Archivierter Artikel vom 22.05.2019, 16:58 Uhr
Mittelrhein

Wahlkampfzeit ist: Wenn ein Landwirt kleben geht

Endspurt im Wahlkampf auch für Klaus Stahl aus Oberwesel-Dellhofen: Seit 25 Jahren kümmert sich der 49-Jährige in Wahlkampfzeiten um die Großflächenplakate aller Parteien als Subunternehmer der Firma Wesselmann aus Bochum. Gemeinsam mit seinem Sohn Rainer betreut er die großflächige Werbung an den Hauptverkehrsachsen und klebt auf Kundenwunsch Plakate.

Von Suzanne Breitbach
Landwirt Klaus Stahl (rechts) und ein Helfer plakatieren wieder um – seit Wochen haben sie in Sachen Wahlwerbung alle Hände voll zu tun.  Foto: S. Breitbach
Landwirt Klaus Stahl (rechts) und ein Helfer plakatieren wieder um – seit Wochen haben sie in Sachen Wahlwerbung alle Hände voll zu tun.
Foto: S. Breitbach

Klaus Stahl ist Haupterwerbslandwirt, betreibt einen Mutterkuh-Betrieb, hält Schweine und Hühner. Die Familie Stahl vermarktet die eigenen Erzeugnisse selbst im eigenen Hofladen, der freitags und samstags geöffnet ist. „Die Landwirtschaft ist ein hartes Brot. Wenn der Verdienst in der Landwirtschaft nicht so toll war wegen der Witterung mit Dürre, Hagel, reichlich Niederschlägen oder Frost, schaffe ich mir mit der Wahlwerbung ein finanzielles Polster“, sagt der 49-Jährige. Großflächenplakate aller Parteien im Format 3,50 mal 2,50 Meter stellt er auf und aktualisiert die Werbung in einem großen Radius rund um Oberwesel-Dellhofen. Die Kreise Mainz-Bingen, Mayen-Koblenz, Rhein-Hunsrück, Rhein-Lahn, Rheinpfalz, die Städte Speyer, Worms, Frankenthal, Ludwigshafen, Mainz, Koblenz, Bad Dürkheim und Bad Kreuznach steuern Vater und Sohn aus Dellhofen regelmäßig an.

Die Vorarbeiten beginnen rund 14 Tage vor dem Aufstellen. Und dann wird regelmäßig auf Wunsch der Parteien umplakatiert. Drei Spezialfahrzeuge werden den Stahls vom Wahlkampfspezialisten aus Bochum zur Verfügung gestellt. Tag und Nacht sind die Stahls im rheinland-pfälzischen Norden und Süden unterwegs. „Ich bin froh, dass es mal wieder rum ist“, sagt Klaus Stahl am Kreisverkehrsplatz im Dörther Industriegebiet. Meistens besteht ein Plakat aus vier Teilen. „Die müssen in der richtigen Reihenfolge geklebt werden“, erläutert Stahl seine Arbeit.

Mit Spezialkleber, ähnlich wie Tapetenkleister, der besser bei Regen hält, werden die überdimensional großen Plakatwände behandelt, bevor das Plakat in vier Teilen aufgebracht wird. Anfahren, aussteigen, Eimer und Besen von der Ladefläche holen, Plakatwand einkleistern, Plakat aufkleben und glattstreichen – schon fährt das weiße Spezialfahrzeug weiter zur nächsten Plakatwand.

Eine riesige Logistik steckt hinter der Wahlwerbung auf Großformatplakaten. Aber nicht nur neue Plakate kleben Klaus und Rainer Stahl, oft müssen Beschädigungen beseitigt werden oder auf Kundenwunsch Plakate umgestellt werden. Häufig sorgen auch Windböen dafür, dass die Stahls ausrücken müssen.

Da kommen schnell viele Kilometer an einem Arbeitstag zusammen, damit die Wähler am kommenden Sonntag wissen, wo sie ihre Kreuzchen machen sollen. „Manchmal kann ich mich gar nicht an die Werbung erinnern. Querbeet durch die Parteien und in kurzen Abständen werden die Plakatwände geändert“, sagt Klaus Stahl.

Er freut sich, wenn am Sonntagabend ausgezählt wird. Die Plakatsaison ist dann für Klaus und Rainer Stahl fast beendet – und sie widmen ihre ganze Aufmerksamkeit wieder ihren Tieren, Feldern und Wiesen.

Von unserer Reporterin Suzanne Breitbach