Archivierter Artikel vom 05.05.2022, 15:38 Uhr
Kisselbach

Zwangspause endlich vorbei: Pilger machen sich in Kisselbach auf den Weg

„Was haben der Weltjugendtag in Lissabon und die Waldkapelle in Kisselbach gemeinsam?“, fragt die Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen.

Über die Jahre hat sich die Waldkapelle bei Kisselbach zu einem Pilgerort entwickelt. Nach zweijähriger Pause starten nun auch wieder die Lichterprozessionen zur Kapelle.  Foto: Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen
Über die Jahre hat sich die Waldkapelle bei Kisselbach zu einem Pilgerort entwickelt. Nach zweijähriger Pause starten nun auch wieder die Lichterprozessionen zur Kapelle.
Foto: Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen

Und gibt auch gleich die Antwort: Beide stehen unter dem Patronat „Unserer Lieben Frau von Fatima“, den Marienerscheinungen von 1917 des bekannten portugiesischen Wallfahrtsortes. Während die jugendlichen Pilger aus aller Welt noch ein Jahr warten müssen – das internationale Jugendtreffen der katholischen Kirche wurde wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben –, können die Hunsrücker Pilger ab 13. Juni wieder zu ihrer Waldkapelle mit Kerzen und Gebeten pilgern. Vor Corona nahmen Hunderte Gläubige an den traditionellen Lichterprozessionen von Mai bis Oktober zur Waldkapelle Kisselbach teil.

Normalerweise startet die Vorbereitung auf die Wallfahrtssaison schon Anfang des Jahres. Prediger, Musikvereine und Chöre müssen angefragt werden, ob sie die Lichterprozessionen mitgestalten können. Am Jahresprogramm muss noch gefeilt werden: „Wir sind aber froh, dass es endlich wieder losgehen kann“, bestätigt Pfarrer Thomas Schneider. „Wenigstens konnten wir letztes Jahr zumindest die Heilige Messe an der Waldkapelle feiern“, sagt der Rheinböllener Pfarrer, der auch zuständig für Kisselbach ist.

Viele Opferkerzen angezündet

Zwischendurch kamen aber immer viele Pilger, Wanderer und Gläubige vorbei. Dies bestätigt auch Lucia Schorn, die zusammen mit ihrem Mann Lothar die Lichterprozessionen organisiert und auch für die Pflege der Waldkapelle verantwortlich ist. „Gerade während der Corona-Pandemie, aber auch jetzt durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, wurden besonders viele Opferkerzen an der Waldkapelle angezündet. Dies zeigt, dass die Menschen solche Orte brauchen in dieser trostlosen Zeit“, sagt sie.

Die Eröffnung des Marienmonats Mai fand traditionell mit einer Messe an der Waldkapelle statt. Auch am Freitag, 13. Mai, wird noch nicht zur Waldkapelle gepilgert, stattdessen findet eine Heilige Messe um 18.30 Uhr an dem Marienheiligtum im Kisselbacher Wald statt. Doch am Montag, 13. Juni, sollen die Lichterprozessionen wieder losgehen. Begonnen wird dann mit der Feier der Heiligen Messe in St. Apollonia in Kisselbach, anschließend pilgern die Gläubigen mit brennenden Kerzen und Gebeten zur Waldkapelle. Dort hören sie die Predigt, ehe sie in die Kisselbacher Kirche zurückkehren, um dort den eucharistischen Segen zu empfangen.

Prozession immer am 13. des Monats

Dass die Lichterprozessionen in normalen Zeiten immer an einen 13. stattfinden, geht auf die Marienerscheinungen im portugiesischen Fatima zurück. Vom 13. Mai bis zum 13. Oktober 1917 offenbarte sie den drei Hirtenkindern Lúcia dos Santos und den Geschwister Jacinta und Francisco Marto drei Geheimnisse. Diese werden als der Zweite Weltkrieg, der Beginn der kommunistischen Herrschaft in Russland und das Papstattentat vom 13. Mai 1981 interpretiert.

Seit diesen Erscheinungen wird Maria als die Königin des Friedens verehrt. So entstand aus kleinen Anfängen im Laufe der Jahre am Waldrand von Kisselbach eine Gnadenstätte, das Marienheiligtum der Waldkapelle. Am Ende des Zweiten Weltkrieges hat ein Soldat an einer Buche am Waldrand von Kisselbach ein kleines Marienbild angeheftet mit der Unterschrift: „Maria hat mir auf wundersame Weise geholfen.“ Er wollte mit diesen wenigen Worten seine Dankbarkeit, dass er überlebt hat, gegenüber Maria zum Ausdruck bringen. Seit dieser Zeit pilgerten Sonntag für Sonntag viele Gläubige von Kisselbach und der Umgebung zu dem Marienbild, um in den schweren Zeiten nach dem Kriege für die Gefallenen, Vermissten und deren Angehörige zu beten.

Erstaunlicher Erfolg

Bei der Markusprozession 1946 wurde das Marienbild kirchlich gesegnet. Der damalige Pfarrer Gregor Csoti trug sich mit dem Gedanken, an dieser Stelle ein Marienheiligtum zu errichten. Am 8. Dezember 1953, bei Beginn eines marianischen Jahres, teilte er seine Absicht der Kirchengemeinde mit. Der Erfolg war erstaunlich. Die Zivilgemeinde schenkte der Kirchengemeinde das Grundstück, die Gläubigen spendeten innerhalb von zwei Monaten mehr als 5000 DM.

So konnte das Marienheiligtum am Feste Christi Himmelfahrt, am 27. Mai 1954, eingeweiht werden. Seit der Weihe des Heiligtums wird während des Sommers am 13. des jeweiligen Monats eine Lichterprozession mit Predigt und Andacht an der Kapelle gehalten. Hunderte Gläubige aus der näheren und weiteren Umgebung nehmen daran teil. Auch hohe Würdenträger – etwa der inzwischen verstorbene Trierer Bischof Dr. Hermann Josef Spital (1986), Kardinal Reinhard Marx (2004) und Weihbischof Jörg Michael Peters (2014). Auch Bischof Stephan Ackermann (2017) und dessen Generalvikar, Ulrich Graf von Plettenberg (2018), haben an der Lichterprozession teilgenommen.

So wurde aus dieser kleinen Kapelle ein bedeutender Wallfahrtsort. Kisselbach wird daher von vielen auch als das Lourdes des Hunsrücks bezeichnet. Die Verbindung zu dem französischen Wallfahrtsort zeigt sich besonders darin, dass in dem neu gestalteten Altar in der Kirche St. Apollonia in Kisselbach ein Stein aus der weltberühmten Mariengrotte aus Lourdes eingemauert ist. red

Infos zur Kapelle gibt es bei Lucia Schorn unter Tel. 06766/408 oder unter www.pfarreiengemeinschaft-rheinboellen.de