Archivierter Artikel vom 05.12.2018, 17:33 Uhr
Mittelrhein

Schiffe und Fähren haben wieder Wasser unterm Kiel: Situation am Mittelrhein entspannt sich

Die Schifffahrt am Mittelrhein atmet auf. Das Flussbett des Rheins füllt sich nach und nach dank ergiebiger Niederschläge. Der Pegelstand in Kaub ist innerhalb weniger Tage kräftig gestiegen. Nach wochenlangem Niedrigwasser tritt langsam wieder Normalität am Mittelrhein ein.

Am Mittwochnachmittag zeigte der Pegel Kaub einen Stand von 161 Zentimetern an.

Volker Boch

Auch an der Kauber Fähre herrscht wieder Normalbetrieb.

Volker Boch

Das felsige Umland um die Pfalzgrafenstein hat mittlerweile wieder halbwegs Normalmaß erreicht.

Volker Boch

Viele Schiffseigner haben in Rotterdam noch Vorsicht walten lassen und weniger Ladung aufgenommen, denn sie konnten nicht ahnen, dass der Wasserstand sich so rasant verbessern würde, wie während der vergangenen Tage.

Volker Boch

Vollbeladung sieht zwar noch anders aus, doch mittlerweile können die Frachtschiffe wieder mehr Güter aufnehmen.

Volker Boch

Die „Loreley VI“ hat wieder normales Niveau erreicht. Autofahrer müssen keine steile Rampe mehr befahren, weil die Fähre wieder höher liegt.

Volker Boch

Beim Betreten der Fähre in Boppard müssen die Passagiere keine Bergsteigerqualitäten mehr unter Beweis stellen.

Volker Boch

Die Uferränder am Mittelrhein sind größtenteils wieder überspült und ragen nicht mehr aus dem Wasser.

Volker Boch

Seit dem Wochenende ist der Pegelstand von 35 Zentimeter am Sonntag auf 152 Zentimeter am Mittwochmorgen angestiegen. Am Mittwochnachmittag lag er bei 161 Zentimetern, Tendenz weiter steigend. Das hat zur Folge, dass alle Fähren wieder im normalen Modus Fahrgäste und Fahrzeuge befördern können.

Seit Dienstagmorgen, 6 Uhr, hat der arg gebeutelte Fährbetreiber Michael Schnaas zwischen Niederheimbach und Lorch wieder seine Arbeit aufgenommen. „Die 44 Tage lange Durststrecke ist überwunden, die entlassenen Mitarbeiter sind wieder eingestellt. Die Reserven, die wir für den Winter angespart hatten, wurden durch Baggerarbeiten und Liegezeit vorzeitig aufgebraucht. Eine gewaltige finanzielle Lücke hat das Niedrigwasser gerissen. Wir müssen sehen, wie wir über die Runden kommen. Ich hoffe auf regen Fährverkehr, sodass wir wieder höhere Einnahmen haben“, sagt Michael Schnaas.

Der Fährbetreiber hofft darauf, dass in der weniger verkehrsreichen Jahreszeit alle Pendler wieder zurückkommen und zu Beginn des Jahres Jahreskarten bei ihm kaufen. Die Lorcher Fähre ist während der Wintermonate täglich von 6 bis 19 Uhr im Einsatz.

Letzte Lieferung am 5. September

Mehr Einsatz mussten die Mitarbeiter der Firma Sand Kahl in Oberwesel in jüngster Vergangenheit zeigen. Der Fuhrpark hatte längere Strecken zurückzulegen, um die Kundschaft während der extremen Niedrigwasserzeit zu bedienen. „Unsere Sandberge sind weitestgehend abgebaut, das Lager nahezu blank. Wir erwarten das erste Sandschiff Mitte kommender Woche. Die letzte Lieferung im Oberweseler Rheinhafen hat am 5. September stattgefunden“, sagt Gunter Kahl.

