Archivierter Artikel vom 19.04.2022, 11:49 Uhr
Westerwaldkreis

Flucht in den Westerwald: 1400 Ukrainer sind im Kreis registriert – Herausforderungen für Betreuer

Im Westerwaldkreis sind aktuell etwa 1400 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine offiziell registriert. Das berichtete die Kreisbeigeordnete Gabi Wieland anlässlich einer Gesprächsrunde in der Reihe „Impulse digital“ der CDU-Kreistagsfraktion.

Foto: picture alliance/dpa | Paul Zinken

Die Westerwälder Kreisverwaltung übernehme vorrangig die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen, erklärte Wieland. Die vorhandene Struktur mit den Verbandsgemeindeverwaltungen als erste Ansprechpartner habe sich gut bewährt. Auch in dieser Krisensituation erfordere die mangelnde Vernetzung von behördlichen Datenbanken wiederum größeren Aufwand. So seien beispielsweise fünf Datenbanken bei der erstmaligen Registrierung zu bedienen, die nicht untereinander kommunizieren könnten, berichtete Wieland.

Der Westerwaldkreis halte auch eine Notunterkunft vor, in der bis zu 70 Personen kurzfristig untergebracht und versorgt werden können. Hier engagiere sich auch das Deutsche Rote Kreuz mit seiner Versorgungseinheit. Ferner stehen Dolmetscher und Ärzte zur Verfügung. Die tatsächliche Anzahl an Kriegsflüchtlingen, die sich im Westerwald aufhalten, dürfte noch höher sein, hieß es.

Bürgermeister Markus Hof von der VG Westerburg sieht die Verbandsgemeinden vor allem bei der Unterbringung der Geflüchteten in der Verantwortung. Er dankte für die Unterstützung aus der Bevölkerung, aber auch von Hotels bzw. Ortsgemeinden. Beispielhaft nannte er die Ortsgemeinde Enspel, die ihre „Alte Schule“ zur Verfügung stellte und entsprechend dafür ausgerüstet hätte.

Betreuung von Flüchtlingen ist ohne freiwillige Helfer nicht zu leisten

Die Verbandsgemeinde habe ihr Personal aufgestockt, ohne die Hilfe der vielen Ehrenamtler sei es jedoch nicht zu erreichen, dass die Flüchtlinge „im Alltag ankommen“. Wohnungsbezug, Einkauf und Unterstützung bei Behördengängen seien nur mit den vielen Ehrenamtlern zu bewältigen.

Bernd Kind von der Kolpingfamilie Hachenburg/Marienstatt schilderte das Schicksal von Flüchtlingen, die oft aus den hart umkämpften Kriegsgebieten stammen und die durch Kontakte zu ukrainischen Kolpingfamilien an der moldawischen bzw. rumänischen Grenze aufgenommen werden konnten. Da die Geflüchteten oft aus Großstädten kommen, fällt ihnen das Einleben im ländlichen Raum schwer.

„Mit den Gedanken und Sorgen sind diese Frauen und Kinder fortwährend mit der ukrainischen Heimat verbunden.“ In Übereinstimmung mit Björn Flick von „Wäller helfen“ hält Kind eine schnelle Integration in Kindertagesstätten, Schulen sowie den Arbeitsmarkt für dringend wünschenswert. Ebenso wichtig sei aber auch der Kontakt im Rahmen von „Ukraine-Stammtischen“ oder „Ukraine-Kaffeerunden“.

Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer darin, dass aufgrund des ähnlichen Kulturkreises eine zügige Integration der Geflüchteten gelingen kann. Sprachliche Probleme werden von Kindern und Jugendlichen meist unkompliziert bewältigt. Gute Ansätze seien in den Schulen erkennbar, und auch bei der Betreuung von Kleinkindern, so Gabi Wieland, seien realisierbare Angebote in Vorbereitung, wenn eine Betreuung in den Kindertagesstätten aus Platzgründen nicht möglich ist.

Björn Flick bekräftigte das Motto von „Wäller helfen“: Gemeinsam statt einsam, mit dem aufgrund der Hilfsbereitschaft der Westerwälder Bevölkerung bereits Vieles erreicht werden konnte. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Dr. Stephan Krempel, dankte abschließend nochmals der Westerwälder Bevölkerung für ihre große Hilfsbereitschaft. Ein besonderer Dank gelte den Mitarbeitenden in den Verwaltungen, die durch die Corona-Pandemie und nun durch die Kriegsflüchtlinge „kaum zum Durchatmen kommen“.