Nassau

Musik im alten Schwimmbecken: Lahnsin(n)fonie findet neuen Proberaum

Sorry, aber dieser Kalauer muss einfach sein: Eigentlich hätten sie hier Händels „Wassermusik“ spielen müssen. Das Blasorchester Lahnsin(n)fonie Nassau dachte aber nicht daran und nahm sich stattdessen das Werk „Cassiopeia“ aus der Feder des portugiesischen Komponisten Carlos Marqués vor die Brust, als es sich jüngst im Schwimmbad der Stiftung Scheuern zum Proben traf.

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Wo früher Wasser war und Schwimmer ihre Bahnen zogen, stimmen die Musiker des Nassauer Blasorchesters Lahnsin(n)fonie unter Leitung von Kay Gutjahr bei den Proben ihre Lieder an.
Wo früher Wasser war und Schwimmer ihre Bahnen zogen, stimmen die Musiker des Nassauer Blasorchesters Lahnsin(n)fonie unter Leitung von Kay Gutjahr bei den Proben ihre Lieder an.
Foto: Stiftung Scheuern

Das ist seit Jahren für den Badebetrieb stillgelegt, kommt jetzt aber unerwartet zu neuen Ehren: Da sie ihren bisherigen Probenraum wegen Eigenbedarfs nicht mehr nutzen konnten, fragten die Lahnsin(n)foniker vor dem Jahreswechsel bei der Stiftungsleitung an, ob es hier vielleicht eine Möglichkeit gebe. Die gab es: Nach kurzem Überlegen erinnerte man sich an das Schwimmbad und bot es dem Blasorchester als neues Quartier an.

Wo früher Wasserratten und Badenixen ihre Bahnen zogen, feilen jetzt also Flöten- und Trompetenspieler, Klarinettisten und andere Blasmusiker an musikalischen Finessen und Feinheiten. „Das leere Schwimmbecken ist ein prima Orchestergraben“, sagt Kay Gutjahr, der Dirigent der Lahnsin(n)fonie Nassau, schmunzelnd und fügt hinzu: „Wir sind der Stiftung Scheuern sehr dankbar, dass sie uns diesen Probenraum zur Verfügung stellt.“ Umgekehrt freut sich die Stiftung Scheuern, diese Musikerinnen und Musiker zum Proben beherbergen zu können – schließlich hat sich die Lahnsin(n)fonie Nassau seit ihrer Gründung im Jahr 2011 weit über die Grenzen der Freiherr-vom-Stein-Stadt hinaus einen hervorragenden Ruf erspielt.

Ob sie sich gerade auf ein Konzert vorbereitet? „Das tun wir im Prinzip immer, denn Konzerttermine können sich bei uns auch sehr kurzfristig ergeben“, antwortet Kay Gutjahr. Also nichts wie ran an die Probenarbeit: Mal gemeinsam, mal nach Instrumentengruppen getrennt wird mit Feuereifer an Einsätzen, Tonhöhen, Übergängen gefeilt, damit der richtige Sound voller Drive und Dramatik entsteht.

Schließlich dreht sich das sinfonische Gedicht „Cassiopeia“ um eine Figur aus der griechischen Mythologie, die verhängnisvolles Unheil nach sich zieht: Indem Cassiopeia behauptet, dass sie schöner als die Nymphen des Meeres sei, zieht sie den Zorn des Meeresgottes Poseidon auf sich, der Überschwemmungen über das Land schickt und das Meeresungeheuer Ketos auf die Menschheit loslässt – womit wir am Ende dann doch noch beim Wasser gelandet wären. red

Archivierter Artikel vom 20.01.2023, 19:00 Uhr