Archivierter Artikel vom 24.07.2021, 08:00 Uhr
Westerwaldkreis

Den Müll wegschaffen: Wäller Abfallentsorger helfen im Hochwassergebiet

Das verheerende Hochwasser an der Ahr und in der Eifel hat riesige Müllberge hinterlassen: Hausmüll und Sperrmüll, unzählige Schrottautos und jede Menge Bauschutt türmen sich in den betroffenen Wohnungen sowie in den Straßen. Die Abfallentsorgungsbetriebe rund um das Katastrophengebiet können diese Mengen allein nicht bewältigen. Deshalb haben sich neben vielen anderen Helfern auch die Mitarbeiter des Westerwaldkreis-Abfallwirtschaftschaftsbetrieb (WAB) freiwillig bereit erklärt, die Kollegen in der von der Flut besonders betroffenen Region zu unterstützen. Denn insbesondere aus hygienischen Gründen muss der Müll jetzt schnell weggeschafft werden.

Von Nadja Hoffmann-Heidrich
Foto: dpa/Symbolfoto

Die Bereitschaft zu helfen sei riesig, betont WAB-Werkleiter Stefan König auf WZ-Anfrage. Man fühle sich den Menschen im Katastrophengebiet sehr verbunden. Da sei die Kollegenhilfe selbstverständlich. Aufgrund der Ausnahmesituation habe die Politik für die Müllentsorger das Arbeitsverbot an Sonntagen aufgehoben und die Lenkzeiten für die Lkw-Fahrer ausgeweitet.

Die ersten Fahrzeuge und Mitarbeiter seien vor einigen Tagen aufgebrochen. Die konkrete Aufgabenverteilung übernehmen Personen vor Ort. So steuern die Westerwälder Abfallentsorger derzeit nicht die zerstörten und teils nach wie vor nur schwer erreichbaren Kommunen unmittelbar an, sondern den Wertstoffhof des Abfallwirtschaftsbetriebs Ahrweiler in Niederzissen, wo bereits Tonnen von Müll zwischengelagert wurden.

Die WAB-Mitarbeiter transportieren den Unrat von hier weiter in die Verbrennungsanlage. „Wir sind in die weiterführende Logistik eingebunden, um die Umladestation zu entlasten“, erläutert Stefan König. Aktuell komme nur Großgerät zum Einsatz: „Sperrmüllfahrzeuge und sogenannte Containerzüge“, berichtet der WAB-Werkleiter.

Die Verbrennungsanlagen im Umland laufen bereits am Limit, eine stoffliche Mülltrennung macht aus Sicht von König keinen Sinn mehr, da ohnehin alles komplett durcheinander und zudem von einer dicken Schlammschicht überzogen sei. Angesichts der schier unvorstellbaren Menge an Müll müsse man nicht nur über Verbrennung, sondern zumindest vorübergehend auch über eine Form der Deponierung nachdenken, fügt er hinzu.

Die Logistikketten müssten aufgrund des Ausmaßes langfristig geplant werden. „Wir reden bei der Müllentsorgung hier nicht von Tagen oder Wochen, sondern mindestens von Monaten“, so König. „Das wird ein Dauerläufer werden müssen. Wir sind bei uns im Betrieb bereits dabei, Einsatzlisten für die nächsten Wochenenden zu führen. Die Kollegen, die vor Ort waren, berichten, dass sie solche Zustände und Müllberge noch nie erlebt haben.“