Archivierter Artikel vom 03.08.2012, 14:38 Uhr
Bad Ems

Schlagfalle? Katze Sherry wurde ein Bein abgetrennt

Diesen Morgen wird die Familie Kraus so schnell nicht vergessen: Gegen 8 Uhr kommt Katze Sherry von ihrem Morgenspaziergang zurück, schleppt sich kraftlos noch durch die Tür. Dann wird klar: Dem Tier fehlt ein Bein. Die Familie ist geschockt, fährt sofort zur Tierärztin. Die Vermutung: Sherry ist in eine Schlagfalle getappt.

Sherry hat sich schwer verletzt. Dem Tier wurde ein Vorderbein abgetrennt. Herrchen Manfred Kraus und seine Familie rätseln, ob ihre Katze in eine Falle getappt ist.
Sherry hat sich schwer verletzt. Dem Tier wurde ein Vorderbein abgetrennt. Herrchen Manfred Kraus und seine Familie rätseln, ob ihre Katze in eine Falle getappt ist.
Foto: Alexander Hoffmann

Bad Ems – Diesen Morgen wird die Familie Kraus so schnell nicht vergessen: Gegen 8 Uhr kommt Katze Sherry von ihrem Morgenspaziergang zurück, schleppt sich kraftlos noch durch die Tür. Dann wird klar: Dem Tier fehlt ein Bein. Die Familie ist geschockt, fährt sofort zur Tierärztin. Die Vermutung: Sherry ist in eine Schlagfalle getappt.

Solche Fallen sind verboten, weil sie Tieren schwere Verletzungen zufügen können. Möglicherweise wurde sie aber aufgestellt, um einen Marder zu fangen. Im Wohngebiet der Familie in der Nähe des Bad Emser Westbahnhofs treibt zurzeit ein Marder sein Unwesen. „Marder richten schlimme Schäden an Autos und Dächern, keine Frage“, sagt Karin Kauer-Kraus. Falls sich ihr Verdacht aber erhärtet, wäre das nicht zu entschuldigen, findet Kauer-Kraus: „Es gibt schließlich Lebendfallen, wo Mardern und anderen Tieren nichts passiert“, sagt sie.

Wieso die Familie darauf kommt, dass es eine Schlagfalle ist: Das rechte Vorderbein der Katze war glatt abgetrennt, ein Unfall, beispielsweise mit einem Auto, hätte eine andere Verletzung verursacht. „Außerdem haben wir nichts gehört und überhaupt keine Spuren gefunden“, sagt Kauer-Kraus. Auch die Tierärztin Dr. Antje Hochkirch, die extra ihren Urlaub unterbrochen hat, um der verletzten Katze zu helfen, schließt einen Verkehrsunfall aus. Dass die Katze in einen Mähdrescher geraten ist, ist der Ärztin nach auch mehr als unwahrscheinlich.

Familie Kraus hat zwar Verständnis für die, die ihr Hab und Gut vor Mardern schützen wollen. „Aber doch bitte nicht mit solchen Fallen“, sagt Manfred Kraus. Das sollte auch im Interesse aller Marderjäger sein, denn: „Schlagfallen aufzustellen, ist eine Straftat“, stellt Dr. Gerwin Dietze vom Veterinäramt des Kreises klar. Im Jagdgesetz sei unmissverständlich dargelegt, dass solche Fallen verboten sind. Selbst Lebendfallen, die sanfteren Alternativen, unterliegen immer strengeren Regeln: „Früher durfte man Fallen aus Draht aufstellen. Da ist aber das Verletzungsrisiko zu hoch“, so Dietze. Mittlerweile dürfen Lebendfallen nur noch geschlossene Metallkästen sein, deren Klappe zuschnappt, sobald das gefangene Tier an den Köder geht. An einer Seite muss die Falle offen sein, damit das Tier nicht völlig im Dunklen sitzt und möglichst nicht in Panik gerät.

Was auch immer Sherry genau passiert ist, sie hatte Glück im Unglück: Die Katze ist ansonsten gesund, sobald sie den Schock verwunden hat, wird es ihr schnell wieder besser gehen. „Da braucht man keine Sorgen haben“, sagt Hochkirch. Die Katze braucht keine Prothese, sondern nur ein paar Gleichgewichtsübungen. „Dann läuft sie wieder wie vorher“, weiß die Tierärztin. alh