Archivierter Artikel vom 28.05.2022, 12:01 Uhr
Montabaur

Besonderes Projekt in Montabaur: Ziegen sind Grünpfleger am Promenadenweg

Wer dieser Tage auf dem Promenadenweg in Montabaur spazieren geht, kann im Hang zur Fröschpfortstraße hin einige Ziegen entdecken. „Im Dienst“ der Stadt Montabaur leisten sie dort einen wichtigen Beitrag zur Grünpflege.

22 Burenziegen weiden derzeit auf dem Gelände unterhalb des Promenadenwegs in Montabaur. Diese naturverträgliche Pflege der Grünflächen ist Teil der Biodiversitätsstrategie der Stadt und der Verbandsgemeinde Montabaur. Schäfer Florian Kaiser (2. von links) sowie Markus Kuch und Alrun Uebing vom Sachgebiet Umwelt schauen regelmäßig nach dem Rechten.
22 Burenziegen weiden derzeit auf dem Gelände unterhalb des Promenadenwegs in Montabaur. Diese naturverträgliche Pflege der Grünflächen ist Teil der Biodiversitätsstrategie der Stadt und der Verbandsgemeinde Montabaur. Schäfer Florian Kaiser (2. von links) sowie Markus Kuch und Alrun Uebing vom Sachgebiet Umwelt schauen regelmäßig nach dem Rechten.
Foto: VG Montabaur

Die Vierbeiner halten das Buschwerk niedrig und ermöglichen damit eine große Artenvielfalt bei Gräsern, Wildblumen und Kräutern. Das Beweidungsprojekt ist Teil der Biodiversitätsstrategie von der Stadt und der Verbandsgemeinde Montabaur.

„Die Burenziegen fühlen sich richtig wohl auf dem Gelände am Quendelberg“, erzählt Markus Kuch, Sachgebietsleiter für den Bereich Umwelt, in einer Pressemeldung der VG. „Sie mögen es, im Hang herumzuklettern, und haben hier einen reich gedeckten Tisch an verschiedenen Pflanzen, die sie eifrig abfressen.“

Bereits im letzten Jahr hatte Kuch die Ziegen von Florian Kaiser aus Girod angeheuert. Eingesetzt wurden diese zunächst testweise als „Rasenmäher“ auf den Wiesen am Bahndamm nahe dem ICE-Bahnhof. Und im Gegensatz zu maschinellen Rasenmähern fressen sie das Schnittgut gleich auf. Das ist ein wichtiger Nebeneffekt, wie Kuch verdeutlicht. „Wenn das Schnittgut liegen bleibt, setzen sich die starken Arten und die Generalisten unter den Wiesenpflanzen durch, und die anspruchsvollen Spezialisten werden zurückgedrängt. So geht Vielfalt verloren, und den Insekten fehlen ihre typischen Nahrungsquellen. Durch das Mulchen geht die Vielfalt verloren.“

Ein weiterer Vorteil der Ziegen: Sie kommen in (fast) jedem Gelände zurecht, sind überwiegend dort im Einsatz, wo Maschinen nicht hinkommen. Wie zum Beispiel im unwegsamen Abhang unterhalb des Promenadenwegs. Ihre „Kollegen“ mit dem dicken Wollfell, die Schafe, kämpfen im VG-Gebiet derweil gegen die Ausbreitung des Riesenbärenklaus. Seit Jahren setzt die Stadt Montabaur die Schafe auf den Auenflächen von Aubach, Gelbach und Biebrichsbach ein, wo sie im Frühjahr entlang der Bachläufe die Wiesen abgrasen und dabei die jungen Triebe des Riesenbärenklaus abfressen. Außerdem kann man die Schafe am Flugplatz und bald auch im Wäschbachtal im Stadtteil Horressen sowie unterhalb des FOC auf den Aubachwiesen bei der Arbeit beobachten.

Die Verbandsgemeindewerke verfolgen nicht nur durch die Ziegen, sondern auch auf andere Weise das Ziel, die Artenvielfalt zu stärken. An vielen Stellen im VG-Gebiet gibt es großflächige Wiesen, die als Regenrückhaltebecken dienen. Diese müssen regelmäßig gemäht werden. Das geschieht zunächst maschinell, anschließend wird das Schnittgut aber von Hand aufgenommen. „Das ist ein enormer Vorteil für die Natur, weil wir so die Magerwiesen entwickeln und die Artenvielfalt ermöglichen“, freut sich Umweltfachmann Markus Kuch.

Auch die Grünflächen an den Schulen in Trägerschaft der VG haben er und sein Team inzwischen in den Blick genommen. Sie sollen teilweise umgestaltet werden, mit mehr heimischen Blumen und Rückzugsräumen für Kleintiere. Dies geschehe in enger Abstimmung mit den Lehrerkollegien, die diese Projekte in den Sach- oder Biologieunterricht integrieren, betont die Verbandsgemeinde. Zudem müsse der Naturschutz mit der Funktion der Wiesen als Spielfläche für die Kinder in Einklang gebracht werden. „Die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie erfordert es, jede Fläche genau anzusehen und dann geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Das ist kleinteilig, manchmal mühsam, aber unterm Strich zählt jede noch so kleine Maßnahme“, so lautet Markus Kuchs Fazit. red