Archivierter Artikel vom 06.06.2022, 18:00 Uhr
Miehlen

Sie haben die frohe Botschaft auf den Lippen: Evangelischer Kirchenchor Miehlen feiert 100-Jähriges

Mit einem gesungenen Festgottesdienst und einem Empfang mit vielen Gästen hat der evangelische Kirchenchor Miehlen an seine Gründung vor mehr als 100 Jahren erinnert. Nach zwei schmerzhaften Corona-Jahren, in denen Proben und Auftritte extrem reduziert werden mussten, kam die Freude an der Verkündigung in Liedern während des Gottesdienstes umso reicher zum Ausdruck.

Die Vorsitzenden Gaby Bindczeck und Ulrich Groß freuten sich über die große Gratulantenschar, die dem evangelischen Kirchenchor Miehlen zum 100-jährigen Bestehen gratulierte. Zuvor hatte der Chor den Festgottesdienst in der Kirche in Wort und Liedern gestaltet.  Foto: Evangelisches Dekanat Nassauer Land
Die Vorsitzenden Gaby Bindczeck und Ulrich Groß freuten sich über die große Gratulantenschar, die dem evangelischen Kirchenchor Miehlen zum 100-jährigen Bestehen gratulierte. Zuvor hatte der Chor den Festgottesdienst in der Kirche in Wort und Liedern gestaltet.
Foto: Evangelisches Dekanat Nassauer Land

Zehn Lieder hatte Chorleiter Bernd-Christoph Matern ausgewählt, mit denen nicht nur die Liturgie musikalisch gestaltet wurde, sondern auch die Festpredigt vom Chor gesprochen und gesungen wurde. Grundlage für sie war neben dem Predigttext ein Lied aus den 1960-er Jahren „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“. Es ging um Ängste, Not und Gefahren und die Bedeutung des Mannschaftsgeistes, der nicht nur in einem Chor, sondern auch in der heutigen Gesellschaft nötiger denn je sei. Christen wüssten sich auch in Not und Gefahr von Gott gehalten, was der Grund fürs Loben und Danken eines Chores sei. Instrumentalen Glanz verlieh dem Jubiläum Ulrich Becht an der Orgel mit zeitgenössischen Werken von Lothar Graap und Markus Ziegler sowie Pfarrer Michael Wallau, der auf der Viola das vertrauensvolle „Jesus bleibet meine Freude“ aus einer Bach-Kantate zu Gehör brachte.

Eindrucksvoll das mit der ganzen Gemeinde und Überstimmen kraftvolle Schlusslied „Großer Gott wir loben dich“.

Mit pfiffigen Rhythmen leiteten Wallau an der Geige und Matern am Klavier den anschließenden Empfang im schön dekorierten Gemeindehaus ein, wo Vorsitzender Ulrich Groß eine große Gratulantenschar begrüßen konnte. Er erinnerte an Meilensteine in der Chorgeschichte, die mit einem ersten Auftritt im Advent 1921 begann und mit dem Eintritt in den Chorverband im Februar 1922 amtlich wurde. Er selbst steht dem Chor zusammen mit Gaby Bindczeck nun schon seit fast 36 Jahren vor. Die Doppelsitze war damals ein Novum und ist es bis heute geblieben.

Die offizielle Dankesurkunde zum 100-jährigen kirchlichen Chordienst des Chorverbandes in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) überreichte Dekanatskantor Martin Samrock an die Vorsitzenden. Er betonte in seiner Laudatio die soziale Komponente des Chores, der als Gemeindegruppe neben der musikalischen Verkündigung auch die Gemeinschaft stärke, „da geht es um Zusammenhalt und füreinander da sein, Schwieriges und Fröhliches zu teilen“.

„Singen ist wie Medizin, es hilft heilen und dient Gott und anderen.“

Vorsitzende der Synode des evangelischen Dekanats Nassauer Land, Anja Beeres

„Singen ist wie Medizin, es hilft heilen und dient Gott und anderen“, sagte die Vorsitzende der Synode des evangelischen Dekanats Nassauer Land, Anja Beeres. Wenn denn für den Chor ein Zeugnis auszustellen sei, so habe der seine Aufgabe sicher zur vollsten Zufriedenheit erfüllt, so Beeres. „Wir brauchen Kirche mehr denn je in dieser zunehmend egoistischen Gesellschaft“, sagte Kreisbeigeordneter Karl-Werner Jüngst, der im Namen des Landkreises gratulierte und zum Dranbleiben aufrief. Singen vereint, verbinde und mache locker, so Jüngst. Jens Güllering, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nastätten, freute sich mit dem Chor, nach der entbehrungsreichen Pandemie endlich wieder singen und feiern zu können.

Irgendwie gehe es ihm beim Vorstand des Kirchenchors wie bei Bayern München mit der Meisterschaft, „ich kenne keinen anderen“, so Miehlens Ortsbürgermeister André Stötzer.

Ortsvereine überbringen Grüße

Im Namen der Ortsvereine überbrachte der Vorsitzende des MGV Miehlen Bernd Broszehl nicht nur Glückwünsche und einen Strauß mit (Bank-)Noten. Unter Leitung von Katja Schmaglinski gaben Sängerinnen und Sänger auch ein schönes flottes Geburtstagsständchen. Broszehl betonte die langjährige Freundschaft und Gemeinsamkeiten der beiden Chöre, die sich Probenraum, manchmal den Dirigenten und sogar einige Stimmen teilen.

Urkunden und Ehrennadeln der Chorverbände der EKD und in Hessen und Nassau für ein gutes Dutzend Sängerinnen und Sänger, die seit mehr als 25, 40 und 50 Jahren aktiv sind, überreichte Chorleiter Matern und verteilte an alle Chormitglieder Gutscheine für ein Buch, das die 100-jährige Geschichte dokumentieren soll. Dann stimmte der Jubiläumschor vielsagend den Welthit „Sing mit mir!“ an. „Wir haben in Miehlen keinen Doktor mehr, also Leute kommt singen, das macht gesund“, setzte Gaby Bindczeck noch einen Werbeaufruf für die fröhliche Chorgemeinschaft obendrauf, die sich jeden Mittwoch um 19 Uhr im Gemeindehaus zum Proben trifft. red