Archivierter Artikel vom 02.02.2022, 12:31 Uhr
Beltheim

Seit 70 Jahren „närrisch“: Beltheimer Fassenacht feiert runden Geburtstag

Ein Jubiläum in besonderen Zeiten feiert in diesem Jahr der Beltheimer Musikverein. Denn seine „Beltheimer Fassenacht“ wird 70 Jahre alt. Die Akteure berichten, wie alles begann.

Vor 70 Jahren, im Jahr 1952, eröffnete der erste Nachkriegsprinz Hubert der I. mit seiner Lieblichkeit Prinzessin Elfriede die neue Zeitrechnung der Beltheimer Fassenacht. Foto: privat
Vor 70 Jahren, im Jahr 1952, eröffnete der erste Nachkriegsprinz Hubert der I. mit seiner Lieblichkeit Prinzessin Elfriede die neue Zeitrechnung der Beltheimer Fassenacht.
Foto: privat

„Auch wenn die Zeitrechnung des Musikvereins nach dem Krieg im Jahr 1952 offiziell beginnt, soll gesagt sein, dass die Anfänge der Beltheimer Fassenacht schon auf die 20er- und 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurückgehen. Das närrische Treiben erreichte bereits in den Vorkriegsjahren des Zweiten Weltkriegs ein Ausmaß, das für den Hunsrück schon fast einmalig war. Nahezu das ganze Dorf war dabei integriert: Feuerwehr, Sportverein, Kirchenchor sowie der kirchliche Frauen- und Mütterverein luden zu Veranstaltungen wie Fastnachtstanz, bunte Abende, Maskenbälle sowie einer Kinderfastnacht ein. In diesen Jahren entstand auch das traditionelle ,Fastnachtssingen’, bei dem damals Jungen und Mädchen von Haus zu Haus zogen, um sich mit Liedern wie ,Hahn, äppelsche Hahn, die Fassenacht geht an …’ oder ,Ich bin en armer König, giff ma net zu wenisch …’ eine kleine Gabe zu verdienen. Diesen Brauch findet man in Beltheim noch bis heute – in allen Altersklassen!“, berichtet der Verein.

Der Zweite Weltkrieg führte zur Unterbrechung der Beltheimer Fassenacht. Doch mit Ende des Kriegs verstand es die dörfliche Gemeinschaft, die bunte Narrenzeit nach und nach wieder aufleben zu lassen. Vor 70 Jahren, im Jahr 1952, eröffnete der erste Nachkriegsprinz Hubert der I. mit seiner Lieblichkeit Prinzessin Elfriede die neue Zeitrechnung der Beltheimer Fassenacht. Verstärkt wurde diese närrische Kultur ab 1957 durch den Zusammenschluss der Musikkapelle und der Karnevalsgesellschaft zum neu gegründeten Musikverein Beltheim.

Sitzung und Zug in der Umgebung bekannt

Seitdem organisiert dieser Verein die Kappensitzungen und den Rosenmontag, die mit den Jahren auch in der Umgebung immer bekannter wurden.Die Kappensitzungen wurden sogar einige Jahre zusätzlich in anderen Ortschaften wie Ebschied, Zilshausen, Sabershausen, Eveshausen und Blümlingshof aufgeführt. 1987 kam dann erstmals die Weiberfastnacht und 1994 die Kinderfastnacht hinzu. Beide werden von den Beltheimer Landfrauen über mehrere Jahre hinweg in Zusammenarbeit mit den „Alten Herren“ veranstaltet.

„Eine ebenso wichtige Tradition, ja fast schon ein Ritual, bilden seit den Anfangsjahren die Prinzentaufe und die Fastnachtsbeerdigung mit traditionellem Heringsessen im Vereinslokal. 70 Jahre nach der Gründung der Fassenacht ist sie in Beltheim nicht mehr wegzudenken und weit über die Grenzen des Dorfes hinaus mit ihrem Motto ,Semma sesamme, semma gud droff’ bekannt und beliebt“, berichtet der Verein weiter.

Ausstellung am Dorfmittelpunkt

Normalerweise ist so ein Jubiläum ein Grund zu feiern, doch auch diesem Fest macht Corona einen Strich durch die Rechnung. So können die traditionellen Veranstaltungen auch in diesem Jahr nicht stattfinden. Die Beltheimer Narren wollen sich aber nicht unterkriegen lassen und haben sich ein paar Überraschungen für das Jubiläumsjahr ausgedacht. In den kommenden Wochen wird im Dorfmittelpunkt, auf dem Vorplatz der Pfarrkirche, eine Fotoausstellung aufgebaut, bei der Fotos von den Rosenmontagsumzügen der vergangenen 70 Jahre präsentiert werden. Am Fastnachtswochenende Ende Februar und auch im Laufe des Jahres soll es noch weitere Überraschungen geben, mit denen die Beltheimer ihr Jubiläum gebührend feiern wollen. „Die Narren lassen sich ihre Laune schließlich nicht vermiesen – und freuen sich drauf, das Feiern bald wieder mit allen Interessierten zu genießen“, so die Hoffnung des Vereins.