Das erste Getreideschiff wird am Donnerstag in Oberwesel erwartet. Hunsrücker Getreide von Raiffeisen Lingerhahn soll verladen und ins Ruhrgebiet transportiert werden. 1000 Tonnen mit dem Schiff entsprechen 40 Lkw-Ladungen, die ansonsten über die Straße rollen.

Wenigstens muss Gunter Kahl keinen „Kleinwasserzuschlag“ mehr zahlen. In der Binnenschifffahrt ist dieser Zuschlag vertraglich vereinbart. Er wird auf die Grundfracht erhoben als Entschädigung für die nicht volle Fahrzeugauslastung bei Niedrigwasser. Derzeit werden keine Kleinwasserzahlungen mehr erhoben. „Die Zuschläge sind gestaffelt. Sie beginnen ab einem Pegelstand in Kaub von 1,40 Meter und niedriger“, erläutert Gunter Kahl.

Wochenlang wurde auch kein Flusskreuzfahrtschiff mehr zwischen Koblenz und Bingen gesichtet. Auch hier wich man auf die Straße aus. Statt der Urlaubsschiffe brachten vermehrt Reisebusse die Feriengäste zu den Sehenswürdigkeiten am Mittelrhein. Die Flusskreuzfahrtschiffe machten teilweise in größeren Häfen fest oder an der Mosel. Bedingt durch das Niedrigwasser änderten Reisegesellschaften ihre jahrelangen Routen, um eine Grundberührung der langen Flusskreuzfahrtschiffe oder Schäden am Antrieb zu vermeiden. Von dieser Situation profitiert haben die kleineren Reedereien am Mittelrhein, die regelmäßig Touristen auf dem Rhein trotz Niedrigwassers beförderten, aber nicht überall anlegen konnten, um die Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen. „Das lag in der Verantwortung des Schiffsführers“, sagt Uwe Deversi von der Revierzentrale in Oberwesel des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Bingen. Auch hier gab es Einschränkungen, denn einige Landungsbrücken lagen, bedingt durch den niedrigen Wasserstand, teilweise auf dem Trockenen.

Spritpreis um 20 Cent niedriger

Entspannung auch an den Tankstellen: Beim Blick auf die Preistafeln und beim Einkauf von Heizöl hat sich die Lage verbessert. Um mehr als 20 Cent pro Liter wurde der Spritpreis gesenkt, worüber sich gerade Berufspendler und Speditionen freuen dürften. Um die Versorgung zu gewährleisten, fuhren die Lieferanten teilweise mit Tanklastwagen nach Belgien und in die Niederlande, um Nachschub zu besorgen, weil auf dem Wasserweg Rhein weniger Sprit und Heizöl ankam.

Geschäftsführer Peter Aßmann von Raiffeisen Hunsrück in Lingerhahn atmet auf: „Das Niveau ist etwas zurückgekommen, die Heizöl- und Spritversorgung ist besser geworden. Eine Wasserwelle aus dem Schwarzwald sorgt für kurzfristige Entspannung.“ Staatliche Reserven, die unter anderem in Mainz lagern, seien teilweise aufgelöst worden, sodass verschiedene Tanklager nun zunächst wieder aufgefüllt werden müssten. „Das Wetter hilft, der Heizölverbrauch ist momentan nicht ganz so hoch. Die Situation ist entspannter als vor drei Wochen. Zwei bis drei Monate soll es so bleiben wie momentan. Die Lieferzeit für Heizöl beträgt zurzeit acht bis zehn Tage“, sagt Aßmann.

Uwe Deversi gibt sich vorsichtig optimistisch, was die weiteren Aussichten angeht: „Wir steuern auf ein normales Mittelwasser hin. Die Schiffe können beim derzeitigen Pegelstand in Kaub wieder mehr Ladung aufnehmen, das ist schon mal was.“ Für die vor ein paar Tagen in Rotterdam gestarteten Schiffer war der schnelle Anstieg des Wasserstands noch nicht absehbar. Daher ließen sie bei der Lademenge noch Vorsicht walten.

Von unserer Reporterin Suzanne Breitbach