Archivierter Artikel vom 18.05.2022, 18:00 Uhr
Winden

Favorisierter Standort für Winden nicht willkommen: Forstamt sieht Fotovoltaikanlage kritisch

Ortsgemeinde Winden favorisiert für die Anlage das Gelände an der Kita, das offiziell als Waldfläche ausgewiesen ist. Das Forstamt Lahnstein als auch die Kreisverwaltung in Bad Ems sehen das allerdings kritisch.

Mit „Willkommen in Winden“ werden Neuankömmlinge am Ortseingang begrüßt. Für die Fotovoltaik gilt dieser nette Gruß nicht unbedingt – zumindest was den favorisierten Standort angeht. Foto: Markus Eschenauer
Mit „Willkommen in Winden“ werden Neuankömmlinge am Ortseingang begrüßt. Für die Fotovoltaik gilt dieser nette Gruß nicht unbedingt – zumindest was den favorisierten Standort angeht.
Foto: Markus Eschenauer

Stabile Strompreise, Planungssicherheit, genügend Kapazitäten für alle Windener Haushalte, wirtschaftlicherer Betrieb von Wärmepumpen zur Gebäudeheizung: Die Fotovoltaikanlage hätte viele Vorteile für die Ortsgemeinde Winden und ihre Bürger, vor allem auf der vom Gemeinderat favorisierten Fläche oberhalb der neuen Kita. Entsprechend wenig schmeckt den Beteiligten, dass sowohl das Forstamt Lahnstein als auch die Kreisverwaltung in Bad Ems dem Vorhaben kritisch gegenüber stehen. In einer Pressemitteilung erklärt die Ortsgemeinde die Zusammenhänge.

Gewerbegebiet geeigneter?

Bei der ersten Sitzung des Energie- und Klimaausschusses resümierte Ortsbürgermeister Gebhard Linscheid zunächst, wie es überhaupt zu dem Beschluss gekommen war. Ausgangspunkt sei, dass die Gemeinde Winden über einen Hektar voll erschlossenes Gewerbegebiet verfügt, das seit bereits sechs Jahren brachliegt. Bei einer Ortsbesichtigung mit Fachleuten sei das Gewerbegebiet für die Errichtung einer Flächen-Fotovoltaikanlage als geeignet angesehen worden, zumal hier Baureife vorliegt.

Darüber hinaus wurde auch die nach Windwurf und Borkenkäferbefall nicht mehr vorhandene gemeindeeigene Waldfläche oberhalb der neuen Kita besichtigt. Aufgrund ihrer Lage und Sonnenausrichtung wurde sie als der bessere Standort angesehen. Der Gemeinderat hatte daher beschlossen, die früheren Waldflächen als Plan A zu favorisieren und das Gewerbegebiet als Plan B zu betrachten.

Allerdings stehen das Forstamt Lahnstein und die Kreisverwaltung Bad Ems dem Vorhaben kritisch gegenüber, heißt es in der Pressemeldung. Denn die Forstverwaltung betrachte die Fläche nach wie vor als Waldgebiet und weigere sich, diese in eine Acker- oder Wiesenfläche umzuwidmen. Eine Sichtweise, die für die Ortsgemeinde nicht nachvollziehbar sei, so Linscheid.

Belange des Naturparks berücksichtigen

Denn hier sei kein Wald mehr vorhanden, sondern lediglich Buschwerk. Auch müsste die Fläche im Falle einer Wiederaufforstung vollständig von dem jetzigen Bewuchs befreit und vorbereitet werden. Des Weiteren habe der Vertreter der Kreisverwaltung darauf verwiesen, dass eine vereinfachte raumordnerische Prüfung nicht infrage komme, da diese nur für die gesamte Verbandsgemeinde vorgesehen sei. Dieses Verfahren benötige allerdings Zeit. Weiterhin wurde in dem Gespräch angemerkt, dass das Gebiet in der Kernzone des Naturparks Nassau liegt, dessen Belange berücksichtigt werden müssten.

Weder Ausschussmitglieder noch die anwesenden Zuhörer zeigten Verständnis für die Sicht des Forstamts. Hier werde ein Projekt der Ortsgemeinde, das sich durchaus als „Leuchtturm“ für die Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu nachhaltiger Energiegewinnung eigne, durch bürokratische Hindernisse gefährdet.

Wirtschaftlichkeitsberechnung angedacht

Als weitere Vorgehensweise wurde vorgeschlagen, die Bürger schnell und umfassend zu informieren, Fachleute des Städte- und Gemeindebunds einzuladen und auch mit Betreibern solcher Anlagen zu sprechen. Großkonzerne sollten dabei nicht zum Zuge kommen, vielmehr soll das Projekt in den Händen der Ortsgemeinde unter Beteiligung der Bürger bleiben. Als mögliche Betriebsform wurde in der Sitzung eine Genossenschaft vorgeschlagen. Trotz derzeitiger Behördenbedenken soll das Projekt weiter verfolgt und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für Winden erstellt werden.

Neben den bereits erwähnten Vorteilen für die Windener Bevölkerung sei das Vorhaben auch unter dem Gesichtspunkt des zeitnahen Einbauverbotes von Ölbrennern 2025 sowie der Aufbau von Ladestationen für E-Autos zu sehen.

Zahlen zur Flächen-Fotovoltaikanlage

Nach Gebhard Linscheids Angaben ist die Fläche oberhalb der Kita fünf Hektar groß. Dort könnte eine Modulfläche von etwa 13 000 Quadratmetern errichtet werden. 6800 Module könnten eine PV-Generatorleistung von rund 2620 kWp erzeugen.

Der prognostizierte Ertrag läge bei einer Netzeinspeisung von rund 2,733 Millionen Kilowattstunden (KWh), der Jahresertrag etwa 1043 KWh. CO2-Emissionen von rund 1,285 Millionen Kilogramm pro Jahr würden vermieden.

Die Investitionskosten betragen 2,070 Millionen Euro, die frei finanziert werden müssen. Erwartet wird eine Gesamtkapitalrendite von 2,28 Prozent. Die Amortisationsdauer beträgt 22,5 Jahre. Die Stromgestehungskosten liegen bei 3 Cent/kWh bei Volleinspeisung. Eine Netzeinspeisung wäre direkt möglich. Des Weiteren wäre durch den Hochbehälter die Möglichkeit gegeben, in Verbindung mit der Flächen-Fotovoltaikanlage grünen Wasserstoff zu generieren und diesen bis zu einem gewissen Prozentsatz in das Erdgasnetz einzuleiten.

Rhein-Lahn-Zeitung Bad Ems
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