Bogel

Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister: Felix Plies vom Birkenhof in Bogel schließt als Landesbester ab

„Das waren zwei stramme Winter“, sagt Felix Plies über die Zeit, in der er sich auf die Prüfung als Landwirtschaftsmeister vorbereitet hat. Wenn man so wolle, habe der Meisterkurs unter dem Motto „Entweder du willst, oder du gehst“ gestanden. Um es kurz zu machen: Felix Plies wollte nicht nur, sondern konnte auch sehr gut: Der 25-jährige Bogeler hat die Prüfung als Landesbester bestanden. Ein Porträt.

Von Ulrike Bletzer

Felix Plies in seinem Element – oder anders gesagt, in seinem Stall. Der Bogeler hat die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister als Landesbester abgelegt.
Felix Plies in seinem Element – oder anders gesagt, in seinem Stall. Der Bogeler hat die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister als Landesbester abgelegt.
Foto: Ulrike Bletzer

Dafür wurde Plies vor Kurzem zusammen mit 66 weiteren Meistern, Fachwirten und Fortbildungsabsolventen unterschiedlichster Fachrichtungen, die rheinlandpfalz-weit die Nase vorne hatten, von Wirtschaftsministerin Daniela Schmidt mit dem Landesbestenpreis ausgezeichnet.

Lieber als über die Feier in Mainz spricht er allerdings über die Freude an seinem Beruf, die ihn bereits im Kindesalter gepackt und seither offensichtlich nie wieder losgelassen hat. Die Großeltern waren es, die einst in Bogel einen landwirtschaftlichen Betrieb gründeten und 1968 auf einen Aussiedlerhof umzogen: den Birkenhof, den später Felix Plies‘ Eltern übernahmen und der längst auch für ihn selbst zur beruflichen Heimat geworden ist.

„Die Arbeit mit den Tieren, das ist einfach unser Leben“, sagt er. 70 Milchkühe und noch einmal so viele weibliche Nachkommen leben aktuell auf dem Birkenhof. Nicht ungewöhnlich in der Milchviehwirtschaft, aber trotzdem bemerkenswert: Felix Plies kennt nicht nur jede der 70 vierbeinigen Damen mit Namen, sondern weiß auch eine Geschichte über sie zu erzählen. „Unsere Kühe sind Nutztiere, sie bilden unsere Existenzgrundlage“, sagt er zwar. Aber: „Das ändert nichts daran, dass sie es hier so gut wie möglich haben sollen.“ Man lege großen Wert auf das Tierwohl, wozu beispielsweise gehöre, dass die Kühe hinter dem Stall einen Auslauf und im Sommerhalbjahr mindestens acht Stunden täglich Weidegang haben.

Logisch, dass die Arbeit auf dem Hof, dessen zweites Standbein der Anbau von Gerste, Weizen und Raps ist, niemals ausgeht. Felix Plies, seine Eltern Torsten und Beate und seine Frau Anne, selbst gelernte Landwirtin, teilen sich die Aufgaben untereinander auf.

Genauso logisch ist aber auch, dass der Hof ohne solide betriebswirtschaftliche Kenntnisse eher früher als später vor die Wand fahren würde – für Felix Plies der entscheidende Grund, weshalb er nach der Ausbildung zum Landwirt, die er auf drei verschiedenen Fremdbetrieben absolvierte („Mein vierter Lehrer war aber immer mein Vater“), einer halbjährigen Übergangszeit, in der er via „Work and Travel“ in Neuseeland unterwegs war („Die Landwirtschaft dort unterscheidet sich fundamental von dem, was wir hier gewohnt sind“) und der Weiterbildung zum „Staatlich geprüften Wirtschafter Fachrichtung Landbau“ beschloss, den Landwirtschaftsmeister draufzusatteln.

„In der letzten Klausur hatte ich sogar nur eine Vier. Da hatte ich einfach etwas Wichtigeres im Kopf.“

Obwohl er Landesbester ist, gab es für Felix Plies nicht in allen Prüfungen eine Eins. Doch dafür gab es einen guten Grund.

Jetzt hat der Birkenhof mit Torsten und Felix Plies also zwei Landwirtschaftsmeister und zwei Betriebsleiter, die zusammen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts führen. „Wir treffen die Entscheidungen aber gemeinsam in der Familie“, stellt der Junior klar.

Sehr viel gerechnet habe er im Meisterkurs, der sich als Vollzeitunterricht über zwei Winter hinweg jeweils von Anfang November bis Ende März erstreckte, erzählt Felix Plies: „Zum Beispiel, wie sich diese oder jene Maßnahme auf die Ausgaben- und Einnahmenseite eines landwirtschaftlichen Betriebs auswirken würde.“

Dazu galt es unter anderem, zwei Projektarbeiten zu schreiben: „Die eine beinhaltete die betriebswirtschaftliche Analyse des Ist-Zustands mit anschließender Entwicklung von zwei Zukunftsmodellen.“ Keine graue Theorie, wie insbesondere das Zukunftsmodell „Betriebserweiterung auf 130 bis 140 Milchkühe“ bewies: „Das hätte sich gerechnet“, sagt Felix Plies und fügt mit Blick auf die Tatsache, dass der alte Kuhstall, in dem inzwischen die Jungtiere leben, stramme 30 Jahre auf dem Buckel hat, hinzu: „Wenn ich Anfang 30 bin, möchte ich den neuen Stall zumindest geplant haben.“

Auch die zweite Projektarbeit über einen mehrmonatigen Fütterungsversuch habe sich als echte Entscheidungshilfe für den durchschnittlich zehnstündigen Arbeitsalltag auf dem Birkenhof erwiesen, berichtet Felix Plies, der in seiner nicht allzu üppig bemessenen Freizeit nicht nur gerne mal mit Freunden ein Bierchen trinkt, Fahrrad fährt und in unregelmäßigen Abständen auf die Jagd geht, sondern auch im Jugendbeirat einer Molkereigenossenschaft sowie im Vorstand der Landjugend aktiv ist.

Und freimütig einräumt, dass er – Landesbester hin oder her – längst nicht alle Prüfungen mit einer glatten Eins gemeistert hat. „In der letzten Klausur hatte ich sogar nur eine Vier“, sagt er und erzählt, dass am Tag zuvor Töchterchen Tilda, heute ein Jahr alt, auf die Welt gekommen war: „Da hatte ich einfach etwas Wichtigeres im Kopf.“ Zu einem Notendurchschnitt von 1,55 gereicht hat es auch so.

Keine Frage: Das schlechte Image der Landwirtschaft lässt Familie Plies nicht kalt. „Manche sehen in uns Landwirten Brunnenvergifter und Tierquäler und kritisieren zugleich, dass wir die Kühe nicht mehr von Hand melken, sondern, wie jede andere Branche auch, unsere Betriebe modernisieren“, beobachtet Torsten Plies, während sein Sohn zu bedenken gibt: „Es ist falsch, sich komplett von ausländischen Lebensmitteln abhängig zu machen. Schließlich ist die deutsche Landwirtschaft weltweit die modernste und nachhaltigste, und die Ernährungssicherheit ist der Garant für die Fortführung des Wohlstands in Deutschland.“

Aber auch wenn es weiß Gott nicht immer einfach ist, Landwirt zu sein, bekräftigen die beiden: „Wenn wir die Kälbchen wachsen und gedeihen sehen oder auf dem Acker die frische Erde riechen, wissen wir, dass wir den richtigen Beruf haben.“