Archivierter Artikel vom 11.03.2021, 13:02 Uhr
Ravengiersburg

Orgel pfeift aus dem letzten Loch – Restaurierung im Hunsrückdom erforderlich

Die Orgel gilt als Königin – sie ist das größte aller Musikinstrumente, das tiefste und höchste, das lauteste und leiseste. Nirgendwo gibt es so viele Pfeifenorgeln wie in Deutschland. Die meisten stehen in Kirchen. So auch die Orgel im Hunsrückdom in Ravengiersburg.

Von Werner Dupuis
Von außen betrachtet ist die Orgel im Ravengiersburger Hunsrückdom ein barockes Schmuckstück, doch entlockt Organist Bernd Loch ihr Töne, sträuben sich ihm die Haare – kaum ein Ton stimmt. Das Instrument ist dringend renovierungsbedürftig.
Von außen betrachtet ist die Orgel im Ravengiersburger Hunsrückdom ein barockes Schmuckstück, doch entlockt Organist Bernd Loch ihr Töne, sträuben sich ihm die Haare – kaum ein Ton stimmt. Das Instrument ist dringend renovierungsbedürftig.
Foto: Werner Dupuis

Optisch beeindruckt sie durch ihr prächtiges Prospekt. Doch wenn Organist Bernd Loch in die Tasten greift, sträuben sich ihm die Haare. Viele Tasten hängen, kaum ein Ton stimmt, ganze Register sind ausgefallen. Das schöne Instrument pfeift sozusagen aus dem letzten Loch. Dies soll sich in einem überschaubaren Zeitraum ändern. Die Kirchengemeinde hat die Renovierung beschlossen und sammelt nun das Geld dafür.

Nur noch ungern greift Organist Bernd Loch in die Tasten.
Nur noch ungern greift Organist Bernd Loch in die Tasten.
Foto: Werner Dupuis

Seit mehr als 120 Jahren erklingt sie in Gottesdiensten und gelegentlich auch bei Konzerten zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen. Doch für ihren Organisten Bernd Loch, der seit sechs Jahren wie die anderen Orgeln in der Pfarreiengemeinschaft Simmern auch die Ravengiersburger Orgel spielt, ist es ein Graus. Die Probleme werden immer größer. Hinter der hochglänzenden silbernen Fassade des Prospekts steckt eine völlig unzuverlässige Technik. Die Pneumatik, die die Pfeifen mit der Luft versorgt, die den Ton erzeugt, ist marode, die Zuleitungen sind durchlässig, die Dichtungen aus Leder porös. Organist Loch ist froh, wenn er zumindest ab und zu den richtigen Ton trifft. Genauso wie ganze Registerstimmen ausfallen, tritt er auch in seinem Pedalwerk immer wieder ins Leere. Der Holzwurm frisst sich durch das gesamte Orgelwerk, viele Holzpfeifen, tragende Stützen und sogar den Spieltisch hat er befallen. Das Bohrmehl zeugt von seiner Allgegenwart. Deswegen ist eine Sanierung dringend geboten.

Die Orgelbaufirma Raab und Plenz aus Hackenheim veranschlagt die Kosten für Instandsetzung und Reinigung mit 128.460 Euro. Christoph Raab und Ulrich Plenz sind erfahrene Orgelbauer, die beide schon mehr als 30 Jahre in diesem anspruchsvollen Beruf arbeiten und ihre Wurzeln bei Oberlinger Orgelbau in Windesheim haben. Plenz war dort als Werkstattleiter und Ausbilder tätig, Raab wirkte als Chefintonateur – von ihm haben die Orgeln ihr Leben, ihren unverwechselbaren Klang und Charakter erhalten.

Bisher konnten durch Konzerte, Domführungen und private Spenden rund 40.200 Euro gesammelt werden. Der Hunsrücker Dombauverein hat 15.000 Euro aus seinem Vereinsvermögen zugesagt. Von der Kirchengemeinde Simmern kommt ein zinsloses Darlehen aus ihren Rücklagen. Aus der Trierer Bistumskasse ist kein Geld zu erwarten. Orgelsanierungen werden in dieser Diözese nicht bezuschusst. Es fehlen also noch rund 75.000 Euro, die aus Spenden, Patenschaften, Kollekten und Konzerten aufgebracht werden sollen.

Bereits 1738 ist eine Orgel in Ravengiersburg amtlich erwähnt. Das heutige Instrument stand ehemals in der St. Nikolaus Kirche in Bad Kreuznach und wurde 1898 von der Pfarrei erworben, demontiert und in den Hunsrückdom nach Ravengiersburg gebracht. In dem Standardwerk „Kunstdenkmäler Rheinland-Pfalz, ehemaliger Landkreis Simmern“ wird das marmorierte Gehäuse aus Eichenholz als prachtvoll und monumental beschrieben. Ein Engel trägt auf seinen Schultern den Mittelteil. Auf geschweiften Gebälkstücken sitzen auf beiden Seitenteilen zwei musizierende Engel – Barock in seiner schönsten Form. Im krassen Gegensatz zur prächtigen Fassade stehen die klanglichen Qualitäten des Instruments. 1923 baute der Orgelbauer Christian Gerhardt aus Boppard eine neue Orgel in das alte Gehäuse inklusive neuem Spieltisch und Windladen ein. Man strebte damals ein spät-romantisches Klangprofil an. In den 1930er-Jahren wurde das Gehäuse wieder ab- und etwas ausladender neu aufgebaut. 1950 bemühten sich die Gebrüder Oberlinger um Veränderung der Intonation und klangliche Aufhellung. Weitere Umbauten und Reparaturen gab es 1955 und 1998. Sobald das Geld zusammen ist, werden die Orgelbauer aus Hargesheim mit ihrer Arbeit beginnen.

Spendenkonto der katholischen Kirchengemeinde Ravengiersburg, Stichwort „Orgelsanierung“: IBAN DE 33.5606.1472.0008.3093 01. Weitere Infos unter kirchen musik@pg-simmern.de

Von unserem Reporter Werner Dupuis