Frankfurt/Rhein-Lahn

Soziales und Bildung im Fokus: EKHN-Synode verabschiedet erstmals einen Doppelhaushalt mit 1,5 Milliarden Euro

Blick auf die Synodalen während der Herbsttagung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Blick auf die Synodalen während der Herbsttagung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Foto: matern dekanat nl/Bernd-Christoph Matern

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat während ihrer Herbsttagung in Frankfurt den ersten Doppelhaushalt ihrer Geschichte mit einem Volumen von insgesamt fast 1,5 Milliarden Euro verabschiedet. Das Budget sieht für 2024 etwa 737 Millionen Euro und für 2025 knapp 744 Millionen Euro vor. Insgesamt ein Viertel der Kirchensteuern wendet die EKHN für die Bereiche Diakonie, Kinder, Jugend und Familie sowie Bildung und Erziehung auf.

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So sind pro Jahr fast 50 Millionen Euro an Eigenmitteln für die Arbeit in Kindertagesstätten vorgesehen. Ausgebaut wurde der auf etliche Jahre angelegte Zukunftsfonds über insgesamt 46 Millionen Euro. Mit ihm sollen in den kommenden Jahren besondere Aufgaben unter anderem beim Klimaschutz, in der Digitalisierung oder bei der Suche nach Fachkräften verstärkt angegangen werden.

Zuweisungen angepasst

Als größte Posten im Haushalt gelten die Personalaufwendungen in Höhe von jährlich jeweils rund 330 Millionen Euro. Für die Arbeit auf Gemeinde- und Dekanatsebene sind in den neuen Etats pro Jahr rund 340 Millionen Euro an Zuweisungen eingeplant. Kirchengemeinden und Dekanate erhalten angepasste Zuweisungen zum Ausgleich von Mehrbelastungen und einen Inflationsausgleich.

Der vorgelegte Haushaltsplan rechnet in den kommenden beiden Jahren mit nahezu gleichbleibenden Kirchensteuerreinnahmen von 540 beziehungsweise 543 Millionen Euro. In diesem Jahr werden die Kirchensteuern voraussichtlich bei rund 530 Millionen Euro liegen. Zur Deckung des Budgets müssen im Doppelhaushalt 2024/2025 voraussichtlich jeweils 20 Millionen Euro aus den Rücklagen entnommen werden.

Die Synode votierte dafür, den im Zukunftsprozess ursprünglich vorgegebenen Sparkorridor beizubehalten. Finanzielles Ziel von „ekhn2030“ ist es, den kirchlichen Haushalt ab 2030 strukturell um 140 Millionen Euro jährlich zu entlasten. Als Basisjahr gilt 2021 mit einem Haushaltsvolumen von knapp 700 Millionen Euro.

Zum Abschluss wurde noch einmal intensiv am umfassenden Zukunftsprozess „ekhn2030“ weitergearbeitet. Mit dem Projekt will die EKHN dem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel und Rückgang der Mitglieder entgegenwirken. Dabei bleibe es zentrales Ziel, „eine kleiner werdende Kirche neu zu gestalten“, und zwar so, dass auch „die nächste Generation noch Möglichkeiten hat, innovativ zu arbeiten und Kirche weiterzuentwickeln“, erklärte EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung. Es stehe bei „ekhn2030“ weiter „das Bild einer Kirche vor Augen, die eine öffentliche und offene Kirche ist und in vielfältiger Gestalt nah bei den Menschen bleibt“, sagte der Kirchenpräsident.

Eine wichtige Grundlage sei dabei beispielsweise die bereits gelungene Bildung von 160 sogenannten Nachbarschaftsräumen. Im evangelischen Dekanat Nassauer Land wurden bereits im Frühjahr fünf Nachbarschaftsräume beschlossen, die bereits intensiv ihre künftige Zusammenarbeit entwickeln.

Gegen den Fachkräftemangel

Hilfreich für die Nachbarschaften und Gemeinden im Nassauer Land ist auch ein umfassendes Digitalisierungsprojekt, für das die Synode 25 Millionen Euro bis zum Jahr 2030 bewilligte. Eines der Herzstücke ist nach Worten des Leiters der Kirchenverwaltung Lars Esterhaus unter anderem, Hard- und Software zentral zu beschaffen sowie Support- und Beratungsangebote für Gemeindebüros gebündelt zur Verfügung zu stellen. Zudem soll ein elektronisches Dokumentenmanagement eingeführt werden, das Haupt- und Ehrenamtlichen ortsunabhängige Zusammenarbeit ermöglicht. Esterhaus hofft, dass am Ende damit „das Arbeiten in unserer Kirche deutlich vereinfacht und vor allem zu Erleichterungen für Ehrenamtliche in der Fläche führen wird“.

Die Synode beschloss eine Anpassung der Pfarrstellen bei gesamtkirchlichen Aufgaben. Dazu gehören beispielsweise besondere Positionen in der Spezialseelsorge, Religionspädagogik oder der Kirchenleitung. Analog zu den Plänen für Gemeinden muss auch hier die Zahl der gesamtkirchlichen 142 Pfarrstellen bis 2029 um 25 Prozent reduziert werden.

Unter anderem wird die Stelle der geschäftsführenden Pfarrerin des Landesverbands der Evangelischen Frauen entfallen. Aber auch die Leitungsstellen um den Kirchenpräsidenten, die stellvertretende Kirchenpräsidentin und die fünf Pröpstinnen und Pröpste sowie deren Unterstützung werden von elf auf acht Positionen gestrafft. Mit Blick auf die Zukunft der Kirche sollen aber vier neue Stellen geschaffen werden, die die Lebenswelten junger Erwachsener und von Familien besser in den Blick nehmen sollen.

Zudem will die EKHN mit einem auf fünf Jahre ausgelegten Projekt zur Personalgewinnung und Personalbindung dem absehbaren Fachkräftemangel auch in kirchlichen Berufen trotzen. Längst fehlen in der evangelischen Kirche nicht nur Pfarrpersonen und Fachkräfte in Kindertagesstätten. Der Mangel beginnt inzwischen, alle Berufsgruppen zu durchziehen. Die Synode beschloss dazu ein 2-Millionen-Programm.

Diakoniezuweisungen angepasst

Nach einer engagiert und teils hoch emotional geführten Diskussion hat die Synode entschieden, die Zuweisungen an die Diakonie im Rahmen ihres Zukunftsprozesses „ekhn2030“ neu zu ordnen. Bei der regionalen Diakonie in Hessen und Nassau mit ihren Hilfseinrichtungen vor Ort wird ab 2025 eine Sparlinie von stufenweise 12 Prozent bis 2030 wirksam. red