Bad Ems

Forscher gibt in Vortrag interessante Einblicke: Über die Geschichte der Bad Emser Kurmusik

Schon häufiger stand die Bad Emser Kurmusik im Mittelpunkt der regionalen Geschichtsforschung. Meistens ging es um die „Stars“ der Musikszene des 19. Jahrhunderts. Professor Axel Beer aus Mainz hatte jetzt mit seinem Vortrag „Keine Kuren ohne Musik“ allerdings den Fokus auf die weniger spektakuläre Unterhaltungsmusik gerichtet.

Von Andrea Schneider

Reger Betrieb herrschte im 19. Jahrhundert im Kurviertel von Bad Ems. Die Musik, die von Kapellen gespielt wurde, war stets präsent.
Reger Betrieb herrschte im 19. Jahrhundert im Kurviertel von Bad Ems. Die Musik, die von Kapellen gespielt wurde, war stets präsent.
Foto: Archiv Axel Beer

Jenny Lind und Clara Schumann, Charles de Bériot, Giacomo Meyerbeer, Jacques Offenbach, Richard Wagner und Carl Maria von Weber – sie alle waren hier. Einerseits zum Kuren, aber auch, um im festlichen Marmorsaal am Abend zu brillieren und sich dabei feiern zu lassen. Über den musikalischen Alltag hingegen während der Kur ist wenig bekannt. Dabei waren die Musik- und Militärkapellen ein ganz wichtiges Medium.

Es waren keine Konzerte, denen man still sitzend beiwohnte und aufmerksam lauschte, nein, es war die Hintergrundmusik, die die Gäste während des Promenierens und Brunnentrinkens unterhalten und in angenehme Stimmung versetzen sollte. Die Kapellen waren zunächst mit wenigen böhmischen Musikern besetzt – Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Kapelle dann bis zu 80 Mitglieder und verfügte über ein erstaunlich reichhaltiges musikalisches Repertoire auf hohem Niveau.

Das Publikum erhielt eine umfangreiche und professionelle Versorgung in Sachen musikalischer Unterhaltung während seines täglichen Schaulaufens auf dem Basar der Eitelkeiten. Man spielte Tänze, Polka, Operettenmelodien oder Märsche, während die Gäste plaudernd und tratschend mit ihrem Badeglas wandelten. Nur das gerade „Angesagteste“ war gut genug. Die Einträge in den Kurlisten sowie Zeitungen geben einen guten Einblick in das tägliche Musikangebot. Natürlich gab es auch eigene Kompositionen. Etliche wurden sogar bestimmten hochgestellten Persönlichkeiten, die gerade in Ems zur Kur weilten, gewidmet, wie z.B. die Ida-Polka. Sie war der Fürstin Ida von Schaumburg-Lippe zugedacht.

Besonders eindrücklich ist die Lithografie des englischen Malers George Barnard, welche der Referent für seinen Vortrag gekonnt als „historisches Wimmelbild“ ausschlachtete: In etlichen Detailausschnitten ließ er den Zuhörer in eine völlig andere Zeit eintauchen und für kurze Zeit die Atmosphäre der Morgenpromenade vor dem Kurhaus mit seinem Musikpavillon schnuppern.

Viele Musikstücke sind in Vergessenheit geraten

Viele der damaligen Musikstücke allerdings sind leider völlig in Vergessenheit geraten und die Partituren in irgendwelchen Archiven verschwunden. Auch die Namen der Kapellmeister, die eine qualitativ hochwertige Unterhaltung zu verantworten hatten, sind dem Vergessen anheimgefallen. Wer kennt schon die Namen Joseph Roleder, Anton Kliegl, Johann Sebastian Weigand, Adolf Hempel und Louis Keiper – sie alle hat der Ruhm der „großen Meister“ unsichtbar gemacht, und ihre Musik verschwand in diversen Archiven.

Beer und seine Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte e.V. – Musikgeschichte am Mittelrhein hat es sich zur Aufgabe gemacht, eben diesen musikalischen Schatz zu heben und ist auf Spurensuche gegangen. Mit sehr viel Forscherdrang und Akribie haben er und sein Team viele Archive besucht, Kontakt zu Musikverlagen aufgenommen, Briefe und Kurlisten ausgewertet, um im Jahr 2017 ein erstes lexikalisches Nachschlagewerk zur Musik am Mittelrhein zu erstellen.

Dem Referenten gelang eine Präsentation, die mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde. Seine lockere Erzählweise und das aufschlussreiche Bildmaterial ließen die Kurpromenade des 19. Jahrhunderts lebendig werden. Die umfangreichen Recherchen stellen für Bad Ems mit der neuen Internetseite einen Fundus für weitere Informationen auf.

Weitere Infos in Internet unter www.mugemir.de