Archivierter Artikel vom 17.12.2021, 20:15 Uhr
Singhofen/Rhein-Lahn

Lange Schlange vor dem Weihnachts-Impfbus: Spontane Initiative stieß auf riesige Resonanz

An dem Willen, sich impfen zu lassen, mangelt es im Rhein-Lahn-Kreis nicht. Das bewies die Initiative von Olaf Spriestersbach aus Singhofen und des Omnibusunternehmens Modigell & Scherer, das mit seinem zum Weihnachts-Impfbus umfunktionierten Beförderungsgefährt in dieser Woche Station in Hahnstätten, Singhofen und Kamp-Bornhofen machte. Hunderte Impfungen wurden dort verabreicht. Unsere Zeitung war in Singhofen dabei.

Von Bernd-Christoph Matern

Lange Schlange in Singhofen vor dem weihnachtlichen Impfbus, der auch inHahnstätten und Kamp-Bornhofen insgesamt Hunderten Menschen den begehrten Piks ermöglichte.
Lange Schlange in Singhofen vor dem weihnachtlichen Impfbus, der auch inHahnstätten und Kamp-Bornhofen insgesamt Hunderten Menschen den begehrten Piks ermöglichte.
Foto: Bernd-Christoph Matern

Für 16 Uhr ist der in festlichem Glanz geschmückte Bus am Marktplatz in Singhofen angekündigt. Ein Teilstück der Mühlbachstraße wurde dafür gesperrt. Schon gegen 15 Uhr sind die ersten Impfwilligen unterwegs, stellen sich an, um bei den Ersten zu sein, die den Piks erhalten. Die Schlange wird länger und länger und länger. Lange vor dem eigentlichen Impfstart können die letzten auf dem Bürgersteig den Impfbus selbst gar nicht mehr sehen. Manch einer kehrt angesichts des Anblicks zu Fuß oder mit dem Auto um. Geduld ist gefragt an diesem Nachmittag.

Das evangelische Gemeindehaus steht offen, um die Formalitäten zu erledigen: persönliche Daten erfassen, den Impfpass abgeben; anschließend geht's zum Bus selbst, die beiden Impfärzte Dr. Hans Jaeger und Frank Abraham klären auf, dann folgt die Spritze und noch eine Ruhephase. Zirka zweieinhalb Stunden müssen sich die Menschen gedulden, bis sie an der Reihe sind.

„Ich stehe auf einer Warteliste bei unserem Arzt, aber wenn jetzt schon mal die Gelegenheit besteht, stelle ich mich gern an“, sagt eine der Wartenden. Einem anderen geht es ähnlich, der sich das Vakzin eigentlich im Impfzentrum in Lahnstein verpassen lassen wollte. „Was man hat, hat man“, schmunzelt er. „Wer weiß, wie lange überhaupt noch Impfstoff da ist“, begründet ein anderer sein geduldiges Anstehen.

Tina Heuser und Achim Scherer sind in Kostüme geschlüpft, nachdem sie ihren wundervollen Weihnachts-Impfbus unter dem Einrichdom geparkt haben. „Man muss die Leute ja etwas bei Laune halten“, sagt Heuser, als sie im leuchtenden Engel-Outfit den Wartenden Pralinen und Plätzchen anbietet; im Gemeindehaus gibt's zudem Glühwein. „Wenn man es nicht übertreibt, schadet das der Impfung nicht“, schmunzelt Frank Abraham.

Trotz aller konzentrierten Anstrengung: Im Impfteam als auch in der Schlange herrscht geduldige Gelassenheit. Aus Singhofen und vielen Nachbarorten kommen die Leute. In der überwiegenden Mehrheit lassen sie sich „boostern“, andere holen sich den zweiten Piks, etwa acht Prozent sogar die Erstimpfung.

Der Strom an Wartenden wird kaum kleiner; gegen 17 Uhr werden erste Neuankömmlinge gebeten, sich nicht mehr anzustellen, „sonst werden wir heute nicht mehr fertig“, sagt Olaf Spriestersbach, als nach 19 Uhr immer noch weitere Interessenten kommen. Der Inhaber der Firma ehnomed hatte die Idee zu dem außergewöhnlichen Impfangebot.

Das Busunternehmen aus Neuhäusel war mit seinem Weihnachtsbus zusammen mit der Singhofener Feuerwehr im Ahrtal, um den Menschen dort etwas Licht in dunklen Zeiten zu bescheren. Da kam Spriestersbach die Impfaktion in den Sinn. „Wenn im Land schon Impfbusse unterwegs sind, könnte man aus dem tollen Weihnachtsbus doch einen Weihnachts-Impfbus machen“, dachte er sich.

Er fand nicht nur im Busunternehmen selbst engagierte Mitstreiter, auch der DRK-Kreisverband zog mit. „Was da an Einsatz, Organisation und Vorbereitung dahintersteckt, sieht man hier gar nicht“, erzählt der leidenschaftliche Feuerwehrmann und Ersthelfer aus Singhofen. Etwa 20 Kräfte brauchte es, um die Aktion auf die Beine zu stellen und über die Bühne zu bringen; die mussten erst einmal gewonnen werden, um mitzumachen.

Und während die Leute in der Schlange nach spätestens drei Stunden mit einem Piks erlöst sind, tun die Freiwilligen bis etwa 21 Uhr immer noch ihren konzentrierten Dienst. Hinzu kommen die ganzen Formalitäten im Vorfeld, etwa um Straßen zu sperren, den Bus in dieser außergewöhnlichen Ausstattung über die Straßen rollen zu lassen und natürlich, um den Impfstoff für die drei Impf-Stationen zu besorgen.

Und schließlich müssen auch die ehrenamtlichen Helfer selbst mit Essen und Trinken versorgt werden, „damit sie durchhalten“, so Spriestersbach. Das alles sei viel Arbeit gewesen, habe aber reibungslos funktioniert dank der Kreisverwaltung, des DRK, über die Ortsgemeinden bis hin zu vielen Anpackern, die Genehmigungen erteilten oder sich für die Aktion einbrachten, damit möglichst vielen Impfwilligen ein zusätzliches Angebot gemacht werden konnte. Bis 21 Uhr hatten das allein in Singhofen 255 Menschen genutzt.