Archivierter Artikel vom 25.11.2021, 16:48 Uhr
Rhein-Lahn

Landeskirche verabschiedet Haushalt: EKHN holt 60 Millionen Euro aus Reserven

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) entscheidet am Freitag auf ihrer Onlinetagung über den Haushalt für das Jahr 2021. Der Entwurf sieht laut einer Pressemitteilung der Landeskirche für das kommende Jahr Gesamtaufwendungen in Höhe von rund 710 Millionen Euro (2021: 703 Millionen Euro) vor und muss dabei auf Rücklagen zurückgreifen.

Auf ihre Rücklagen muss die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zurückgreifen, um ihre geplanten Aufwendungen decken zu können.
Auf ihre Rücklagen muss die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zurückgreifen, um ihre geplanten Aufwendungen decken zu können.
Foto: Bernd-Christoph Matern

Für die Arbeit auf Gemeinde- und Dekanatsebene sind demnach im neuen Etat mehr als 346 Millionen Euro eingeplant. Über 50 Millionen Euro an Eigenmitteln sind unter anderem für die Arbeit in Kindertagesstätten vorgesehen. Für das Handlungsfeld Bildung sind mehr als 33 Millionen Euro veranschlagt. Für den Erhalt der Gebäude sind fast 42 Millionen Euro Zuweisungen eingeplant. Den größten Einzelposten bilden die Personalkosten mit mehr als 327 Millionen Euro. Für 2022 werden in dem neuen Haushalt rund 515 Millionen Euro an Kirchensteuern prognostiziert (2021: 505 Millionen).

Nach Worten des hessen-nassauischen Finanzdezernenten und Leiters der Kirchenverwaltung, Heinz Thomas Striegler, will der Haushaltsentwurf 2022 strukturelle Ausweitungen vermeiden, sei aber noch kein „Sparhaushalt“ auf dem Weg ins Jahr 2030, sondern einer „mit hohem Defizit“. Die EKHN hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Ausgaben in acht Jahren um jährlich 140 Millionen Euro gegenüber dem Basisjahr 2020 zu senken. Im aktuellen Budget mussten fast 60 Millionen Euro aus Rücklagen entnommen werden, um das Bilanzergebnis ausgleichen.

Hauptgrund sei die bereits jetzt im Haushalt einberechnete Kapitaldeckung der Rückstellungen beispielsweise für die Altersversorgung der Zukunft. Der aktuelle Haushalt sei damit „ein Baustein auf dem Weg zu einem generationengerechten Haushalt“. Striegler: „Wir sollten nicht aus den Augen verlieren, dass nur ein ausgeglichenes Jahresergebnis einschließlich der in dem Jahr erforderlichen Rückstellung für Versorgung und Beihilfe generationengerecht ist. Wir sollten auch der Generation nach uns die Chance einräumen, Kirche gestalten zu können.“

Im Rückblick auf das vergangene Jahr hat die Corona-Krise im Budget weniger Schaden angerichtet als zunächst befürchtet. Der Nachtragshaushalt von 2020 ging von 480 Millionen Euro Einnahmen aus der Kirchensteuer aus. Am Ende wurden es 515 Millionen Euro. Auch das laufende Jahr 2021 könnte mit rund 520 bis 530 Millionen Euro Kirchensteuern enden, statt der im Haushalt prognostizierten 505 Millionen Euro. Dennoch besteht nach Worten von Heinz Thomas Striegler kein Grund zur großen Freude: Denn auch dann verbleiben nach seinen Worten „zweistellige Millionenbeträge im negativen Jahresergebnis“.

Der komplette Haushalt kann im Internet eingesehen werden: www.kirchenrecht-ekhn.de/