Mittelrhein

Folgen des Kestertunglücks: Wie wäre ein Leben ohne Bahnlärm am Rhein?

Das jüngste Unglück, der Felssturz bei Kestert, zeigt den Bürgern am Rhein, wie es sein könnte. Zumindest den Bewohnern der rechten Seite des Flusses: Die Bahnstrecke ist aktuell noch gesperrt, Züge fahren hier nicht, der Bahnverkehr wird auf die linke Rheinseite umgeleitet. Am rechten Ufer bleibt der Bahnlärm vorerst aus. Das Bürgernetzwerk Pro Rheintal bittet laut eigener Pressemeldung die Anwohner im Rheingau und auf der rechten Rheinseite des Oberen Mittelrheintals unter www.pro-rheintal.de (Forum – Beitrag senden) zu berichten, welche positiven Effekte ein Leben ohne Bahnlärm für sie hat.

Das Rheintal ohne Bahnlärm? Wie das sein könnte, erleben zwar nicht die Bewohner von St. Goar (Foto), aber doch die Bewohner der rechten Seite des Rheins, wo die Bahnstrecke aufgrund des Felssturzes bei Kestert noch gesperrt ist. Pro Rheintal sammelt jetzt Erfahrungsberichte.
Das Rheintal ohne Bahnlärm? Wie das sein könnte, erleben zwar nicht die Bewohner von St. Goar (Foto), aber doch die Bewohner der rechten Seite des Rheins, wo die Bahnstrecke aufgrund des Felssturzes bei Kestert noch gesperrt ist. Pro Rheintal sammelt jetzt Erfahrungsberichte.
Foto: Pro Rheintal

Schläft man besser? Gibt es weniger gesundheitliche Probleme? Ist man entspannter? Diese und andere Effekte aufgrund der Ausnahmesituation nach dem Hangrutsch bei Kestert interessieren das Bürgernetzwerk, das gerade dabei ist, in einem „Bahnlärmbuch“ die Ergebnisse der Betroffenheitsumfrage der vergangenen Jahre zusammenzufassen.

Pro-Rheintal-Vorsitzender Frank Gross dazu: „Wer hier am Rhein Politik machen will, sollte eine Perspektive für die Zukunft entwickeln. Noch mehr Verkehr durch Bahn, Flugzeuge, Automobile und Schiffe ist sicher nicht der richtige Weg in die Zukunft. Die natur- und kulturreichen Regionen von Rheingau und Mittelrhein bieten ähnlich wie das Silicon Valley einen idealen Wohn- und Arbeitsraum für die Aufgaben des 21. Jahrhunderts – wenn nur der unnötige Bahnlärm nicht wäre. Wir sehen gerade, wie das Ruhrgebiet nach einem Jahrhundert industrieller Verwüstung wieder renaturiert wird, um als Lebensraum für eine nachhaltige Wirtschaft dienen zu können. Wie können wir da zusehen, wie eine der schönsten und kulturreichsten Regionen der Welt zu einem Frachtkanal umfunktioniert wird?“

Oben auf den Bergen hätte man Platz für Industrie und Produktion und könnte unten im Tal Lebensräume bieten, wie man sie sich schöner nicht ausdenken könne. Gerade der Tourismus sei eine der zukunftsträchtigsten Branchen, dessen Umsätze auf viele Bereiche von Handwerk und Handel ausstrahlen und für Beschäftigung und Kaufkraft sorgen, so Gross.

„In Kombination mit Winzern, Gastronomie und Hotellerie kann das Rheintal auch im 21. Jahrhundert seinem weltweit guten Ruf gerecht werden. Nicht umsonst sind wir ein Erbe der Menschheit mit Unesco-Prüfsiegel.“

Ruhe zur Entspannung, gute Luft und sauberes Wasser seien neben all den attraktiven Natur- und Kulturangeboten der Regionen die Grundvoraussetzungen für den Erfolg. Die Klimaveränderung zeige, welche Bedeutung zukünftig jedem Baum und jedem Strauch zukomme. „Renaturieren statt zubetonieren“ sei das Gebot der Stunde. „Denn die Kraft und Energie, die man braucht, um den hohen Anforderungen der Zukunft gewachsen zu sein, setzen voraus, dass man gesund leben und gut schlafen kann.“

Dass wir als Exportnation für eine nachhaltige Industrie Verkehrswege brauchen, sei allen klar. Doch Mobilität sei nicht mit Verkehr gleichzusetzen. Corona zeige, wie viel Verkehr eingespart werden kann, wenn man sich neuer digitaler Techniken bediene. Der Gütertransport könne sehr viel sinnvoller organisiert werden, wenn der Verbrauch von Luft, Ruhe und anderen Allgemeingütern denjenigen berechnet würde, die davon profitieren.

Diese wiederum bräuchten ja nur zu sehen, dass Fahrzeuge und Schienenwege in einem ordnungsgemäßen Zustand seien – dann wäre auch der Lärm erträglich. Bis dahin müssten Rheintal und Rheingau zur Bahn-Lärmschutzzone erklärt werden, in der Tempolimits und Nachtfahrverbote gelten. Das sei aus Sicherheits- wie aus Lärmschutzgründen unerlässlich, so der Sprecher von Pro Rheintal.

Weitere Infos gibt es bei Pro Rheintal, Frank Gross, Tel.06742/801 06 90, E-Mail an info@pro-rheintal.de