau für die Ortsgemeinden in den Hochwassergebieten. Nicht betroffene Kommunen sind aufgerufen, ihre Gemeindearbeiter und Bauhof-Teams für ein paar Tage unentgeltlich in eine der von der Flutkatastrophe betroffenen Gemeinden zu entsenden.

Dort sollen sie beim Wiederaufbau zerstörter kommunaler Infrastruktur helfen – also in Kitas, Schulen, Rathäusern, auf Friedhöfen, Spielplätzen, Sportanlagen oder auf den Straßen und Plätzen, teilt die VG Montabaur mit. „Die Mitarbeiter der Bauhöfe wissen genau, was in einer Ortsgemeinde zu tun ist. Und sie können die passenden Arbeitsgeräte gleich mitbringen“, erklärt Best.

Und so geht der Bauhof von Eitelborn gleich mit gutem Beispiel voran: Drei Mitarbeiter haben sich freiwillig für einen Einsatz im Hochwassergebiet gemeldet. Der Ortsgemeinderat unterstützt diese Aktion mit Spenden. Um die Einsätze zu organisieren, hat Best gemeinsam mit dem Eitelborner Marco Stein eine digitale Koordinierungsstelle aufgebaut. Dort können Ortsgemeinden entweder ihre Angebote melden oder die entsprechende Hilfe abrufen.

„In dieser Situation ist Solidarität gefragt. Im Westerwald hatten wir Glück und blieben von den Fluten verschont. Da können wir dankbar sein und unsere Hilfe anbieten – passgenau von Kommune zu Kommune“, betont Best. „Wir freuen uns, wenn die Idee auch außerhalb unserer Region Gefallen findet: Mitmachen und Nachmachen ist beides erwünscht“, hofft er.

Plattform bleibt intern

Aus Gründen der Sicherheit und Organisation kann die Internetadresse der Koordinierungsstelle nicht veröffentlicht werden. Interessenten können sich unter der E-Mail-Adresse gemeindeverwaltung
@eitelborn.de wenden.