Simmern

Ökumenische Woche für das Leben: Spaiki und Chela schenken Todkranken in Hunsrück-Klinik Lebensmut

Streicheln, kuscheln und Kunststücke zeigen: Der Dienstag ist kein normaler Tag im Palliativbereich der Hunsrück-Klinik. Denn an diesem Tag haben laut einer Pressemitteilung der Einrichtung zwei ganz besondere Therapeuten Dienst. Auf leisen Pfoten, schwanzwedelnd und mit feuchten Nasen laufen Spaiki und Chela über die Klinikflure.

Nähe und Liebe: Auf besonderen Patientenwunsch kommen die Therapiehunde auch zum Kuscheln ins Bett.  Foto: Hunsrück-Klinik
Nähe und Liebe: Auf besonderen Patientenwunsch kommen die Therapiehunde auch zum Kuscheln ins Bett.
Foto: Hunsrück-Klinik

Vor gut zwölf Monaten haben der quirlige weiße Jack Russel Terrier mit dem dunklen Augenfleck und der anmutige Rhodesian Ridgeback ihre Prüfungen als Therapiebegleithunde bestanden und gehören seitdem zum „Personal“ der Hunsrück-Klinik. Im ersten Stock haben die beiden einen wichtigen Job zu erledigen: Ein Lächeln in die Gesichter schwerstkranker Menschen zu zaubern und ihren Tag zu erhellen.

Aktionswoche startet am Freitag

Mit „Leben im Sterben“ ist die ökumenische Woche für das Leben 2021 überschrieben, die am 17. April startet. Die Aktion geht auf Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zurück. Seit 1994 wird sie mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland durchgeführt. Mit Veranstaltungen und Aktionen rund um dieses Thema leisten die Kirchen seit mehr als 20 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens.

Diese spezielle Woche nehmen Physiotherapeutin Claudia Drobeck und Palliativmediziner Konrad Härtel zum Anlass, um zu berichten, wie Therapiehunde die palliative Arbeit bereichern. „In der Palliativmedizin betreuen und behandeln wir Menschen mit fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankungen. Die Hunde sorgen für Ablenkung, sie holen den Menschen aus seiner Rolle als Patient heraus. Jede Auszeit, die ihn für einen Moment von seinen Sorgen befreit, ist unbeschreiblich wichtig“, erklärt Härtel. Er arbeitet seit 2013 in Simmern und betreut als Facharzt für Innere Medizin den Palliativbereich der Hunsrück Klinik.

Tiergestützte Therapie wird bereits in vielen deutschen Kliniken eingesetzt. Die Hunde können Angstzustände, Sprach- oder Sozialstörungen und vielfältige Stresssymptome lindern. In der palliativmedizinischen Versorgung stehen vor allem der psychologische Effekt und das seelische Wohlbefinden im Vordergrund. „Sobald die Therapiehunde auf die Station kommen, ändert sich die Atmosphäre“, weiß auch Claudia Drobeck. Sie ist die Besitzerin der beiden Hunde und arbeitet seit 26 Jahren als Physiotherapeutin in der Hunsrück-Klinik.

Von traurig bis hin zu depressiv

„Oft sind die Patienten sehr traurig, depressiv und kommunizieren wenig“, erzählt Drobeck. „Spaiki und Chela erspüren die Stimmungen der Menschen. Ganz unvoreingenommen und spielerisch nehmen sie Kontakt auf und vermitteln nur durch ihre Anwesenheit Wärme, Mitgefühl und Sicherheit.“

Spaiki und Chela sind nicht die ersten Hunde von Drobeck, aber die ersten, die sie als Therapiehunde hat ausbilden lassen. Ein ehemaliger Patient brachte sie auf die Idee: „Er war Hundetrainer, und ich habe ihm gern Fotos und Videos der beiden Hunde gezeigt, um ihn aufzumuntern. Er hat mir viele Tipps gegeben und mir schließlich die Ausbildung bei der Malteser Therapiehundestaffel ans Herz gelegt.“ In Simmern ist die Tiergestützte Therapie individuell auf den Patienten abgestimmt.

„Manche Personen lieben es, die Tiere zu streicheln und zu füttern, andere möchten bloß in ihrer Nähe sein. Und mit den fitten Patienten ist auch ein kleiner gemeinsamer Spaziergang möglich“, erklärt Claudia Drobeck das Konzept. Sie beobachtet, dass Patienten im Kontakt mit ihren Hunden oft neue Energien mobilisieren, die sich positiv auf die Physio- oder Ergotherapie auswirken.

Jede Bewegung ist gut für Patienten

So ist jede Streicheleinheit oder das Bücken nach einem Wurfball gleichzeitig auch eine spielerische Bewegungsübung. Das ist wichtig, denn es geht um Lebensqualität und Lebensmut – bis zuletzt. „Wir sind keine Sterbestation, sondern ein Ort, an dem gelebt wird“, fasst Konrad Härtel zusammen.