Archivierter Artikel vom 17.05.2022, 17:33 Uhr
Rhein-Lahn

Offizielle Amtseinführung am Sonntag: Neu-Dekanin Kerstin Janott und ihre Vorstellungen

Sie war noch nicht mal im Amt, aber ihr Terminkalender bereits gut gefüllt: Pfarrerin Kerstin Janott aus Langenscheid ist seit dem 1. Mai Dekanin des evangelischen Dekanats Nassauer Land. Am Sonntag, 22. Mai, um 15 Uhr wird sie Propst Dr. Klaus-Volker Schütz in einem Gottesdienst in der Nassauer Johanniskirche offiziell ins Amt einführen.

Der Anschluss klappt schon mal: Die neue Dekanin Kerstin Janott hat ihr Büro in der Bad Emser Römerstraße 35 bezogen.
Der Anschluss klappt schon mal: Die neue Dekanin Kerstin Janott hat ihr Büro in der Bad Emser Römerstraße 35 bezogen.
Foto: Dekanat Nassauer Land

Ihr Büro in der Bad Emser Römerstraße 35 hat die Nachfolgerin von Renate Weigel noch nicht fertig eingerichtet, aber immerhin: Computer und Bildschirm stehen schon mal. „Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe“, sagt die 47-Jährige, die sich der Herausforderung des Amtes in Zeiten knapper werdender personeller wie finanzieller Ressourcen durchaus bewusst ist. „Ich schaue aber lieber auf die Möglichkeiten als auf die Hindernisse“, sagt die Theologin. 2007 wurde sie als Pfarrerin für Langenscheid, Geilnau und Hirschberg von Propst Sigurd Rink ordiniert. Ihr Ordinationsspruch war der Bibelvers vom „Schatz in irdenen Gefäßen“. Sie ist „Schatzsucherin“ geblieben.

„Mir ist wichtig herauszufinden, was die Menschen an Gaben mitbringen und dass sie sich damit einbringen können“, beschreibt sie ihre neue Rolle. „Wie können wir uns gegenseitig stärken und was geht, wenn wir die Dinge anders denken?“, sind für sie Fragen für die gute Zukunft des Dekanats.

Beispiel Gebäudenutzung: Dass sie auf den Prüfstand kommen, könne man als Verlust empfinden. „Man kann über die sinnvolle Nutzung aber auch aus einer Position der Fülle heraus nachdenken, weil wir feststellen, wie viele Räume es überhaupt in unseren Gemeinden gibt“, so Janott. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, ist ein anderer Bibelvers, den Janott sehr mag. Der könne Mut machen. „Ich sehe darin die vielen Möglichkeiten, die Gott uns eröffnet.“ Das Wort animiere Gemeinden und Dekanat dazu, auch „einfach mal etwas auszuprobieren“. Nicht alles Neue müsse gleich zur Tradition werden.

Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie schnell Veränderung auch positiv gelingen kann. Digitale Sitzungen schonten die Umwelt, wenn in dem großen Flächendekanat weniger Auto gefahren wird. Die Bewahrung der Schöpfung ist ihr seit jeher ein Anliegen, berichtet die Mutter zweier Kinder. Bereits im Dekanat Diez sowie im Dekanat Nassauer Land war sie die Umweltbeauftragte.

„Mir ist wichtig herauszufinden, was die Menschen an Gaben mitbringen und dass sie sich damit einbringen können.“

Kerstin Janott, neue Dekanin des Dekanats Nassauer Land

Den weiten Blick hat Janott schon in ihrer Amtszeit in der Esterau gepflegt. Die Zusammenarbeit dort war seit 2013 ein Vorbild für Team-Pfarrämter und Nachbarschaftsräume der ganzen Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) einschließlich eines der ersten gemeinsamen Gemeindebüros vor vielen Jahren, das sich damals noch „Virtuelles Gemeindebüro“ nannte.

Einer Corona geschuldeten Neuerung und Übung möchte sie auch als Dekanin treu bleiben: ihre täglichen Impulse zur Tageslosung, mit denen sie einen Anrufbeantworter (abrufbar unter Telefon 06439/269 99 90) bespricht. „Das gibt mir sehr viel und erdet“, erzählt sie. Biblische Geschichten faszinieren sie schon seit Kindheitstagen. Mit diesen Geschichten im Gepäck lasse sich gut durchs Leben gehen, Geschichten von Befreiung, von Segen und Gottes Begleitung.

Gottes Segen will sie auch im Dekane-Amt auf der Spur bleiben, vor allem in den Begegnungen mit den Menschen, auf die sie sich jetzt zwischen Diez, Kaub und Lahnstein sehr freut. Zwar ist Janott der östliche Teil des Kreises besonders vertraut; als Mitglied des Dekanatssynodalvorstandes ahnt sie aber auch, was die evangelischen Christen am Rhein bewegt. Die Schönheit der Region mit seinen drei Welterben ist der in Dillenburg geborenen Theologin ohnehin bestens vertraut. „Die Landschaft ist ein Traum. In einer solch gesegneten Gegend zu leben, ist Balsam für die Seele“, sagt sie nach 15 Jahren im Rhein-Lahn-Kreis. So genießt sie die tägliche Zugfahrt von Balduinstein in die Kreisstadt.

Für ihren Einführungsgottesdienst in Nassau freut sie sich auf viele Gäste. Ob diese kirchlich engagiert sind wie in Kirchenvorständen oder der Dekanatssynode oder ob sie einfach nur neugierig sind: „Mit den Menschen, die hier in unserer Region leben, möchte ich gerne auf Schatzsuche gehen – Gottes Segen mitten unter uns entdecken.“ Für den Einführungsgottesdienst ist eine Mund-Nasen-Maske mitzubringen. red

Das Dekanat Nassauer Land

Das Dekanat Nassauer Land ist fast deckungsgleich mit dem Rhein-Lahn-Kreis, ausgenommen die Ortsgemeinde Arzbach. Im Osten gehört noch fast ein Dutzend Ortschaften des Westerwaldkreises hinzu, im Süden das hessische Lorch und Lorchhausen. Insgesamt gibt es im Dekanat 161 Ortsgemeinden und Städte, die an den beiden äußersten Enden etwa 80 Kilometer weit auseinanderliegen.

Das Dekanat, das vom Dekanatssynodalvorstand (DSV) mit Anja Beeres an der Spitze geleitet wird, nimmt überörtliche Aufgaben in den Bereichen Seelsorge, Kirchenmusik, der Kinder- und Jugendarbeit, Diakonie sowie Bildung, Gesellschaftliche Verantwortung, Öffentlichkeitsarbeit und Ökumene wahr. Eine professionelle Geschäftsführung verantwortet die Verwaltung von derzeit 19 Kindertagesstätten in Trägerschaft des Dekanats mit etwa 450 Beschäftigten. Sie werden derzeit von 1200 Kindern besucht. 33 Kindertagesstätten in evangelischer Trägerschaft gibt es insgesamt im Dekanat.

Das kirchliche Leben pulsiert an der Basis, in mehr als 50 evangelischen Kirchen-, Ortskirchen- und Gesamtkirchengemeinden, in denen derzeit 30 Pfarrpersonen Dienst tun. Dort engagieren sich ehrenamtlich regelmäßig mehr als 5000 Menschen in unterschiedlichsten Gruppen, in Kirchenvorständen, Ausschüssen, Chören, Gesprächskreisen, Kinder- und Jugendgruppen, Besuchsdiensten und anderen kirchlichen und diakonischen Arbeitsfeldern.

Rhein-Lahn-Zeitung Bad Ems
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