Lahnstein

Schüler vom Marion-Dönhoff-Gymnasium Lahnstein: Sollten Superreiche mehr Steuern zahlen?

Eine unglaublich inspirierende und interessante Begegnung sei es gewesen, ist aus den Reihen der Lehrerschaft des Lahnsteiner Marion-Dönhoff-Gymnasiums (MDG) zu hören. Gemeint ist der Besuch von Marlene Engelhorn. Die zukünftige Millionärin hat sich kürzlich den Fragen der Oberstufenschüler gestellt. Samuel Geller, Gabriel Schuster und Claudia Stein vom MDG haben die spannende Gesprächsrunde zusammengefasst.

Marlene Engelhorn setzt sich als Millionenerbin in ihrer Initiative „taxmenow“ für eine ausgewogenere Steuerpolitik zuungunsten sogenannter „Superreicher ein. Kürzlich stellte sie sich den Fragen der Zehn- und Elftklässler des Marion-Dönhoff-Gymnasiums. Foto: Anne Günther
Marlene Engelhorn setzt sich als Millionenerbin in ihrer Initiative „taxmenow“ für eine ausgewogenere Steuerpolitik zuungunsten sogenannter „Superreicher ein. Kürzlich stellte sie sich den Fragen der Zehn- und Elftklässler des Marion-Dönhoff-Gymnasiums.
Foto: Anne Günther

„Über Geld spricht man nicht, Geld hat man.“ An dieses Sprichwort hielten sich die Schüler der Klassenstufen 10 und 11 des Marion-Dönhoff-Gymnasiums bei dieser Veranstaltung nicht. Zu Gast war Marlene Engelhorn aus Wien, deren Familie durch den Verkauf des Pharmaunternehmens Boehringer Mannheim zu sagenhaftem Vermögen gekommen war. Seitdem weiß Marlene Engelhorn, dass sie einen zweistelligen Millionenbetrag erben wird. Trotzdem setzt sie sich unter anderem in der Initiative „taxmenow“ (wörtlich aus dem Englischen übersetzt: Besteuere mich jetzt!) gemeinsam mit anderen wohlhabenden Personen für eine stärkere Besteuerung von Vermögen ein. Eben darum ging es dann auch in der Runde am Marion-Dönhoff-Gymnasium vor einigen Tagen.

Das Interview und die Diskussion, die in einer ersten Phase Luka Klima, Alisha Mereu und Wjatscheslaw Kosian, drei Oberstufenschülern des Sozialkunde-Leistungskurses, führten, drehten sich um mehrere Fragen: Sollten in einer Demokratie sehr wohlhabende Menschen, die in diesen Reichtum nur hineingeboren wurden, durch finanzielle Machtausübung Einfluss auf die Politik ausüben dürfen? Wer wird im deutschen Bundestag wenig bis gar nicht repräsentiert, und wie hängt dies mit Reichtum und Armut zusammen? Wie wirkt sich Steuerflucht auf den Staat aus? Welche Rolle spielt Marlene Engelhorn selbst in der Politik?

„Vermögensungleichheit, wie sie heute existiert“, davon gab sich Marlene Engelhorn überzeugt, „untergräbt die Demokratie und schadet der Gesellschaft.“ Die 30-jährige Germanistik-Studentin sah sich dabei allerdings weder als „Expertin“ noch als „kompetent.“ Wenn sie in eine Talkshow oder ins Radio eingeladen werde, dann liege das einzig und allein daran, dass sie in eine reiche Familie hineingeboren wurde.

„Reichen Menschen hört man zu“, ist sie überzeugt. Die Diskussion schnitt die großen Probleme der ungleichen Vermögensverteilung an, wurde beizeiten auf sehr hohem und konzentriertem Niveau geführt und provozierte immer wieder Lacher. Es lag klar auf der Hand: Marlene Engelhorn vertrat ihre Position sehr authentisch und engagiert, brachte überzeugende Argumente und viele Fakten vor und verwies sehr häufig auf die Quellen ihres Wissens.

Für manche Schüler war es dennoch schwer vorstellbar, auf solch ein Vermögen zu verzichten. Ob es gar nichts geben würde, was sie sich von diesem Vermögen kaufen wolle, so die Frage eines Schülers der elften Klasse. Marlene Engelhorn überlegte und antwortete schließlich: „Doch, ich liebe Kaffee und Bücher.“ Das sei ihr mehr als gegönnt. red