Archivierter Artikel vom 24.10.2021, 15:14 Uhr
Rhein-Lahn

Natur rund um Nassau: Einheimische Schlangen ziehen sich zur Winterruhe zurück

Die Körper- und vor allem Blutwärme der Reptilien ist abhängig von der Außenwärme, und dies gilt im Folgenden auch für die körperlichen Aktivitäten. Reptilien machen bei uns eine Winterruhe in frostsicheren Verstecken. Dabei werden Stoffwechsel und Aktivitäten stark gedrosselt. Dies gilt aber nicht für Reptilien in Südeuropa, wo höhere Temperaturen durchaus eine ganzjährige Aktivität ermöglichen.

Vor den Schlangen in unserer Region muss sich wirklich niemand fürchten. Keine von ihnen ist giftig und hat auch kein Interesse an Interaktionen mit dem Menschen. Hier zu sehen: eine Schlingnatter.
Vor den Schlangen in unserer Region muss sich wirklich niemand fürchten. Keine von ihnen ist giftig und hat auch kein Interesse an Interaktionen mit dem Menschen. Hier zu sehen: eine Schlingnatter.
Foto: Anne Neidhöfer

Unsere drei Schlangenarten haben alle Hornschuppen, sind scheu, reagieren gut auf Erschütterungen und werden zumeist nicht gesehen. Frühmorgens suchen sie oft Sonnplätze auf, und wenn sie „aufgeheizt“ sind, ist ihre Bewegungsgeschwindigkeit sehr hoch, und die Tiere verschwinden mit schlängelnder Bewegung.

In unserer Gegend und damit auch in Rheinland-Pfalz kommen drei Schlangenarten vor: Die Ringelnatter, die eine Länge von bis zu 1,60 Metern erreichen kann, ist dabei die häufigste Art, die auch in den vergangenen Jahren, aus welchen Gründen auch immer, häufiger beobachtet wurde. Die Grundfärbung ihrer Oberseite ist grau mit seitlichen schwarzen Flecken oder Streifen. Die hellgelben halbmondförmigen Flecken am Hinterkopf sind zudem ein gutes Artkennzeichen.

Eine Ringelnatter.
Eine Ringelnatter.
Foto: Anne Neidhöfer

Die meisten Ringelnatterbeobachtungen stammen von Tieren im oder am Wasser; es gibt aber auch Meldungen etwa von Waldwegen. Die Winterruhe dauert von September bis April. Die Art ist bei uns verbreitet. Über Bestandsentwicklungen lässt sich wenig sagen. Die Weibchen legen, oft mehrere Tiere zusammen, 6 bis 40 Eier pro Weibchen in Substrathaufen. Dort werden diese von der Sonne und der Zersetzungswärme ausgebrütet. Im September erscheinen die bleistiftgroßen Jungtiere. Zur Nahrung der Ringelnatter zählen Frösche, Kröten, Amphibienlarven, Fische, selten auch Mäuse oder Käfer.

Charakterart der Lahn und auch des Landes Rheinland-Pfalz ist die Würfelnatter. Sie kommt, da Wärme liebend, lediglich in den Flusstälern von Nahe, Mosel und Lahn an nur wenigen Plätzen vor. Bei uns sind das Lahnabschnitte am Hollerich Nassau-Obernhof, bei Nievern und Friedrichssegen. Die Wasserschlange frisst nur Fische, die sie im Wasser fängt. Ihre Grundfärbung ist grau-braun-beige mit dunklen Flecken, die vor allem bei schwimmenden Tieren als Würfelmuster erkennbar sind. Die Tiere können bis zu 100 Zentimeter lag werden und legen ihre Eier in Substrathaufen. Bleistiftgroße Jungtiere schlüpfen im September.

Eine Würfelnatter.
Eine Würfelnatter.
Foto: Anne Neidhöfer

Die versteckteste und mit maximal 70 Zentimeter kleinste Schlange unserer Region ist die Schling- oder Glattnatter. Sie wird selten gesehen. Die braun-graue Färbung hat zwei Reihen von dunklen Flecken und auf der Kopfoberseite eine herzförmige dunkle Zeichnung. Die Art wird öfters für eine Kreuzotter gehalten, die in Rheinland-Pfalz bisher noch nicht nachgewiesen wurde, weil auch diesbezügliche Lebensräume fehlen.

Schlingnattern sind von März bis Oktober aktiv. Ende August werden vier bis acht Jungtiere abgesetzt, die bis zu 15 Zentimeter lang sein können. Die Glattnatter ist lebend gebärend. Ihre Nahrung besteht aus Reptilien, vor allem Mauereieidechsen, aber auch Blindschleichen, Mäusen oder Käfern. Da sie sehr Wärme liebend ist, findet man die Tiere in Weinbergslagen, gern an Trockenmauern oder Steinschüttungen, aber auch in Steinbrüchen oder Mauern, selten sogar in Dörfern oder Städten. Alle unsere einheimischen Schlangenarten sind harmlos, nicht giftig und registrieren nahende Wanderer recht früh und verschwinden dann geräuschlos.