Rhein-Lahn/Miehlen

Dekanatsfrauentag in Miehlen inspiriert: Neue Räume im Kopf geöffnet

Voll besetzt war das Miehlener Bürgerhaus beim Frauentag des evangelischen Dekanats Nassauer Land. Das Organisationsteam lieferte zahlreiche Denkanstöße zu neuen Räumen im Leben und im Kopf. Fotos:  Dekanat Nassauer Land/Matern
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Voll besetzt war das Miehlener Bürgerhaus beim Frauentag des evangelischen Dekanats Nassauer Land. Das Organisationsteam lieferte zahlreiche Denkanstöße zu neuen Räumen im Leben und im Kopf. Fotos: Dekanat Nassauer Land/Matern Foto: Matern Dekanat Nassauer Land/privat

Welcher Raum gibt Schutz, macht traurig, muss dringend aufgeräumt werden, und in welchem gibt es die spannendsten Begegnungen? Das waren nur einige vieler Fragen, die während des Dekanatsfrauentages in Miehlen gestellt wurden.

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Um neue Räume im Leben und Kopf, um Erinnerungen und Veränderungen ging es im voll besetzten Bürgerhaus unter dem Motto „Wir lassen die Kirche im Dorf!?“. Frauen aus allen Regionen des Dekanats zwischen Diez und Lahnstein nahmen von dem Treffen viele Denkanstöße mit nach Hause.

Claire Metzmacher moderiert

Die Bildungsreferentin des Dekanats Nassauer Land Claire Metzmacher, die als Moderatorin agierte, beleuchtete das Thema mit dem rührigen Vorbereitungsteam aus ganz verschiedenen Perspektiven. Über die zerstörten und einfachen Räume nach dem Krieg sprach sie mit Ingrid Zöller, die bei Nachbarn Wohnung fand. Die Räume ihrer Heimat im Erzgebirge musste Lilo Hartung in der Kindheit auf der Flucht in den Westen verlassen.

„Es fühlt sich heute alles so klein an, wenn wir mal hinfahren“, erklärte die Miehlenerin. Elvira Baldauf vom Runden Tisch für Flüchtlinge in Lahnstein berichtete von einer Familie aus Somalia, für die sie monatelang eine menschenwürdige Wohnung suchte. Bürokratische Hürden erschweren den Willen, sich auch mit Arbeit am neuen Ort einzubringen und mit der Familie auf eigenen Beinen zu stehen.

Auch Fusionen sind Thema

Welche Gefühle lösen leere Kinderzimmer aus, wenn der Nachwuchs ausgezogen ist? Erleichterung, dass der Nachwuchs seinen eigenen Weg geht, aber auch Trauer. „Da muss das Herz dem Verstand noch etwas nacheifern“, gestand Sabine Savelsberg. Über die veränderten Kirchenräume sprach Anita Krebs aus Geisig, gehören doch jetzt schon fünf Kirchen und neun Ortschaften zur Gemeinde, die in der künftigen Nachbarschaft noch einmal um acht Kirchengemeinden erweitert wird. „Da braucht es kreative Ideen auch im Umgang mit den Räumen.“ Im Originalton kam Hermann Hesses Gedicht Stufen in den Saal mit der berühmten Zeile „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

Beim Dekanatsfrauentag in Miehlen als Farbenspiel genutzt: unterschiedliche Schaumküsse als Symbol für unterschiedliche Hautfarben
Beim Dekanatsfrauentag in Miehlen als Farbenspiel genutzt: unterschiedliche Schaumküsse als Symbol für unterschiedliche Hautfarben
Foto: Matern Dekanat Nassauer Land/privat

Die Gespräche führten zu den Räumen im Kopf, den Vorurteilen, dem Schubladendenken und der zunehmenden Schwierigkeit, überhaupt noch miteinander reden zu können, obwohl gerade Reden Räume im Kopf durchlässiger machen könne. Demokratisch ausgehandelter Rederegeln bedürfe es, damit am Ende nicht die bestimmen, die am lautesten schreien, meinten Bärbel Scheele, Bärbel Goerke und Sabine Savelsberg.

In dem Trialog gab es noch ein bleibendes Bild, das in einer Geschichte von Margret Netten die Mutter ihrem Kind mitgibt, das vor einem farbigen behinderten Kind erschrak: Unterschiedlich farbige Schaumküsse als Symbol für die unterschiedlichen Hautfarben der Menschen inklusive der „angedätschten“, die doch alle den gleichen leckeren Inhalt haben mit ihren Gefühlen und Sehnsüchten. Die drei Frauen warben dafür, offen zu sein für andere und Neues. Und sie erinnerten an die Zehn Gebote sowie das Sprichwort: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu“.

Sonne für die Seele

Räume aus gemauerten Steinen könnten Schutz bieten, sagte Pfarrerin Yvonne Fischer in ihrer Andacht. Wichtiger als Steine seien aber immer die Menschen, wichtiger als Räume aus Stein die Räume im Kopf. Und am wichtigsten seien die Räume, die Gottes Wort darstellen. „Jeder Buchstabe ist eine kleine Arche“, bezog sie sich auf die hebräische kastenförmige Schrift, „und diese Heimat werden wir immer haben.“

Neben dem von den Miehlener Landfrauen kredenzten Kaffee, Kuchen und Schaumküssen gab es mit dem evangelischen Kirchenchor unter Leitung von Bernd-Christoph Matern etwas Sonne für die Seele zu tanken. Der trug nicht nur den Sonnenwalzer vor, sondern erinnerte auch an Gottes Treue, die zu allen Zeiten und an allen Orten gelte.