Archivierter Artikel vom 29.04.2019, 17:18 Uhr
Holzfeld

Werbung für kreatives Denken: Erfinder sind alles andere als Spinner

Dass Hans-Peter Strunk aus Holzfeld ein kreativer Kopf ist, beweist der 70-Jährige mit seinen zahlreichen Erfindungen immer wieder. Und die werden häufig auch mit Medaillen ausgezeichnet – etwa mit Preisen beim Ideenwettbewerb Rheinland-Pfalz oder wie kürzlich mit Auszeichnungen auf der IENA, der Internationalen Fachmesse für Ideen, Erfindungen und Neuheiten in Nürnberg (wir berichteten). Sein multifunktionaler Koffer, der sich im Handumdrehen in eine Liege oder einen Schreibtisch umbauen lässt, war der Jury im vergangenen Jahr eine Bronzemedaille wert. Natürlich freut das den Tüftler sehr. Dennoch ist Strunk nach wie vor der Meinung: Den Erfindern in Deutschland fehlt es an Lobby und Anerkennung. Darauf möchte er nun in besonderer Weise aufmerksam machen. Und das nicht mit noch mehr Erfindungen, sondern mit Karikaturen. Denn zeichnen kann der 70-jährige Holzfelder auch noch.

Von Charlotte Krämer-Schick
Wenn Hans-Peter Strunk gerade mal nicht in seiner Holzfelder Werkstatt an seiner neuesten Erfindung bastelt, greift er gerne mal zu Papier und Stift. Entstanden sind so nahezu 200 Karikaturen, die der Tüftler gerne drucken lassen würde. Foto: Charlotte Krämer-Schick
Wenn Hans-Peter Strunk gerade mal nicht in seiner Holzfelder Werkstatt an seiner neuesten Erfindung bastelt, greift er gerne mal zu Papier und Stift. Entstanden sind so nahezu 200 Karikaturen, die der Tüftler gerne drucken lassen würde.
Foto: Charlotte Krämer-Schick

„Stimmt's, dass man mit einer Erfindung Millionär werden kann?“, fragt Pappnase mit ihrer roten Nase aus Pappe im Gesicht. Spürnase weiß darauf natürlich die passende Antwort, oder besser die richtige Gegenfrage: „Und mit 100 Erfindungen ein armer Hund bleiben kann?“ Spürnase und Pappnase, um diese beiden Figuren drehen sich alle Karikaturen, die Strunk in seiner Holzfelder Werkstatt zeichnet. Doch den beiden Nasen geht es nicht nur um Erfindungen und deren Erfinder. Es sind auch aktuelle politische Themen, mit denen sich die beiden auseinandersetzen. Pappnase bleibt dabei immer etwas dümmlich, ganz so, wie es der Natur einer solchen entspricht. Spürnase hingegen hat immer den richtigen Riecher und damit auch stets die passende Antwort in petto.

„Die Deutschen tun sich generell schwer mit fremden Ideen“, weiß Strunk aus jahrelanger Erfahrung als Erfinder. Gerne würde er noch erleben, dass eine seiner Erfindungen den Weg auf den deutschen oder auch internationalen Markt findet. Immer ist er auf der Suche nach Herstellern und Firmen, die es sich vorstellen können, mit ihm zusammenzuarbeiten. Gelungen ist dem 70-Jährigen das bisher leider nicht. Und für die Verwirklichung der Ideen auf eigene Faust fehlt dem Tüftler einfach das nötige Kleingeld.

Erlös soll an Erfinderclub gehen

„Das gleiche Problem habe ich nun auch mit den Karikaturen“, berichtet Strunk. Gerne würde er sie bei einem Verlag in Druck geben, doch die wollten dann ja erst einmal Geld von ihm. Geld, das er nicht zur Verfügung hat. „Verdienen will ich an meinen Zeichnungen gar nichts“, sagt der Holzfelder. Er würde sich mit einer kleinen Aufwandsentschädigung zufriedengeben, versichert er. Der Erlös solle vielmehr an den Innovationsclub Deutsches Eck in Koblenz gehen. Das Schöne an diesem Klub, in dem Strunk natürlich auch Mitglied ist, sei, dass sich Erfinder generell nur selten uneinig sind, sagt der Tüftler. Und ein Konkurrenzdenken gebe es schon gar nicht. „Der Austausch und das gegenseitige Unterstützen stehen dort im Vordergrund“, berichtet Strunk.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern würde er gerne mehr junge Menschen für Basteleien begeistern. Dass er dafür ein Händchen hat, konnte der Holzfelder bereits mehrfach beim Regiocamp beweisen, das er insbesondere dafür nutzt, den Jugendlichen Geschichte und Zukunft etwas begreifbarer zu machen. Doch das allein reicht dem 70-Jährigen noch nicht. Gut könnte er sich die Einrichtung einer Erfinderwerkstatt vorstellen, in der sich junge Menschen ausprobieren und in der auch Erfinderschulungen angeboten werden können.

„Erfinder gelten ja gerne mal als Spinner“, weiß Strunk. Deshalb passe er selbst gut in diese Sparte, lacht er. Dass Erfinder aber alles andere als Spinner sind, macht der 70-Jährige gerade in seinen Karikaturen deutlich, von denen mittlerweile nahezu 200 Stück entstanden sind.

Aktuelle Themen kritisch betrachtet

Die Idee zu Papp- und Spürnase kam Strunk, als er eine Werbestrategie für eine Firma entwickelte. Heute nutzt er die beiden Figuren immer dann, wenn ihm eine Idee kommt, oder er ein aktuelles Thema kritisch aufgreifen möchte. „Fridays for Future“, bestimmte Fernsehsendungen oder der amerikanische Präsident kommen in den Zeichnungen ebenso vor wie unpraktische Verpackungen von Lebensmitteln, Anglizismen in der Sprache, oder Feinstaub und der Einsatz von Glyphosat. Alles, was dem 70-Jährigen über den Weg läuft und ihn beschäftigt und stört, greift er in den Karikaturen auf. Und das immer in kurzen und knackigen Dialogen zwischen den beiden Nasen. „Das reicht von geistreichem Blödsinn über Kritisches und Satirisches bis hin zu Nachdenklichem“, beschreibt Strunk seine Zeichnungen. Nun fehlt es dem Zeichner nur noch an einem oder vielen Unterstützern oder einem Verlag, der sich durch den Druck für Strunk und die Verwirklichung einer Erfinderwerkstatt einsetzen mag. Und derjenige darf ruhig auch ein wenig verrückt sein. Denn, da ist sich der Erfinder sicher: „Wer heute nicht ein bisschen verrückt ist, der wird irgendwann verrückt.“

Infos zum Erfinderclub gibt es unter www.innovationsclub-deutsches-eck.de, wer mit Hans-Peter Strunk in Kontakt treten will, schreibt uns eine E-Mail: simmern@rhein-zeitung.net.

Von unserer Redakteurin
Charlotte Krämer-Schick