Archivierter Artikel vom 25.07.2021, 06:56 Uhr
Lahnstein

Von der Bewahrschule zur Kindertagesstätte: Seit der Eröffnung der ersten Lahnsteiner Betreuungseinrichtung hat sich viel verändert

Als drei Dernbacher Schwestern 1858 in der Schwarzgasse in Lahnstein ihre Berufstätigkeit als Krankenpflegerinnen aufnahmen, errichteten sie auch eine Kinderbewahr- und Handarbeitsschule. Da das Haus dem Bahnbau zum Opfer fiel, zogen sie zunächst in die Schulstraße, dann in die Adolfstraße und 1870 in ihr neu erbautes Kloster in der Frühmesserstraße 22. Schließlich errichtete die katholische Kirchengemeinde 1896 ein Kinderheim in der Wilhelmstraße 59, das Gebäude beherbergt heutige das städtische Jugendkulturzentrum.

Sommerfest im Katholischen Kindergarten Oberlahnstein 1962 in der Frühmesserstraße. Im Hintergrund das heutige Jugendkulturzentrum.
Sommerfest im Katholischen Kindergarten Oberlahnstein 1962 in der Frühmesserstraße. Im Hintergrund das heutige Jugendkulturzentrum.
Foto: Sammlung. Stadtarchiv Lahnstein

Das zunächst eingeschossige Haus bekam 1902 ein zweites Stockwerk, um oben eine Nähschule („Handarbeitsunterricht für junge Mädchen“) einzurichten. 1910/11 folgte ein Anbau, sodass der Kleinkinderbewahrschule zwei Räume im Erdgeschoss zur Verfügung standen.

Als die westliche Giebelwand im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe vollständig zertrümmert wurde, musste das Gebäude instand gesetzt werden. Auf dem zugehörigen Spielplatz wurden zwei Bombentrichter auf Bitten der Leiterin des Kindergartens, Schwester Adelheidis, zugeschüttet und von der Stadt ein großer Sandkasten angelegt. Im Jahr 1959 wurden an den Kindergarten zur Frühmesserstraße hin zwei neue Spiel- und Aufenthaltsräume angebaut.

1978 ließ die Katholische Kirchengemeinde am Europaplatz einen Neubau für 100 Plätze errichten. Da er allerdings für alle Kinder zu klein war, wurde der Kindergarten Frühmesserstraße für 25 Plätze beibehalten. Das Hauptgebäude in der Wilhelmstraße wurde von der Stadt gekauft und zum Jugendzentrum umgebaut.

Im gleichen Jahr wie die Katholische, erbaute auch die Evangelische Kirchengemeinde 1978 einen neuen Kindergarten am Kastanienplatz mit 75 Plätzen, der 1992/93 saniert und erweitert wurde. Gegründet wurde die evangelische „Kinderpflege“ im Mai 1897 und befand sich zunächst im Evangelischen Gemeindehaus Wilhelmstraße 53, ab 1953 in einem neu errichteten Hinterhofgebäude in der Adolfstraße 14. Hinzu kam im April 1973 in der Siedlung Friedland ein evangelischer Kindergarten mit 75 Plätzen, der noch heute besteht.

In Niederlahnstein errichteten die Dernbacher Schwestern 1866 eine „Kinderbewahr-, Näh- und Haushaltungsschule“ in der Emser Straße, dem späteren katholischen Vereinshaus. Ab 1927 wurde die Kinderbewahranstalt in der Turnhalle eingerichtet. Im Jahr 1954 folgte dann der Neubau hinter der Pfarrkirche St. Barbara. Er wurde später erweitert und trägt heute den Namen Kindertagesstätte St. Barbara.

Die Evangelische Kirchengemeinde Niederlahnstein, die sich 1956 von Oberlahnstein gelöst hatte, ließ im gleichen Jahr die Räumlichkeiten des ehemaligen katholischen Pfarrhauses von St. Barbara in der Pfarrer-Menges-Straße für ein evangelisches Gemeindehaus mit Kirchsaal, Gemeinderäumen und Kindergarten umbauen. Nach Bau der Christuskirche blieb der evangelische Kindergarten am Kirchplatz und trägt heute den Namen „Villa Kunterbunt“.

Der neue Rechtsanspruch für Dreijährige führte zum Bau eines weiteren Kindergartens an der Allerheiligenbergstraße. Da sich der Eröffnungstermin wegen Baumängeln bis Juni 1997 hinzog, gab es seit 1995 eine Notgruppe.

Außerdem befinden sich in Niederlahnstein der Waldorfkindergarten Kinderhaus Morgenstern, der im Februar 1996 in der C.-S.-Schmidt-Straße eröffnet wurde und 2010 in die ehemalige Schule Bergstraße umzog. Die Stadt Lahnstein ist Betriebsträgerin von vier kommunalen Kindertagesstätten: Die Kita EinSteinchen wurde eröffnet m September 2011 in der Braubacher Marksburgschule, seit 2015 ist sie am Kaiserplatz zu finden. Der Waldkindergarten LahnKobolde besteht in der Dr.-Max-Otto-Bruker-Straße, Kita Rambazamba in der C.-S.-Schmidt-Straße und die sechsgruppige Kita LahnEggs in der Schillerstraße.

Ein Kinderhort wurde im Jahr 2009 im Dr.-Hans-Nohr-Haus am Europaplatz eröffnet. Zuvor gab es bereits eine Hortgruppe in der Burgstraße beziehungsweise in der Brunnenstraße. Die jüngste Kita in der Stadt wurde 2021 im Caritas Altenzentrum in der Hochstraße eröffnet.

Das derzeitige Betreuungsangebot im Stadtgebiet Lahnstein umfasst laut einer Pressemitteilung 13 Kindertagesstätten mit insgesamt 796 Betreuungsplätzen. Außerdem betreibt die Bundeswehr seit Juni 2017 in der Deines-Bruchmüller-Kaserne die Kindertagespflege „Löwenzahn“.