Archivierter Artikel vom 09.08.2022, 09:53 Uhr
Bad Ems

Pandemie verhindert Programm des Goethe-Gymnasium: Austausch funktioniert nur auf eigene Faust

Im gerade zu Ende gegangenen Schuljahr war coronabedingt wieder kein regulärer Austausch mit Nassaus Partnerstadt Pont-Château möglich, zu deren weiterführenden Schule das Bad Emser Goethe-Gymnasium seit Jahren engen Kontakt pflegt.

Das Foto zeigt (von links) Nola Guiguian, Noéline Rachet, Jana Fürbeth, Aéla Pichon, Luna Löffler, Manuel Mock, Aldric Pichon sowie Victoria Rusu.
Das Foto zeigt (von links) Nola Guiguian, Noéline Rachet, Jana Fürbeth, Aéla Pichon, Luna Löffler, Manuel Mock, Aldric Pichon sowie Victoria Rusu.
Foto: Goethe-Gymnasium

Auch an den französischen Schulen waren Gruppenreisen ins Ausland untersagt. Allerdings waren kurzfristig individuelle Begegnungen möglich. Einige Schüler wagten es, quasi in Eigenregie einen Austausch zu organisieren.

Dafür mussten die Familien die Fahrt in die rund 1000 Kilometer entfernte bretonische Stadt selbst organisieren. Die Schülerinnen und Schüler waren dabei unterwegs auf sich allein gestellt. Vier französische Achtklässler aus Pont-Château vom Collège Quéral und vom Collège Kahlo nahmen die Herausforderung an und wurden bei hiesigen Gastfamilien untergebracht und besuchten die Klassen 7a und 8a am Goethe-Gymnasium. Umgekehrt trat Luna Löffler aus der Klasse 7a den Gegenbesuch an und verbrachte zwei Wochen in Frankreich.

Seit dem sechsten Schuljahr hatte Luna Löffler zwar eine französische Briefpartnerin. Ein schulinterner Austausch rückte durch die Pandemie jedoch in weite Ferne. Deshalb bewarb sie sich im Frühling auf einen landesweiten Austausch nach Frankreich. Doch plötzlich tat sich am Goethe-Gymnasium die Chance auf, einen individuellen Austausch anzutreten. Vier Schüler aus Frankreich wollten nach Deutschland kommen, darunter ihre Briefpartnerin. „Da ich sehr interessiert an einem Austausch und neuen Kulturen war, habe ich direkt zugesagt“, so die Siebtklässlerin. Dann begann das große Abenteuer.

In den folgenden Wochen musste vieles geregelt werden: Reisetermine, Transfer, gesetzliche Bestimmungen und Versicherungen. „Schnell stellte sich heraus, dass es kompliziert werden würde“, schildert Luna Löffler. Noch wenige Wochen vor dem Austausch habe es noch viel offene Fragen gegeben. So kam es, dass von den ursprünglich vier deutschen Austauschschülern letztlich nur Luna Löffler nach Frankreich fuhr.

Zunächst wurden drei Französinnen und ein Franzose am Frankfurter Flughafen abgeholt und zu ihren hiesigen Gastfamilien gebracht. Ein Grillabend und eine Stadtrallye durch Bad Ems dienten dazu, sich besser kennenzulernen. Auch ein Ausflug ins Mathematikum stand auf dem Programm. „Der Tag war lustig, aber das Übersetzen war teilweise sehr anstrengend“, stellte Luna Löffler hinterher fest. Weitere gemeinsame Aktivitäten folgten. Dann startete die Siebtklässlerin in ihr eigenes Abenteuer.

„Ich wurde in Frankreich sehr herzlich willkommen geheißen und verbrachte ein schönes Wochenende mit der Familie, besuchte die Salzwiesen mit der Bimmelbahn und ging bowlen“, berichtet die Schülerin. Eine Umstellung war der einwöchige Besuch der Schule in Frankreich, endet diese doch nicht um 13, sondern erst um 17 Uhr. Sieben Schulstunden à 55 Minuten war sie vom „Goethe“ nicht gewohnt. „Ich kam immer erst sehr spät nach Hause und war relativ müde“, beschreibt sie ihre Erfahrung. Auch die Fremdsprache forderte sie, „da alles auf Französisch stattfand und es kaum Übersetzungsmöglichkeiten gab, weil Handys strikt verboten waren“.

Ohne Übersetzung per Smartphone musste sie auch in der zweiten Woche ihres Aufenthalts bei einer Sportklassenfahrt ans Meer auskommen. Bis auf eine Stunde am Tag waren auch auf der Halbinsel Quibéron die Handys tabu. „Aber an dieser großen Herausforderung bin ich gewachsen, da ohne Französisch oder manchmal Englisch nichts ging“, so Luna Löffler.

Beim Surfen, Segeln und am Strand konnte sie ihre Französischkenntnisse verbessern. Das Fazit der Siebtklässlerin ist eindeutig: „Ich würde es immer wieder machen“, teilt sie mit. „Klar es war eine sehr große Herausforderung, aber durch diese Chance konnte ich wachsen und bin sehr dankbar für diese Möglichkeit.“ Im Herbst steht bereits ihr nächster Austausch nach Frankreich an. Auch ihre Bewerbung für das Landesprogramm „Romain Rolland“ wurde angenommen. red