Archivierter Artikel vom 24.04.2014, 06:00 Uhr
Kirchberg

Kommunalwahl in Kirchberg: Ex-Bürgermeister will es noch mal wissen

Überraschend aufgetaucht aus der stadtpolitischen Versenkung ist Hans Dunger. Der 62-jährige Berufsschullehrer, der selbst ein Jahrzehnt lang von 1994 bis 2004 die Geschicke der Stadt auf dem Berge lenkte, kandidiert am 25. Mai erneut um den Bürgermeistersessel in Kirchberg. Gegen Amtsinhaber Udo Kunz (CDU) wirft er als Einzelbewerber seinen Hut in den Ring.

Stolz auf die lange Kirchberger Geschichte: Ex-Bürgermeister Hans Dunger bewirbt sich erneut um das Amt des Stadtbürgermeisters.
Stolz auf die lange Kirchberger Geschichte: Ex-Bürgermeister Hans Dunger bewirbt sich erneut um das Amt des Stadtbürgermeisters.
Foto: Markus Lorenz

Von unserem Redakteur Markus Lorenz

Zwar hatte sich Dunger, einst einer der ersten Stadtbürgermeister der Grünen im ganzen Land überhaupt, in den vergangenen Jahren aus der lokalen Kirchberger Politik zurückgezogen – auf dem Laufenden war er dank seiner Mandate in Verbandsgemeinderat und Kreistag aber trotzdem immer.

Jetzt will er es noch einmal wissen: „Auf die Stadt Kirchberg kommen spannende Zeiten zu“, glaubt der Hobbyhistoriker, der bereits mehrere Bücher zur Geschichte seiner Heimatstadt verfasst hat, „mit dem Hochmoselübergang ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Ich bin sicher, dass sich dadurch viel verändern wird.“

Nicht nur die „spannenden Zeiten“ waren Grund für Dungers erneute Kandidatur. Das grüne Urgestein hatte es auch gestört, dass bis dahin mit Amtsinhaber Kunz nur ein Bürgermeisterbewerber angetreten war. „Es ist das Wesen der Demokratie, dass man die Wahl zwischen mehreren Kandidaten haben sollte“, glaubt der Pädagoge. „Nur mit Ja oder Nein zu stimmen, hielt ich für nicht ausreichend. Da sich sonst niemand erbarmt hat, gegen Udo Kunz anzutreten, kandidiere ich eben.“ Jetzt hätten die Kirchberger eine richtige Wahl. „Die Leute kennen Udo Kunz und sie kennen mich. Sie wissen bei beiden, woran sie sind.“

Dass Dunger gegen den Amtsinhaber 2009 verlor, ficht ihn nicht an. Damals wurde Kunz mit 59,7 Prozent zum neuen Stadtchef gewählt, Dunger erreichte gut 40 Prozent der Stimmen. „Im Moment steht es zwei zu zwei. Zweimal bin ich zum Stadtbürgermeister gewählt worden und zweimal nicht. Die fünfte Wahl entscheidet über das Gesamtergebnis.“ Der Kandidat sieht's sportlich, die Kirchberger treten am 25. Mai zum politischen Elfmeterschießen an. „Es gibt immer noch Leute, die den Hans Dunger mögen. Vielleicht kommen nun ja auch noch welche dazu, die den amtierenden Bürgermeister nicht so sehr mögen“, setzt der Bewerber auf einen möglichen Verdruss in der Bevölkerung.

Memoiren sind bereits verfasst

Groß die Werbetrommel rühren wird Hans Dunger auch in diesem Wahlkampf nicht. „Die Kirchberger kennen mich doch“, glaubt er, „außerdem ist das nicht meine Art.“ Die Leute müssten merken: Da ist einer, der sich engagiert, der auch mal quer denkt und der authentisch ist.

„Wahlkampf habe ich auch deshalb nie gemacht, weil ich gefühlt habe: Wenn die Leute dich mögen, dann wählen sie dich; wenn sie dich nicht mögen, dann kannst du dich auf den Kopf stellen – und dennoch wirst du nicht gewählt“, lautet seine Überzeugung. Ganz abgesehen davon: „Meine Memoiren habe ich bereits 2006 in dem Buch ,Kirchberg um die Jahrtausendwende verfasst'. Über meine Person und die Art meines Handelns als Stadtbürgermeister habe ich den Kirchbergern also schon Rechenschaft abgelegt.“

Keine Kritik am Amtsinhaber

Kritik an seinem Nach-Nachfolger übt Dunger nicht. Auch das ist nicht seine Art. Immerhin spürt man: Der Kirchberg-Röderner Kindergarten-Zoff gefällt dem Kandidaten überhaupt nicht. „Der Kindergartenbezirk Kirchberg hat nur einen sehr begrenzten Einzugsbereich. Da kann man es sich nicht erlauben, Krach mit den Nachbarn zu haben. Mit ihnen sollte man ein freundschaftliches Verhältnis pflegen. Außerdem habe ich nie einen Hehl daraus gemacht, dass mir der Karrenberg immer sehr am Herzen gelegen hat. Er war quasi ein Kind von mir. Aber auch hier will ich nicht nachkarten.“

Das Wahlprogramm des Bürgermeisters a. D. ist kurz: „Qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, Kirchberg als Radlerstadt ausbauen, die Bekanntheit als Von-Drais-Stadt erhöhen.“ Die Hunsrückbahn hat Dunger dagegen schon längst abgehakt, im Kreistag möchte er weiter wirken. „Dort sitze ich seit fünf Wahlperioden, für die Grünen im Land dürfte dies Rekord sein.“

Und wenn es mit dem Wahlerfolg in Kirchberg nicht klappen sollte, ist das für Dunger auch kein Beinbruch: „Dann hat mein Kontrahent einen großen Erfolg eingefahren. Ich werde mich trotzdem in meiner Heimatstadt wohlfühlen und ihr weiter verbunden sein.“